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„African Economic Outlook“ 2015 erschienen

Der African Economic Outlook (AEO) 2015 beschreibt den aktuellen Stand der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Afrikas und gibt einen Ausblick auf die nächsten zwei Jahre. Die 14. Auflage beleuchtet zudem die Herausforderungen des demografischen und räumlichen Wandels des Kontinents.

Die Förderung der regionalen Integration sollte im Mittelpunkt der Entwicklungsstrategien Afrikas stehen, so die Aussage des African Economic Outlook. Neben der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Lage wirft die aktuelle Ausgabe einen genauen Blick auf die Herausforderungen des demografischen und räumlichen Wandels des Kontinents. So wird die afrikanische Bevölkerung bis 2050 auf über 2 Milliarden Menschen anwachsen und 25 % der Weltbevölkerung ausmachen. Der demografische Boom wird sich auf die räumliche Entwicklung auswirken, städtische und ländliche Gebiete werden schnell wachsen und ihre Wechselwirkungen intensivieren. Der Altersdurchschnitt wird sinken und die junge arbeitsfähige Bevölkerung auf den Arbeitsmarkt drängen. Es wird in Ausbildung investiert und neue Arbeitsplätze werden geschaffen werden müssen.

Wie kann Afrika diesen Herausforderungen begegnen? Strategien, die sich nur auf spezielle Wirtschaftssektoren wie Industrie oder Landwirtschaft beziehen, sind laut AEO nicht ausreichend. Der Menschen und seine Region soll in den Fokus der Betrachtung rücken. Afrika braucht innovative, situationsbedingte, multisektorale und ortsabhängige Entwicklungsstrategien, so der Bericht.

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Laut AEO sind die makroökonomischen Perspektiven des Kontinents vielversprechend. 2014 wuchsen die afrikanischen Wirtschaften um 3,9 % (3,5 % in 2013). Zum Vergleich: Die Weltwirtschaft wuchs im letzten Jahr durchschnittlich nur um 3,3 %. Zwischen einzelnen Ländern und Regionen variiert die Wirtschaftsleistung stark – abhängig von der politischen und sozialen Stabilität der Märkte sowie der Ebola-Epidemie in West- und den Stromengpässen in Südafrika. Für 2015 wird ein Wachstum von 4,5 % erwartet, 2016 von bis zu 5 % – Wachstumsraten wie in Asien. Die fallenden Öl-Preise können den Öl-Produzenten des Kontinents Probleme bereiten und für die Öl-importierenden Märkte wiederum zum wirtschaftlichen Vorteil werden. Vor allem aber der Verfall der Rohstoffpreise, eine schwächelnde Weltkonjunktur, politische Unsicherheiten und soziale Spannungen sowie die Nachwirkungen der Ebola-Epidemie können die Aussichten für 2015 und 2016 trüben. Dennoch stützt das Wirtschaftswachstum auf einem soliden makroökonomischen Fundament und einer entsprechenden Widerstandsfähigkeit in vielen Märkten des Kontinents.

Externe Finanzzuflüsse und Steuereinnahmen

Der finanzielle Handlungsspielraum des Kontinents hat sich in den letzten zehn Jahren wesentlich verbessert. 2015 werden die externen Finanzzuflüsse eine Höhe von 193 Mrd. US-Dollar betragen und sich damit seit 2005 fast verdoppelt haben. Die wichtigsten externen Finanzquellen sind Auslandsinvestitionen und -überweisungen. Aufgrund der zunehmenden Urbanisierung fließen ausländische Direktinvestitionen vermehrt in den Handelssektor insbesondere in Konsumgüter und Dienstleistungen statt in den Rohstoffsektor. Afrikanische Wirtschaften mit mittleren Einkommensniveau zapfen internationale Geldmärkte an, vor allem um ihre infrastrukturelle Entwicklung abzusichern. Auch wenn sich die Steuereinnahmen generell erhöht haben, kämpfen viele Wirtschaften weiterhin mit Ausfällen aufgrund von Steuerhinterziehungen.

Handelspolitik und Regionale Integration

Europa bleibt Afrikas wichtigster Handelspartner. Auch der Handel mit Asien und insbesondere mit China wuchs in den letzten Jahren beständig. Diese Entwicklung kann den Kontinent gegen wirtschaftliche Schocks und unerwartete Veränderungen der Handelsströme absichern. Grundsätzlich bleibt aber die regionale Integration essenziell für das Wachstum und die Entwicklung sowie die Teilnahme des Kontinents am wirtschaftlichen Weltgeschehen. Erschwert wird der Integrationsprozess durch unproportional hohe Grenzübergangskosten. Dies hemmt den Zugang zu regionalen Märkten und die Einbindung in globale Wertschöpfungsketten. Die sich 2015 in Vorbereitung befindliche kontinentale Freihandelszone und die Einführung der Freihandelszone zwischen den COMESA-, den EAC- und den SADC-Staaten könnten Meilensteine auf der Integrationsagenda Afrikas setzen.

Bevölkerungsentwicklung

Laut AEO haben sich die Lebensbedingungen u.a. im Bereich Bildung, Gesundheit und Einkommen positiv entwickelt. Dennoch bleibt der Entwicklungsstand des Kontinents gering und die Unterschiede zwischen und innerhalb der einzelnen Länder groß. Soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und Diskriminierung bremsen den Entwicklungsprozess aus. Um die Ungleichheiten zu überwinden müsste der Zugang zum Arbeitsmarkt – insbesondere zum nichtlandwirtschaftlichen Sektor – erleichtert, die landwirtschaftliche Produktivität erhöht und die Versorgung mit Elektrizität verbessert werden.

Politische und wirtschaftliche Regierungsführung

Afrikas Erfolge in der Regierungsführung der letzten 30 Jahre halten an, dennoch bestehen immer wieder Bedrohungsmomente durch Terror, Krisen und Konflikte in mehreren Ländern. Aber: 2014 machte die Demokratie in Afrika Fortschritte. Die neue Verfassung in Tunesien, der Machtwechsel in Burkina Faso und die Rekordbeteiligung von 179 Millionen Menschen an zumeist friedlichen und glaubwürdigen Wahlen sind nur einige Beispiele.

Herausgeber des seit 2002 jährlich erscheinenden AEOs sind die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Für diesen Report nimmt ein Expertenteam aus Wirtschaftswissenschaftlern, Volkswirten und Statistikern die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Situation des Kontinents unter die Lupe. Jeder Bericht widmet sich zudem einem Schwerpunktthema und beinhaltet vergleichende Länderberichte für die 54 Märkte des Kontinents.

(Bildnachweis: Graeme Williams – www.mediaclubsouthafrica.com)

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