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Reisefreiheit in Subsahara-Afrika

Deutsche Staatsbürger können nicht in jeden der 55 Staaten Afrikas ohne Visum einreisen. 30 afrikanische Länder verlangen eine Einreiseerlaubnis, die vor der Abreise oder wenigstens an ihren Grenzen zu beantragen ist. Welche dies sind und wie es um die innerafrikanische Reisefreiheit insgesamt steht, schildert blog:subsahara-afrika im folgenden Artikel.

Laut „Visa Restrictions Index 2016“ genießen deutsche Staatsbürger weltweit die größte Reisefreiheit. Sie dürfen in 177 der im Index dargestellten 218 Länder reisen, ohne ein Visum zu benötigen. Unter anderem gewähren Südafrika, Lesotho, Gambia, der Senegal und die Inselstaaten Mauritius, La Reunion, die Seychellen sowie São Tomé und Príncipe Deutschen Visafreiheit. Hingegen verlangen 30 Staaten südlich der Sahara von Deutschen ein Visum, so etwa Angola, Ghana, Namibia, Nigeria, Mosambik und die Elfenbeinküste. Zwölf dieser Länder ermöglichen die Beantragung eines Visums bei der Einreise an ihren Flug- oder Seehäfen bzw. an ihren Grenzen.

Für die Länder Kenia, Ruanda und Uganda kann ein sogenanntes „East African Visa“ (EAC Visa) für die mehrmalige Einreise bei einer ihrer Botschaften beantragt werden. In Kenia, Sambia und der Elfenbeinküste besteht derzeit die Möglichkeit der Online-Beantragung von Visa vor der Abreise. In Namibia, Simbabwe und Swasiland erhalten Touristen ihr Visum bei der Einreise, Geschäftsleute hingegen müssen dieses vor ihrer Abreise bereits besitzen. Ein Visum bei der Einreise erhält man auch in Dschibuti, vorausgesetzt man kann eine Einladung seines Geschäftspartners aus Dschibuti vorweisen.

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Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Betrachtung der innerafrikanischen Visapraxis. Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) hat für die erste Auflage ihres „Africa Visa Openness Report“ (2016) untersucht, zu welchem Grad sich die afrikanischen Staaten gegenseitig Reisefreiheit zugestehen. Danach benötigen Afrikaner für 55 % der Staaten ihres Kontinents ein Visum. Für 25 % der afrikanischen Länder erhalten sie ein Visum bei der Einreise. Lediglich 20 % der Staaten Afrikas erlauben den Bürgern des Kontinents eine Einreise ohne Visum. Die Seychellen sind das reisefreundlichste Land, gefolgt von Mali, Uganda, den Kap Verden, Togo, Guinea-Bissau, Mauretanien und Mosambik. Sie erlauben eine Einreise ohne Visum bzw. stellen bei Einreise ein Visum aus. Weniger offen zeigen sich Westsahara, São Tomé und Príncipe, Äquatorialguinea (geteilter Rang 52) sowie Gabun (50.), Angola (49.), der Sudan (48.) und Äthiopien (46.). Rund 75 % der Top-20 Länder Afrikas ohne oder mit marginalen Einreisebeschränkungen liegen in Ost- und Westafrika, der Rest verteilt sich den nördlichen und südlichen Teil des Kontinents. Vor allem die Mitgliedstaaten der Economic Community of West African States (ECOWAS) zeigen sich offen: Sie gestehen sich gegenseitig zu 93 % die visafreie Einreise zu. Im weltweiten Vergleich gewährt nur der Schengenraum (100 %) seinen Bürgern mehr Reisefreiheit.

Weltweit betrachtet gehören Mauritius (Rang 7), Guinea-Bissau und Togo (beide Rang 17) hinsichtlich ihrer Visabestimmungen zu den zwanzig am wenigsten restriktiven Ländern der Erde. Zwischen 2010 und 2015 hat Afrika weltweit die meisten Maßnahmen zur Verbesserung der Einreisebestimmungen unternommen, allen voran Dschibuti (Rang 4 weltweit), São Tomé und Príncipe (6.), Mosambik (7.), Guinea-Bissau (9.), Togo (10.), die Kap Verden (11.), Ruanda (12.) sowie die Elfenbeinküste (15.), Mali (16.), Mauretanien (17.) und Uganda (18.).

Laut des „Africa Visa Openness Report“ würde der Abbau von Einreisebeschränkungen und ein freierer Reiseverkehr in Afrika nicht nur Zeit und Geld sparen und bürokratische Hürden abbauen. Er würde den Menschen auch das grenzüberschreitende Arbeiten erleichtern, was den Wohlstand, aber auch den Wissenstransfer, die Diversifizierung sowie die Integration des Kontinents fördern und seine Wettbewerbsfähigkeit steigern würde. Die Afrikanische Union hat sich in ihrer Agenda 2063 die Visafreiheit für alle Bürgerinnen und Bürger innerhalb Afrikas sowie die Einführung eines Afrika-Reisepasses bis 2018 zum Ziel gesetzt.

Weiterführende Informationen

(Bildnachweis: www.commons.wikimedia.org)

2 Gedanken zu “Reisefreiheit in Subsahara-Afrika

  1. Hallo Frau Kroll,

    vielen Dank für die gute Zusammenfassung.

    Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass in einem der beliebtesten afrikanischen Reiseländer, Südafrika, die Vorschriften für die Einreise von Kindern im vorigen Jahr verschärft wurden (u.a. übersetzte Geburtsurkunde).

    In Kenia wiederum benötigen Kinder bis 16 Jahre seit neuestem kein Visum mehr.

    Viele Grüße

    Daniela Köster

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