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Ghana: Akufo-Addo verbreitet Optimismus

Seit drei Monaten hat Ghana ein neues Staatsoberhaupt. Was ist von Präsident Nana Akufo-Addo zu erwarten? Carsten Ehlers, Leiter des Büros von Germany Trade and Invest (GTAI) in Accra, skizziert, mit welchen Auswirkungen vor allem auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu rechnen ist.

(Gastbeitrag) Die Wahl von Präsident Nana Akufo-Addo steht für Stabilität und Berechenbarkeit. Angesichts zahlreicher Krisenherde in der Region Westafrika, verbunden mit großer Unsicherheit, ist dies ein positives Signal. Eine wichtige Aufgabe für die neue Regierung wird die Verbesserung der Beziehungen mit den Gebern sein. Diese hatten unter Vorgänger Mahama gelitten. Zu Deutschland sind die ghanaischen Beziehungen seit langem gut. Auch dies dürfte sich weiter fortsetzen.

Kurz nach dem Wahlsieg des neuen Präsidenten Nana Akufo-Addo im Dezember 2016, bekam ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Expat-Gemeinde in Accra die Auswirkungen schlagartig zu spüren. Akufo-Addos Wohnhaus, welches sich entlang der Zufahrtsstraße zur deutschen Schule befindet, musste nun abgesichert werden. Die Zufahrt ist erst einmal abgesperrt. Eltern müssen ihre Kinder seitdem über einen etwa 10-minütigen äußerst holprigen Umweg quer durch ein dicht-besiedeltes Wohngebiet zur Schule bringen.

Dies wird den guten ghanaisch-deutschen Beziehungen keinen Abbruch tun. Insbesondere zu Deutschland wird Akufo-Addo ein sehr gutes Verhältnis nachgesagt. Die in Accra mit einem Büro vertretene Konrad-Adenauer-Stiftung konnte in den letzten Jahren ein enges Verhältnis zu ihm und seiner Partei New Patriotic Party (NPP) aufbauen. Akufo-Addo war mehrmals in Deutschland und traf unter anderem Kanzlerin Merkel. Dieses enge Verhältnis lässt hoffen, dass deutsche Interessen in der jetzigen Regierung auf Gehör stoßen werden.

Auch ansonsten überwiegend vorsichtig positive Erwartungen. Aufbruchstimmung ist von dem mit 73 Jahren nicht mehr ganz jungen Präsidenten zwar kaum zu erwarten, dafür aber steht er für politische Stabilität. Dies erscheint umso wichtiger, als zahlreiche Staaten Westafrikas wie Mali oder Nigeria von politischen Krisen bedroht oder bereits gezeichnet sind. Ghana hingegen präsentiert sich seit Jahrzehnten als Stabilitätsanker und dies dürfte unter Akufo-Addo auch so bleiben. Auch für Unternehmen bleibt Ghana damit ein vergleichsweise berechenbarer und damit attraktiver Standort in der Region. Für die deutsche Wirtschaft ist Ghana nach Nigeria traditionell der zweitgrößte Absatzmarkt in der Region.

Dass unter dem studierten Ökonomen wirtschaftliche Fragen fundiert angegangen werden, ist zu erwarten. Akufo-Addo wird nachgesagt, wirtschaftsfreundlich zu sein. Einen Schwerpunkt will er auf die Unterstützung der lokalen Industrie legen, die er als wichtigen Arbeitgeber des Landes sieht. Zuletzt litt sie unter Vernachlässigung. Ghanas Konsumgütermarkt ist attraktiv, wird jedoch überwiegend durch Einfuhren bedient. Für die deutsche Industrie, die in Ghana unter anderem als Zulieferer für die lokale Konsumgüterindustrie fungiert, dürfte sich das Geschäftsumfeld im Falle von neuen Industrieansiedlungen spürbar verbessern.

Auch war von Akufo-Addo zu hören, dass er die Steuern im Land senken will. Jedoch wird ihm das Schuldenpaket, welches er von der Vorgängerregierung vererbt bekommen hat, das Leben nicht leichter machen. Weil die alte Regierung in den letzten Monaten die Ausgaben noch einmal steigerte, wurde die angestrebte Neuverschuldung deutlich übertroffen. Akufo-Addo muss daher vorerst mit weniger Geld klarkommen.

Durchaus in die Hände spielen könnten Akufo-Addo die deutlich positiveren Aussichten für die ghanaische Wirtschaft in den Jahren 2017 und 2018. Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert einen Anstieg von 7,0 (2017) und 6,5 (2018). Damit kommt die seit 2013 vorherrschende Wirtschaftskrise zumindest vorübergehend zum Stillstand. Zwar kommt das höhere Wachstum fast ausschließlich durch die Zunahme der Ölförderung durch zwei neue Projekte zustande. Sie könnte aber auch stagnierenden Sektoren zum Beispiel im Dienstleistungsbereich neue Impulse verleihen.

Darüber hinaus wird es wichtig sein, das Verhältnis zu den Gebern zu verbessern. Gerade westliche Geber stehen Ghana seit vielen Jahren sehr positiv gegenüber und sind bereit, dem Land unter die Arme zu greifen. Der relativ freizügige Umgang der Vorgängerregierung mit dem Geld hat Ghanas Ruf als „Donor Darling“ jedoch beschädigt. Kurz nach der Wahl von Akufo-Addo hat der IWF bereits seine Bereitschaft angekündigt, mit der neuen Regierung über Finanzpakete zu verhandeln. Akufo-Addos Aussagen in Richtung der Geber waren nicht immer positiv. Aber da die Geldflüsse für das Land eine wichtige Einnahmequelle darstellen, wird dem Pragmatiker eine lösungsorientierte Kommunikation zugetraut.

Carsten Ehlers leitet seit 2014 das Büro der bundeseigenen Außenwirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) in Accra, Ghana. Von dort aus berichtet der Diplomvolkswirt über Wirtschaftsthemen in West- und Zentralafrika. Von 2004 bis 2011 informierte er von Johannesburg aus für die GTAI über das Südliche Afrika. Internet: www.gtai.de.

 

(Bildnachweis: „Nana Addo Dankwa Akufo-Addo. 5th President of the 4th Republic of Ghana“ von TKO GH – www.commons.wikimedia.org)

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