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Nigeria wächst unter schwierigen Bedingungen

Das westafrikanische Nigeria lockt mit Rohstoffreichtum und Marktgröße. Die zweitgrößte Volkswirtschaft südlich der Sahara bedarf auch wegen herausfordernder Rahmenbedingungen eines genauen Blicks. Der Kreditversicherer Coface liefert auf blog:subsahara-afrika eine Kurzanalyse der aktuellen wirtschaftlichen Lage des 165-Millionen-Einwohner-Landes.

(Gastartikel) Lebhafte Binnennachfrage, Inflationsdruck hält an
2012 blieb das Wachstum der nigerianischen Wirtschaft auf einem hohen Niveau. Im laufenden Jahr ist jedoch aufgrund der restriktiveren Geld- und Steuerpolitik mit einer leichten Abschwächung zu rechnen. Da die Erdölpreise auf dem Weltmarkt wohl nicht nennenswert nachgeben und die Fördermengen des Landes mit der Inbetriebnahme des neuen Ölfelds von Usan zunehmen dürften, werden die Einnahmen aus dem Erdölgeschäft voraussichtlich ungefähr gleich bleiben. Somit ist kein drastischer Konjunktureinbruch zu befürchten. Die Landwirtschaft und die Dienstleistungsbranche können voraussichtlich von der lebhaften Binnennachfrage profitieren, und die privaten Konsumausgaben (54% des BIP) dürften sich weiterhin dynamisch entwickeln.

coface_nigeria_kennzahlen_2013Der Inflationsdruck wird jedoch anhalten, da die Subventionen auf die Ölpreise abgebaut werden und außerdem mit steigenden Stromkosten zu rechnen ist, wenn die Privatisierung der Energieversorgung voranschreitet. Es ist allerdings zu erwarten, dass die nigerianische Zentralbank (Central Bank of Nigeria – CBN) mit ihrer eher restriktiven Geldpolitik für eine Eindämmung der Inflation sorgt.

Spärliche Kreditvergabe, Korruption ein massives Problem
Mit der 2009 in die Wege geleiteten Reform des Bankensektors konnte das Finanzsystem umfassend saniert werden, was sich an der verbesserten Kapitalstruktur der Banken ebenso ablesen lässt wie am rückläufigen Anteil zweifelhafter Kredite. Dennoch sind viele Risiken nach wie vor nicht ausgeräumt. So ist die Rentabilität der Banken weiterhin gering, und die spärliche Kreditvergabe bedroht die Entwicklung der Wirtschaftsbereiche außerhalb der Ölindustrie wie zum Beispiel der Landwirtschaft.

Das Geschäftsumfeld weist gravierende Mängel auf: Die ineffiziente Verwaltung stellt ein großes Problem für das Land dar. Zudem schrecken hohe Steuern, Schwierigkeiten bei der Eintragung von Grundbesitz und die unzuverlässige Stromversorgung ausländische Investoren ab. Trotz der häufigen und medienwirksam dargestellten Ankündigungen von Präsident Goodluck Jonathan, massiv gegen die Korruption in seinem Land vorzugehen, bleibt Korruption eines der größten Hindernisse für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Im Korruptionsindex von Transparency International steht Nigeria auf Platz 143 von 182 Ländern.

Broeckelmann1_webDer Autor des Artikels, Dr. Dirk Bröckelmann, ist Referent Wirtschaftsanalysen bei Coface in Deutschland. Er gehört zum internationalen Group Economic Research Team des Kreditversicherers und verantwortet die Kommunikation von Länder- und Branchenrisiken für die Region Nordeuropa. Dirk.Broeckelmann@coface.de, www.coface.de, www.laenderrisiken.de.

 

(Bildhinweise: „Lagos Island“, Benji Robertson, Wikimedia Commons und Coface Deutschland)

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