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Interview: Kenia bietet Zugang zu 135 Millionen Menschen

Kenia bietet deutschen Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen gute Geschäftschancen. Ingo Badoreck, Chef des zum Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern (AHK) gehörenden Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft in Nairobi, verweist im Interview mit blog:subsahara-afrika auf ehrgeizige Regierungspläne und die Bedeutung persönlicher Kontakte.

blog:subsahara-afrika: Herr Badoreck, Kenia ist erst das fünfte Land in der 49 Staaten umfassenden Region Subsahara-Afrika, in dem ein Standort der Auslandshandelskammern gegründet wurde. Was zeichnet das ostafrikanische Land aus?

Ingo Badoreck: Kenia ist die größte sowie diversifizierteste Volkswirtschaft Ostafrikas und verfügt mit einer schnell wachsenden Mittelschicht über einen starken Binnenmarkt. Die Regierung hat Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung zu den Eckpfeilern ihrer Wirtschaftspolitik gemacht, mit dem Ziel, bis 2030 in die Riege der Schwellenländer aufzusteigen. Darüber hinaus kann das Land mit dem Zugang zu dem 135 Millionen Menschen umfassenden Wirtschaftsverbund East African Community punkten, zu dem neben Kenia auch Tansania, Uganda, Burundi und Ruanda gehören.

blog:subsahara-afrika: Im März finden in Kenia Präsidentschaftswahlen statt. Unruhen anlässlich der vergangenen Wahlen vor gut fünf Jahren haben das als politisch stabil geltende Land erschüttert. Was erwarten Sie für die anstehenden Wahlen?

Badoreck: Natürlich waren die Unruhen nach den letzten Wahlen nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Wirtschaft des Landes eine große Herausforderung. In Kenia gibt es 42 verschiedene Ethnien, sodass Spannungen nie ganz ausgeschlossen werden können. Dennoch hat sich seit den Wahlen viel verändert: Eine neue Verfassung wurde eingesetzt, und die Notwendigkeit eines friedlichen Wahlprozesses wurde zum Thema verschiedener Kampagnen gemacht. Das sind zumindest gute Anzeichen dafür, dass die anstehenden Wahlen friedfertig verlaufen werden. Eine absolute Sicherheit gibt es aber nicht.

blog:subsahara-afrika: Welche aktuellen Projekte und Branchen machen Kenia für deutsche Unternehmen besonders attraktiv?

Badoreck: Für einige deutsche Unternehmen ist es in letzter Zeit im Bereich der Sonnen- und Windenergie zu erfolgreichen Abschlüssen gekommen. Daneben versprechen die Sektoren Infrastruktur, Medizin, Tourismus und Telekommunikation gute Chancen. Auch Konsumprodukte werden wichtiger und ein Engagement im Agribusiness-Sektor kann durchaus lohnend sein.

blog:subsahara-afrika: Trotz Chancen ist das Engagement deutscher Unternehmen in Kenia und anderen afrikanischen Ländern sehr zurückhaltend. Firmen aus China, aber auch aus Europa, stecken hingegen ihre Claims ab. Wie ist das deutsche Zögern zu erklären?

Badoreck: Wie viele Länder Afrikas wird auch Kenia in der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland oft mit Armut, Korruption, schlechter Infrastruktur, Krankheiten und schwacher Bildung verbunden. Positive Berichterstattung dagegen findet selten statt, obwohl gerade Kenia auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene viel Positives vorzuweisen hat. Deutsche Unternehmer sind häufig risikobewusster.

blog:subsahara-afrika: Welche Praxistipps geben Sie deutschen Mittelständlern, die sich zum ersten Mal mit einem Engagement in Kenia beschäftigen?

Badoreck: Kenia ist ein Markt, der auch mittelständischen Unternehmen ohne Afrika-Erfahrung Chancen bietet. Dennoch ist es ratsam, sich vor Ort einen eigenen Eindruck über Potenzial und eventuelle Geschäftsmöglichkeiten zu verschaffen. Geschäftsbeziehungen werden in Kenia vor allem über persönliche Kontakte geknüpft. Entsprechende Möglichkeiten bietet zum Beispiel die Teilnahme an einer organisierten Unternehmerreise.

BadoreckDer Afrika-Kenner und Jurist Ingo Badoreck leitet das im September 2012 gegründete Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft in Kenia, das deutschen Unternehmen den Weg nach Kenia ebnen soll.

Kontakt: Ingo Badoreck,
E-Mail: ingo.badoreck@kenya-ahk.co.ke.

(Bildnachweise: © Brian Jackson – Fotolia.com und Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft in Kenia)

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