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Interview: Fachkräftesuche ist eine Herausforderung

Der Mittelständler imat-uve hat sich wie einige hundert weitere Firmen aus Deutschland in Südafrika niedergelassen. Hans-Willi Müller, Geschäftsführer des Mönchengladbacher Test- und Entwicklungsdienstleisters der Automobilbranche, spricht im Interview mit blog:subsahara-afrika über die Bedeutung der Kalahari-Wüste für das Unternehmen sowie Herausforderungen und Perspektiven des Engagements.

blog:subsahara-afrika: Herr Müller, was genau macht die imat-uve group gmbh?

Hans-Willi Müller: Wir unterstützen unsere Kunden bei der Entwicklung von Fahrzeugen entlang der automobilen Prozesskette. Dies beginnt bei der Projektfindung und geht über Design und Konstruktion bis hin zur Freigabe von Bauteilen für die Serienproduktion. Neben dem üblichen Support eines Entwicklungsdienstleisters geben wir zum Beispiel auch Impulse im Hinblick auf neue Materialien, die in Design spannend und bereits in unseren Laboren auf die Kriterien der Lastenhefte geprüft worden sind. Im Rahmen der Bauteilabsicherung beispielsweise führen wir Erprobungen in extremen Klimazonen der Erde durch, um in zeitgeraffter Form Ergebnisse zur Alterung der Materialien zu erhalten. Dabei lagern wir Fahrzeuge oder Bauteile aus, zeichnen Daten zur Bestrahlung, Temperatur und Feuchtigkeit auf und nehmen regelmäßig Bewertungen der Fahrzeuge und der Bauteile vor. Dies erledigen wir innerhalb der Prozesskette der Fahrzeugentwicklung und Vorserienbegleitung und geben somit dem Automobilhersteller frühzeitig wertvolle Informationen über zu erwartende Mängel an Bauteilen im Fahrzeug, die dann noch behoben werden können. Dadurch werden erhebliche Kosten bei der Entwicklung gespart und vor allem Folgekosten nach dem Verkauf der Fahrzeuge vermieden.

blog:subsahara-afrika: Welche Gründe haben zum Engagement in Südafrika geführt?

Müller: Wichtigstes Kriterium war die klimatische Situation vor Ort. In der Kalahari-Wüste etwa [Anm.: Die Kalahari-Wüste erstreckt sich von der südafrikanischen Provinz Nordkap durch Namibia und Botswana hindurch bis nach Angola und Sambia hinein] kann man durch die enorme Bestrahlung und Hitze deutlich schneller Effekte wie Verfärbungen, Verformungen, Lösen von Bauteilen oder Delaminationen von Beschichtungen erhalten.
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Gleichzeitig haben wir in Südafrika, in KwaZulu-Natal neben dem Wüstenklima auch eine Zone, in der ein stark feucht-warmes Klima existiert. Hier lassen sich wieder andere Effekte in zeitgeraffter Form feststellen. Ähnliche klimatische Bedingungen würden wir aber auch in anderen Regionen der Erde wiederfinden. Daher war ein weiteres wichtiges Kriterium, dass wir uns in Südafrika in der derselben Zeitzone wie in Europa befinden. Zudem sind derzeit die Personalkosten noch vergleichsweise niedrig.

blog:subsahara-afrika: Gab es Herausforderungen beim Markteintritt?

Müller: Aus unserer Sicht war die größte Hürde das Finden von geeignetem Personal an unseren südafrikanischen Standorten. Upington oder Richards Bay sind keine Metropolen, von daher hat man dort keinen Zugriff auf einen entsprechend großen Pool an Fachkräften. Insofern mussten wir unser Personal umfangreich einarbeiten und schulen. Leider war die Bereitschaft dazu nicht unbedingt bei jedem Bewerber vorhanden. Inzwischen haben wir aber sehr engagierte und zuverlässige Mitarbeiter gefunden.

blog:subsahara-afrika: Welche Bedeutung hat das Südafrikageschäft für imat-uve und wie schätzen Sie die Perspektiven dieses Marktes ein?

Müller: Zurzeit bedienen wir von Südafrika aus vorwiegend Kunden aus Europa und China, für die die Erprobungen in Südafrika inzwischen unverzichtbar geworden sind. Auch deutsche „Global Player“ wie Daimler, BMW, VW und Porsche führen seit Jahren Tests in Südafrika durch. Perspektivisch wird auch der lokale Markt für den Automobilbau für uns zunehmend interessanter, da die Hersteller wie z.B. Daimler, BMW und VW einen enormen Aufwand betreiben müssen, um im Produktionsland die Qualitätsstandards für Halbzeuge und Bauteile auch lokal umsetzen zu können. Die Produktion und Rohstoffverarbeitung unterliegt lokalen Gegebenheiten und muss entsprechend angepasst werden. Die Gewährleistung der Qualität der lokalen Produktion und die damit verbundene Lieferantenentwicklung ist ebenfalls Bestandteil unseres Firmenportfolios.

blog:subsahara-afrika: Bestehen Überlegungen, mittel- bis langfristig sich in anderen Ländern Afrikas südlich der Sahara zu engagieren?

Müller: Es gibt Ansätze, das Geschäft im südlichen Afrika in speziellen Bereichen innerhalb der Prozesskette zum Beispiel in der Lederindustrie auszubauen.

hw_mueller_imatuveDer Diplom Chemie-Ingenieur Hans-Willi Müller ist CEO / Gesellschafter der imat-uve group gmbh und deren Tochtergesellschaften in Deutschland, Südafrika und China. Kontakt: info@imat-uve.de; Internet: www.imat-uve.de.

 

(Bildnachweise: Sasol – www.mediaclubsouthafrica.com und imat-uve group gmbh)

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