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Interview: Der Messemarkt ist extrem dynamisch

Messen gehören zu den klassischen Instrumenten des Markteinstiegs und gewinnen insbesondere mit Blick auf die afrikanischen Märkte südlich der Sahara immer mehr an Bedeutung. Tobias Zwingmann, Afrika-Experte der Deutschen Messe AG, gewährt im Gespräch mit blog:subsahara-afrika einen Einblick in die Messelandschaft Subsahara-Afrikas und gibt Tipps für die Auswahl der richtigen Messe.

blog:subsahara-afrika: Herr Zwingmann, wie sieht das Engagement der Deutschen Messe in Subsahara-Afrika derzeit aus?

Tobias Zwingmann: Wir organisieren seit 2010 in Südafrika den Deutschen Gemeinschaftsstand auf der Electra Mining Africa und haben 2012 erstmalig in diesem Rahmen die Infrastruktur-Konferenz IIIC etabliert. Sowohl der Gemeinschaftsstand als auch die Konferenz werden in diesem Jahr erneut von uns durchgeführt. Der Mining Bereich ist immer noch mit Abstand der wichtigste Industriezweig für das südliche Afrika. Infrastrukturelle Defizite hemmen jedoch die weitere dynamische Entwicklung dieses Sektors. Dieses Problem hat man erkannt und ist bereit, Investitionen in erheblichem Umfang zu tätigen. Internationale Unternehmen können sich im Rahmen der IIIC auf Afrikas größter Bergbaumesse präsentieren und somit gezielt lukrative Geschäftskontakte knüpfen.

blog:subsahara-afrika: Die Messe München ist mit der bauma Africa ebenfalls mit einer Fachmesse an den Start gegangen. Sind solche spezialisierten, d.h. auf ausgesuchte Branchen fokussierten Messen typisch für die Länder der Region?

Zwingmann: Mit Ausnahme von Südafrika dominieren immer noch große Universalmessen den Markt. Veranstaltungen wie die Maputo International Trade Fair in Mosambik oder die Feira International de Angola haben sich seit Jahrzehnten etabliert und sind aus dem Veranstaltungskalender der jeweiligen Länder nicht mehr wegzudenken. Allerdings ist eine Trendwende erkennbar: Mehr und mehr Fachmessen, auch außerhalb Südafrikas, diversifizieren sich aus den großen Universalmessen heraus und bedienen ihr eigenes Klientel. Schwerpunktthemen dabei sind insbesondere Messen zu den Themen Bergbau, Energie und Rohstoffe. In Südafrika selbst haben die Fachmessen die Universalmessen mittlerweile so gut wie verdrängt.

blog:subsahara-afrika: Was erwartet den Unternehmer bei einer Teilnahme an einer afrikanischen Universalmesse?

Zwingmann: Im Gegensatz zu den Fachmessen sind Universalmessen durch ein sehr breites Spektrum und demzufolge auch einer sehr breiten Besucherzielgruppe gekennzeichnet. Dennoch geben sie einen guten allgemeinen wirtschaftlichen Überblick. Neben der Möglichkeit, sich umfassend über den Markt zu informieren, bieten die Messen den persönlichen Kontakt, den afrikanische Kunden sehr schätzen. Allerdings sollte man sich mit den technisch-organisatorischen Herausforderungen vor Ort arrangieren können. Verlässliche lokale Partner sind hier ein entscheidender Erfolgsfaktor.

blog:subsahara-afrika: Sie sprechen die Herausforderungen an. Welche Tipps geben Sie Unternehmen, die erstmalig an einer Messe teilnehmen wollen?

Zwingmann: Zunächst gilt es, die richtige Messe zu finden. Über die Messedatenbank des Ausstellungs- und Messeausschusses der Deutschen Wirtschaft, kurz: AUMA, lassen sich alle Messen nach Land, Jahr und Branchenfokus selektieren. Qualitätssiegel wie „AMP“, das die offizielle Messebeteiligung der Bundesrepublik Deutschland mit einem Gemeinschaftsstand kennzeichnet, oder das einen deutschen Messeveranstalter ausweisende Label „GTQ“ geben Orientierung. Hingegen sollte man skeptisch gegenüber den auf der Webseite der jeweiligen Messe veröffentlichten Besucher- und Ausstellerzahlen sein. Viele Veranstaltungen werden größer dargestellt als sie tatsächlich sind. Umgekehrt sind einige erfolgreiche Messen in Subsahara-Afrika im Internet kaum präsent. Der Messemarkt in dieser Region ist extrem dynamisch. Viele Veranstaltungen kommen und gehen im Jahresturnus. Man sollte bei der Auswahl einer Veranstaltung auf etablierte Messen setzen oder den beschriebenen Qualitätssiegeln vertrauen. Hilfreich bei der Auswahl sind auch die Branchenverbände, IHKs oder die deutschen Auslandshandelskammern wie die Deutsche IHK für das Südliche Afrika in Johannesburg.

blog:subsahara-afrika: Jetzt ist die richtige Messe identifiziert. Worauf muss noch geachtet werden?

Zwingmann: Die Messeteilnahme sollte mit einem überschaubaren Risiko angegangen werden. Der Besuch einer Messe kann die Vermittlung des benötigten ersten Eindrucks vermitteln. Die persönliche Erfahrung ist das wertvollste Kriterium für die Auswahl einer geeigneten Veranstaltung zwecks Präsentation des Unternehmens. Wenn ein zuverlässiger Partner vor Ort existent ist, sollte man natürlich seine Expertise einbeziehen. Während man in Südafrika mit Englisch sehr weit kommt, bedarf es in franko- oder lusophonen Ländern entsprechender Sprachkenntnisse oder Dolmetscher am Stand. Falls ein Markt in Subsahara-Afrika zum ersten Mal betreten wird, sollte man Unterstützungsinstrumente wie das schon erwähnte Auslandsmesseprogramm des Bundes in Anspruch nehmen, um mit einem überschaubaren organisatorischen und finanziellen Aufwand vorzugehen.

Ausgewählte Universalmessen in Subsahara-Afrika

MesseDatumOrtTurnusAussteller
Zimbabwe International Trade Fair (ZITF)22.04. bis 26.04.2014Bulawayo, Simbabwejährlich, seit 1960ca. 700 Aussteller (2013)
Feira International de Angola (FILDA)15.07. bis 20.07.2014Luanda, Angolajährlichca. 650 Aussteller (2012)
Maputo International Trade Fair (FACIM)25.08. bis 31.08.2014Maputo, Mosambikjährlich, seit 1965ca. 1.800 (2013)
Uganda International Trade Fair (UGITF)02.10. bis 10.10.2014Kampala, Uganda
jährlich, seit 1993ca. 900 Aussteller (2012)

Tobias Zwingmann ist Referent bei der Deutschen Messe AG in Hannover und unter anderem verantwortlich für Messebeteiligungen in Subsahara Afrika. Kontakt: Tel.: 0511 89-31407, E-Mail: tobias.zwingmann@messe.de.

(Bildnachweis: Das Unternehmen Voltex bei der Electra Mining Africa 2012 – www.voltex.co.za – veröffentlicht auf www.leadingarchitecture.co.za)

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