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Interview: Sambia ist seit fast 50 Jahren sicher und politisch stabil

Laut Studien gehört Sambia zu den zehn Ländern, die in den nächsten fünf Jahren über das größte Wirtschaftswachstum verfügen werden. Im Interview mit blog:subsahara-afrika berichtet Sambia-Experte Steffen Münzner über das Potenzial des afrikanischen Landes und über Unterstützungsangebote für deutsche Interessenten.

blog:subsahara-afrika: Herr Münzner, Sie betreuen seit über zweieinhalb Jahren das in der sambischen Hauptstadt Lusaka ansässige German-Zambian Business Information Linkage Desk, kurz GZID. Was genau ist Aufgabe des GZID?

Steffen Münzner: Das GZID oder auch Deutsch-Sambische Wirtschaftsinformationsbüro ist das Verbindungsbüro für deutsche Geschäftsleute und Unternehmen in Sambia, aber auch für sambische Firmen, die den Markteintritt in Deutschland suchen. Aus deutscher Sicht heißt das: Wir helfen bei der Geschäftspartnersuche, geben Marktinformationen und unterstützen auch bei Formalitäten, die bei einem Engagement in Sambia automatisch anfallen, wie beispielsweise Registrierung und Visumsanträge. Die angebotenen Leistungen sind vergleichbar mit den Leistungen der deutschen Auslandshandelskammern. Das GZID ist bei der Zambia Development Agency, kurz ZDA, angesiedelt. Das ist die staatliche Wirtschaftsförderungsagentur Sambias, die ähnliche Aufgaben wie ihr deutsches Pendant Germany Trade and Invest hat. Die ZDA soll Investitionen ins Land ziehen und sambischen Unternehmen bei Export und Zutritt zu anderen Märkten behilflich sein. Aus diesem Grund wurde entschieden, das GZID bei der ZDA anzudocken. Da ich im täglichen Austausch mit den ZDA Kollegen stehe, habe ich einen direkteren und vereinfachten Zugang zu Informationen. Das ist sicher ein großer Vorteil dieses Konstrukts.

blog:subsahara-afrika: Sambia wird bisher nicht als „hotspot“ deutscher Wirtschaftsinteressen wahrgenommen. Andere Länder südlich der Sahara stehen stärker im Fokus. Wie ist es zur Gründung des GZID gekommen?

Münzner: Ich würde sogar sagen, dass Sambia überhaupt nicht in Deutschland wahrgenommen wird, entsprechend werden in der Regel auch keine Wirtschaftsinteressen mit Sambia in Verbindung gebracht. Und genau aus diesem Grund wurde Ende 2010 das GZID gegründet, mit dem Ziel, Sambia als Investitionsziel bekannter zu machen und Unternehmen beim Markteintritt zu unterstützen. Wir machen vor allem auf das sehr positive Wirtschaftsklima in Sambia aufmerksam. Sambia ist nämlich seit fast 50 Jahren sicher und politisch stabil, ohne Unruhen oder Gewalt. Das Wirtschaftswachstum liegt seit Jahren konstant bei um die 7 Prozent, gleiches gilt für die Inflation, die sogar eher niedriger ausfällt.

blog:subsahara-afrika: Sie haben bereits Ihr Aufgabenspektrum kurz skizziert. Ganz konkret: Welche Leistungen kann ein deutsches Unternehmen beim GZID erhalten?

Münzner: Dadurch, dass das GZID bei der ZDA angedockt ist, kann es vor allem auf deren komplettes Serviceportfolio zugreifen. Dies beinhaltet solche Leistungen wie Landsuche, Unterstützung bei Aufenthaltserlaubnissen und Vermittlung von Terminen bei Ministerien und Behörden. Daneben hilft die ZDA aber auch bei der Anbahnung von Joint-Ventures, Vermittlung von Geschäftspartnern, stellt Informationen zu Wirtschaftssektoren zur Verfügung und gibt Lizenzen an Unternehmen heraus, die in Sambia investieren. Mit einer Investitionslizenz ist ein Unternehmen gegen Enteignung durch den Staat rechtlich abgesichert.

blog:subsahara-afrika: Ansprechpartner für den deutschen Interessenten bleiben aber Sie, bzw. das GZID?

Münzner: Ja. Auch wenn Anfragen gegebenenfalls an die Experten der ZDA zum Beispiel zur Klärung juristisch-formeller Details oder zwecks Beantwortung von Fragen zu bestimmten Wirtschaftssektoren weitergeleitet werden, begleitet das GZID das deutsche Anliegen von Anfang bis Ende und bleibt Ansprechpartner. Die Leistungen des GZID erfolgen übrigens in enger Abstimmung mit den Organen der deutschen Außenwirtschaftsförderung wie der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das Südliche Afrika in Johannesburg. Die Deutsche Botschaft in Sambia und die Kammern und Verbände in Deutschland und Sambia sind ebenso Partner, mit denen wir zusammenarbeiten.

blog:subsahara-afrika: Für welche Branchen sehen Sie derzeit gute Geschäftsmöglichkeiten in Sambia, können Sie deutsche Erfolgsgeschichten der jüngeren Vergangenheit nennen?

Münzner: Sambia hat meiner Ansicht nach das meiste Potenzial in den Bereichen Landwirtschaft, Bergbau, Energie und Infrastruktur. Dies betrifft dann nicht nur Investitionen in Sambia, sondern ist auch für deutsche Zulieferer sehr interessant. Vor allem in der Landwirtschaft gibt es noch viele Möglichkeiten. Zur Zeit werden nur ungefähr 16 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche genutzt – das bei einem Land, das zweieinhalb mal so groß wie Deutschland ist, aber nur 14 Millionen Einwohner hat. Sambia verfügt zudem über 40 Prozent der Wasserreserven im südlichen Afrika, der Zugang zu Grund- und Oberflächenwasser ist normalerweise einfach möglich. Aus diesem Grund war die größte deutsche Investition der letzten Jahre in Sambia auch im Landwirtschaftsbereich. Dabei ist auch anzumerken, dass das betreffende Unternehmen nur den lokalen und regionalen Markt bedienen will. Bei 400 Millionen potentiellen Kunden, die zoll- und abgabenfrei in den Wirtschaftsgemeinschaften Common Market for Eastern and Southern Africa und Southern African Development Community [Anm. blog:subsahara-afrika: Sambia ist in beiden Wirtschaftsgemeinschaften Mitglied] zu erreichen sind, ist dies auch sehr gut möglich.

blog:subsahara-afrika: Welche Branchen zeigen sich ebenfalls aussichtsreich?

Münzner: Natürlich ist auch der Bergbausektor vor allem für deutsche Zulieferer interessant. Regelmäßig werden deutsche Maschinen an Bergbauunternehmen in Sambia geliefert. Traditionell ist der Kupferbergbau sehr stark. Sambia ist der größte Kupferproduzent in Afrika und der sechstgrößte weltweit. Daneben werden aber unter anderem auch noch Eisenerz, Kohle, Mangan und Edelsteine abgebaut. Ein deutscher Mittelständler baut einen sehr einzigartigen blauen Stein, einen Gneis mit Einlagerungen von blauem Sodalith, ab, der unter anderem für Fassaden, Fliesen und Küchenwaschbecken weltweit verwendet wird. Daneben sind noch der Energie- und Transportsektor zu erwähnen. In beiden Sektoren gibt es sehr viel Bedarf. Die sambische Regierung hat dies erkannt und Investitionsförderprogramme speziell für diese Sektoren aufgelegt. Bei dem „LINK ZAMBIA 8000“ Programm sollen in den nächsten Jahren 8.000 Kilometer neue Straßen entstehen. Neben den traditionellen Wasserkraftanlagen, die zur Zeit ungefähr 95 Prozent der Energie erzeugen, werden auch regenerative Energien gefördert. Aber auch die verarbeitende Industrie birgt Potenzial für deutsche Zulieferer. Hier sind die Lebensmittelindustrie, vor allem die Verarbeitung von lokalen landwirtschaftlichen Produkten, und die Möglichkeiten der weiteren Wertschöpfung bei Bergbauprodukten zu nennen. Ein Sektor, der oft vergessen wird, aber großes Potenzial vorweist, ist der Tourismussektor. Sambia beheimatet ja eine Vielzahl von Nationalparks, unter anderem einen der „Top 5 Parks“ in Afrika, den „South Luangwa“. Natürlich müssen auch die Viktoria-Fälle erwähnt werden, die wirklich einzigartig sind. Sicherlich auch um auf dieses Potential hinzuweisen, wird direkt an den Viktoria-Fällen dieses Jahr im August die Welttourismuskonferenz der Vereinten Nationen stattfinden. Organisiert wird die Konferenz gemeinschaftlich von Sambia und Simbabwe. Die ZDA veranstaltet unmittelbar im Vorfeld dieses Top-Events das „Zambia International Investment Forum„, das einen speziellen Fokus auf den Tourismussektor haben wird.

blog:subsahara-afrika: Wie schätzen Sie die Gesamtperspektive Sambias ein?

Münzner: Sambia ist seit fast 50 Jahren eine politische stabile Demokratie. Die politischen und wirtschaftlichen Reformen, die in den letzten zehn Jahren auf den Weg gebracht wurden, haben dazu geführt, dass ein enormes Vertrauen bei internationalen Investoren aufgebaut wurde. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass sich die ausländischen Direktinvestitionen über die Jahre deutlich erhöht haben. So hat sich die Summe der Investitionszusagen von 4,7 Milliarden US Dollar für 2011 auf 10,1 Milliarden US Dollar für 2012 mehr als verdoppelt. Die sambische Regierung bietet Investoren sehr interessante Anreize, nicht nur finanzielle wie den Erlass von Steuern und Zöllen, sondern auch die schon erwähnte Hilfestellung bei der Geschäftsansiedlung. Aber auch das enorme Wirtschaftswachstum zeugt davon. So soll es im Übrigen auch weitergehen. Studien sagen voraus, dass Sambia zu den zehn Länder gehört, die in den nächsten 5 Jahren über das größte Wirtschaftswachstum verfügen werden.

steffen_muenzner_zidDer CIM-Experte Steffen Münzner leitet seit der Gründung im November 2010 das German-Zambian Business Information Linkage Desk (GZID), das deutsche und sambische Unternehmen aktiv beim jeweiligen Markteintritt unterstützt. Das bei der Zambia Development Agency (ZDA) angesiedelte GZID
ist zu erreichen unter: Tel.: 00
260 211 201177,
E-Mail:
gzid@zda.org.zm, Internet: www.zda.org.zm.

(Bildnachweise: „Victoria Falls“, Wikimedia Commons, Jimmy Saville und Steffen Münzner)

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