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Interview: Gestiegene Kaufkraft führt zu stärkerem Qualitäts- und Gesundheitsbewusstsein

Der Hannoveraner Ingenieur Frank Oberschilp gründete 2006 in Ghana die Firma Peelco Limited zur Verarbeitung von Südfrüchten. Diese exportiert er seitdem vor allem nach Europa. Im Interview mit blog:subsahara-afrika spricht Unternehmer Oberschilp über seine Erfahrungen und die Bedeutung Ghanas als Produktionsstandort.

blog:subsahara-afrika: Herr Oberschilp, bevor Sie nach Afrika gingen waren Sie bei Volkswagen als Ingenieur für Crashtests verantwortlich. Welche Ihrer Erfahrungen zeigen sich im Nachhinein als besonders wertvoll mit Blick auf Ihr späteres unternehmerisches Engagement in Ghana?

Frank Oberschilp: Generell hat die Ausbildung als Ingenieur den Vorteil, dass man viel selbst umsetzen kann und weniger auf Andere angewiesen ist. Dies ist gerade in Afrika wichtig. Dort gilt häufig: „Wenn man sich auf viele Leute verlässt, ist man meist verlassen“. Die wichtigsten Zugewinne aus der Berufserfahrung in der Automobilindustrie sind auch auf unseren Betrieb übertragbar: Machbarkeit, Kosten und Termine. Die Terminschiene beim Einsatz eines neuen Artikels ist vergleichbar mit dem Serienanlauf eines Pkw – natürlich mit geringerer Detailplanung.

blog:subsahara-afrika: Unternehmer, die es Ihnen gleichtun und in Ghana investieren wollen, interessieren insbesondere die „costs of doing business“. Vor welchen Herausforderungen standen Sie bei der Errichtung und der Inbetriebnahme Ihrer 50 Kilometer westlich der ghanaischen Hauptstadt Accra gelegenen Verarbeitungsstätte? Sie verweisen auf Ihrer Firmenwebseite auf eine vergleichsweise kurze Planungs- und Bauphase.

Oberschilp: Um bereits 13 Monate nach Baubeginn produzieren zu können, ist eine ausführliche Planung erforderlich, damit alle Materialien vollständig und rechtzeitig für den Bau zur Verfügung stehen. Die wichtigste Frage zu Beginn des Projekts war jedoch: Gibt es genug Wasser und auch in der richtigen Qualität? Wir waren erst bei der fünften Bohrung nach Grundwasser erfolgreich. Ohne eine gesicherte Wasserversorgung hätte neues Bauland gesucht werden müssen. Wir haben uns übrigens deshalb so weit außerhalb Accras, oder wie man hier sagt: „im Busch“, niedergelassen, um durch die Nähe zu den Ananaslieferanten für kurze Reaktionszeiten zu sorgen und bei Bestellungsänderungen flexibel reagieren zu können.

blog:subsahara-afrika: Welche weiteren Erfahrungen können Sie weitergeben?

Oberschilp: Bei den Verwaltungsanträgen wie Firmenanmeldung, Baugenehmigungen und so weiter zahlt es sich aus, diese frühzeitig zu stellen. Erfahrungsgemäß benötigen Genehmigungsprozesse viel Zeit. Wer etwas schnell braucht, muss dann an einigen Stellen mehr zahlen. Ob die Dokumente dadurch auch eher fertig werden, ist eine andere Frage. Bei der Pacht oder beim Kauf von Land sollten die korrekten Wege bei der Prüfung und Beurkundung eingehalten werden – auch wenn diese lange dauern. Es sind meistens Einzelpersonen, die ein Grundstück erwerben, ohne zuvor die bestehenden Besitzverhältnisse auf dem Katasteramt zu prüfen. Dort hätte man erfahren, dass der Verkäufer möglicherweise gar nicht der Verfügungsberechtigte ist, oder das Grundstück zwischenzeitlich weiterverkauft wurde. Das kann durchaus vorkommen.

blog:subsahara-afrika: In vielen Ländern südlich der Sahara steigt die Kaufkraft und es bilden sich konsumfreudige Mittelschichten in den afrikanischen Städten. Verstärkt wird in den Bau von großen Einkaufszentren nach westlichem Vorbild investiert. Sehen Sie in Zukunft Absatzpotenzial für Ihre Produkte auch innerhalb Afrikas?

Oberschilp: Die steigende Kaufkraft der afrikanischen Bevölkerung hat zu einem stärkeren Qualitäts- und Gesundheitsbewusstsein geführt. Wir vertreiben bereits unsere natürlichen Ananassäfte ohne Temperaturbehandlung und Zusatzstoffe im Stadtgebiet von Accra und damit in Afrika. Nigeria als großer benachbarter Exportmarkt scheidet derzeit leider aus, weil die nigerianischen Einfuhrbestimmungen den Import von Waren ausschließen, die in Nigeria selbst angebaut werden können. Insgesamt gilt, dass die Kunden mittlerweile auch bei Nahrungsmitteln bereit sind, für mehr Qualität mehr zu bezahlen.

blog:subsahara-afrika: Sie beschäftigen in Ihrer Vertriebsstätte derzeit rund 80 Mitarbeiter. Auf Ihrer Unternehmenswebseite vermitteln Sie einige Fotoimpressionen über den Berufsalltag Ihres Personals. Unter der Überschrift „Party & Fun“ sind einige Bilder von Sportveranstaltungen zu sehen. Wann ist für ghanaische Mitarbeiter ein Chef ein guter Chef?

Oberschilp: Natürlich ist die pünktliche Zahlung von fairen Gehältern wichtig. Daneben ist aber auch der soziale Kontakt zu den Mitarbeitern von Bedeutung. Das „Wir“-Gefühl muss gestärkt werden. Zum Beispiel haben wir gemeinsam mit den Arbeitern unsere eigene Kantine gebaut und die Arbeiter entscheiden lassen, welches Essen gekocht wird. Wichtig ist auch, die Mitarbeiter zu schätzen und im richtigen Ton anzusprechen. Der Respekt gegenüber der Mannschaft wird gesteigert, wenn man auch selbst mal mit anpackt. Bei einem Fehlverhalten sollte nicht gleich kritisiert, sondern zuerst die Ursache erfragt werden. Nicht immer liegt der Fehler bei der betroffenen Person.

blog:subsahara-afrika: Ghana wird in Deutschland hin und wieder als „Tor nach Westafrika“ beworben. Trotzt vergleichsweise geringer Marktgröße soll es ein idealer Standort für deutsche Unternehmen sein, da die Investitionen relativ sicher sind und man von Ghana aus die umliegenden Märkte bedienen kann. Wie sieht die Realität aus? Entwickelt sich Ghana tatsächlich zunehmend zu einem Sprungbrett in die Nachbarschaft?

Oberschilp: Die ECOWAS, das ist die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft, ist zwar noch nicht mit der EU vergleichbar, aber es gibt inzwischen schnellere Grenzabwicklungen zwischen ihren Mitgliedsstaaten: Ein Lkw, der früher von Accra in Ghana nach Abidjian in der Elfenbeinküste fünf Tage brauchte, ist heute nach drei Tagen schon wieder zurück in Ghana. Es werden in Ghana bereits hochwertige Produkte hergestellt und in andere westafrikanische Länder exportiert – jedoch könnten es deutlich mehr sein. Als bevölkerungsstärkstes Land bietet Nigeria mit über 170 Millionen Einwohnern den attraktivsten Exportmarkt in der Region, wobei eine Produktion in Ghana aus sicherheitstechnischen Gründen einer Produktion in Nigeria vorzuziehen ist. Übrigens: Sind mindestens 70 Prozent der in Ghana produzierten Waren für den Export bestimmt, kann man sich als „Free Zone“-Unternehmen registrieren lassen. Für diese Firmen entfallen Einfuhrzölle und Mehrwertsteuer, was die Kostenrechnung positiv beeinflusst.

OberschilpFrank Oberschilp ist Geschäftsführer der PEELCO Limited, die Früchte (Ananas, Papaya, Mango, Kokosnuss) zu Fresh-Cut Produkten für weiterverarbeitende Betriebe und Supermärkte in Deutschland verarbeitet. Kontakt: Tel.: 00233 244 312024, E-Mail: gm@peelcofruits.com, Internet: www.peelcofruits.com.

(Bildnachweis: Frank Oberschilp – www.peelcofruits.com)

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