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Interview: Deutsches Know-how ist im frankophonen Afrika willkommen

Viele Länder Afrikas haben eine Kolonialvergangenheit, die bis heute nachwirkt. Der diplomierte Ingenieur und Unternehmensberater Antoine Gnofame, in Afrika und in Europa zu Hause, spricht im Interview mit blog:subsahara-afrika auch über europäische Einflüsse und ihre Wirkung auf das Image deutscher Geschäftsleute.

blog:subsahara-afrika: Herr Gnofame, Ihr Heimatland Togo zählt wie einige andere Staaten West- und Zentralafrikas zu den frankophonen, das heißt zu den französisch geprägten Ländern Afrikas. Togo hat neben einer französischen zudem eine deutsche Kolonialvergangenheit. Wie stark bestimmt diese Historie heute das Image der Deutschen in diesen Ländern, mit welcher Haltung muss ein deutscher Geschäftsmann gegebenenfalls rechnen?

Antoine Gnofame: Unter den ehemaligen deutschen Kolonien galt Togo als „Musterkolonie“, weil es die einzige Kolonie überhaupt war, die sich wirtschaftlich tragen konnte. Damit stellte sie keine Last für die deutschen Kolonialherren dar. Dies lässt erahnen, welchen Entwicklungsstand die Kolonie Togo erreicht haben mag. Die Spuren dieser Vergangenheit sind heutzutage noch sichtbar und haben einen positiven Einfluss auf das Image der Deutschen in Togo. Ein deutscher Geschäftsmann wird hier mit offenen Armen empfangen, denn das deutsche Fachwissen wird hoch geschätzt. Entsprechend groß ist das Interesse an einer Zusammenarbeit mit Deutschland. Um dies zu verdeutlichen: Zum Wirtschaftstag Togo in München vor zwei Jahren, einer Veranstaltung der IHK für München und Oberbayern auf Initiative der Regierung Togos, reiste aus Togo eine rund 80-köpfige Delegation an, darunter der Premierminister Togos und drei Mitglieder seines Kabinetts.

blog:subsahara-afrika: Und wie sehr prägen französische und deutsche Einflüsse die Togolesen?

Gnofame: Aufgrund der französischen Kolonialvergangenheit sind die Strukturen im Bildungswesen und in der Wirtschaft in den frankophonen Ländern Afrikas und damit auch in Togo denen in Frankreich ähnlich. Französische und afrikanische Einflüsse überlagern sich sehr häufig im kulturellen Bereich. Schaut man aber genauer hin, dann erkennt man, dass durch die Aktivitäten des Goethe-Instituts die deutsche Kultur auch in den französisch geprägten Ländern Afrikas sehr präsent ist. Das Goethe-Institut in Togo feierte letztes Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Einen ähnlichen Einfluss haben Germanistik-Studiengänge afrikanischer Universitäten. Ihre Absolventen sind nicht nur wegen ihrer Französisch- und Deutschkenntnisse interessant für deutsche Unternehmen, die in den frankophonen Ländern Fuß fassen wollen.

blog:subsahara-afrika: Welche konkreten Tipps würden Sie einem deutschen Geschäftsmann für die erste Begegnung, die Begrüßung und den Small-Talk mit seinem Gegenüber z.B. aus Togo mit auf den Weg geben?

Gnofame: In erster Linie ist die Einstellung von großer Bedeutung. Ein deutscher Geschäftsmann sollte neugierig auf sein Gegenüber sein und ihm mit Respekt und Offenheit begegnen. Nur so kann er seine Persönlichkeit entdecken. Und er sollte authentisch bleiben und sich nicht vor einem „Fauxpas“ fürchten. Bei der Anrede sollte der übliche handshake zum Beispiel von einem „Bonjour Monsieur le Directeur Général“ oder „Bonjour Madame la Ministre“ begleitet werden, das Aussprechen der Titel der Gesprächspartner ist wichtig. Beim Small-Talk sollte der deutsche Geschäftsmann darauf gefasst sein, dass Fußball, die deutsche Bundesliga und die Familie zu den Themen gehören können, die durchaus einen bedeutenden Teil des Gesprächs einnehmen können. Der Small-Talk kann sich in die Länge ziehen, daher ist Geduld ein guter Begleiter.

blog:subsahara-afrika: So viel zu den do`s. Wie sieht bei den don`ts aus? Nennen Sie uns bitte die Ihrer Erfahrung nach „beliebtesten“ kulturell bedingten Fettnäpfchen, in die Deutsche bei Verhandlungen mit afrikanischen Partnern immer wieder treten?

Gnofame: Die Deutschen erwarten, dass ihre afrikanischen Partner die Inhalte ihrer vorangegangenen E-Mail-Korrespondenz noch kennen, gut vorbereitet sind, und dass am Ende von Geschäftsverhandlungen Entscheidungen getroffen werden. Das ist häufig aber nicht der Fall. Vielmehr sind die Afrikaner oft schlecht oder gar nicht über den Verhandlungspartner informiert. Oft zeigen sich deutsche Geschäftsleute dadurch irritiert, dass Verhandlungsgespräche durch Handy-Telefonate oder andere Unterbrechungen zum Beispiel durch einen plötzlichen Termin des afrikanischen Verhandlungspartners mit einem Untergebenen gestört werden. Daher ist es wichtig, in solche Verhandlungen nicht ohne einen mit der Landeskultur und der Sprache vertrauten „interkulturell-kompetenten“ Mittler zu gehen.

blog:subsahara-afrika: Zum Schluss ein Blick über den Tellerrand. Was machen die in Afrika sehr aktiven Chinesen Ihrer Meinung nach anders im Umgang mit afrikanischen Geschäftsleuten? Können sich Deutsche unter Umständen sogar etwas abschauen?

Gnofame: Die Chinesen haben den Afrikanern das Gefühl gegeben, auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Vor allem in einer Zeit, als Europa Afrika den Rücken gekehrt und die europäischen Medien Afrika zum „verlorenen Kontinent“ erklärt hatten. Der Journalist Alex Perry von „Time Fortune“ brachte es in seinem 2009 publizierten Artikel „Africa, Business Destination“ auf den Punkt: „Während sich die alten Supermächte immer noch mit der Armut in Afrika herumquälen, ist die neue Supermacht (Anm. blog:subsahara-afrika: China) von seinem Reichtum fasziniert“. Die anfängliche Euphorie über den neuen Partner aus Asien ist jedoch inzwischen verflogen. Fast überall in Afrika spürt man den Unmut über die Wirtschaftspolitik Chinas. Billigprodukte made in China verursachen mehr Schaden als Nutzen, zum Beispiel in der Textilindustrie. Chinesische Investitionen schaffen keine Arbeitsplätze für die Bevölkerung. Dennoch: Die Investitionen Chinas in Infrastrukturprojekte und die Vergabe chinesischer Kredite für Entwicklungsprojekte sind nach wie vor sehr wichtig für die Entwicklung Afrikas.

antoine_gnofameDer gebürtige Togolese Antoine Gnofame (Dipl.-Ing. (FH), MBA) lebt seit vielen Jahren in Deutschland und betreut als selbständiger Berater und Coach für interkulturelle Fragen des Afrikageschäfts deutsche Unternehmen. Der Wahl-Münchner ist zu erreichen unter: antoine.gnofame@gpm-business.com, www.gpm-business.com.

 

(Bildnachweise: © moonrun – Fotolia.com und © M.studio – Fotolia.com)

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