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Interview: Ein aktuell sehr spannender Markt

Das wirtschaftliche Potenzial Westafrikas ist vielversprechend, aber häufig schwer zugänglich. Bei der Bearbeitung der Märkte der Region kommt Ghana mit seinen stabilen Rahmenbedingungen eine besondere Stellung zu. Maximilian Butek, seit Anfang 2017 Delegierter der deutschen Wirtschaft in Accra, bewertet die aktuelle politische Lage des Landes, skizziert eine lokale deutsche Erfolgsgeschichte und beschreibt, wie er die Präsenz deutscher Unternehmen nicht nur in Ghana erhöhen möchte.

blog:subsahara-afrika: Herr Butek, Sie waren vor ihrem aktuellen Job in Südafrika tätig. Welches der beiden Länder ist derzeit politisch berechenbarer?

Maximilian Butek: Südafrika hat in den letzten Monaten insbesondere durch intransparente Entscheidungen des Staatspräsidenten Jacob Zuma auf sich aufmerksam gemacht. Insbesondere die wiederholt überraschende personelle Neubesetzung des Postens des Finanzministers hat national und international für Verwunderung und große Frustration gesorgt. Jedoch weist Südafrika nach wie vor sehr starke institutionelle Strukturen auf, auf die das Land grundsätzlich vertraut. In Ghana ist es vor wenigen Monaten zu einem Machtwechsel gekommen, die neue Regierungspartei New Patriotic Party kannte man bislang nur als Oppositionspartei. Während man in Südafrika den regierenden African National Congress gut kennt, kann man in Ghana die neuen Machthaber noch schwer einschätzen.

blog:subsahara-afrika: Was erwarten Sie bzw. wünschen Sie sich vom neuen Präsidenten Ghanas, Nana Akufo-Addo, vor allem in wirtschaftspolitischer Hinsicht?

Butek: In wirtschaftlicher Hinsicht hat der Präsident und seine Partei bereits während des Wahlkampfes die besondere Bedeutung der Privatwirtschaft und den Abbau von wirtschaftspolitischen Hemmnissen adressiert. So gilt es die hohe Intransparenz der Ausschreibungsverfahren zu bekämpfen, die kostspieligen und zeitintensiven Strukturen innerhalb des ghanaischen Zolls zu beseitigen und das niedrige Ausbildungsniveau der Ghanaer anzuheben. Ebenfalls hat der Präsident angekündigt, die interregionalen Handelshemmnisse zu minimieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt wird der Abbau von Markteintrittsbarrieren für ausländische Investoren sein. Dies haben wir als Delegation der deutschen Wirtschaft auch in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht und fordern es weiterhin. Von Vorteil ist, dass ein Großteil der Minister der neuen Regierung Personen sind, die ein ausgesprochen hohes Maß an Wirtschaftssachverstand mitbringen.

blog:subsahara-afrika: Warum tun sich generell deutsche Firmen so schwer mit einem Engagement in Afrika? Das afrikanische Bevölkerungswachstum und zunehmend protektionistische Tendenzen in vielen deutschen Stammmärkten müsste eigentlich zu einem Umdenken führen.

Butek: Ich denke, dass es viele Gründe für die deutsche Zurückhaltung gibt. Da ist vor allem die Unbekanntheit des Kontinents. Mangels ausgeprägtem Tourismus, lässt man mal Südafrika und Kenia außen vor, haben viele Menschen keine eigene Beziehung zu Afrika. Häufig ist es aber der persönliche Bezug, der das Interesse an Auslandsmärkten weckt. So habe ich es jedenfalls während meiner Stationen in Asien, Europa und Afrika von deutschen Unternehmern immer wieder gehört. Und wenn in deutschen Medien über Afrika berichtet wird, dann fast immer unter schlechten Schlagzeilen. Die durchaus vorhandenen wirtschaftlichen und demokratischen Erfolgsgeschichten einzelner Länder wie Ghana und Côte d’Ivoire werden nicht erzählt. Zudem sind in Afrika in der Regel nur die Unternehmen erfolgreich, die ihre Produkte an die lokalen Erfordernisse anpassen. Leider sehen sich viele deutsche Firmen dazu nicht in der Lage. Die Folge ist, dass die Marktanteile an Unternehmen aus anderen Ländern gehen, die diesen Aufwand nicht scheuen.

blog:subsahara-afrika: Zu diesen Ländern gehören China, Indien, die USA, viele arabische aber auch europäische Staaten. Was kann man von ihnen lernen?

Butek: Es ist zu beobachten, dass Unternehmen aus diesen Nationen sehr oft mit politischer Begleitung in die Märkte gehen. Die Zusammenarbeit zwischen den jeweiligen Entwicklungshilfeagenturen und den Privatwirtschaften greift besser ineinander, was den Markteinstieg oftmals enorm vereinfacht. Ebenfalls bringen diese Länder in aller Regel passende Finanzierungsinstrumente mit. Ein weiterer Erfolgsfaktor dieser Staaten ist es, dass oftmals staatseigene Generalunternehmen afrikanische Großprojekte, teilweise sogar mit Verlusten, übernehmen, auf diese Weise jedoch kleinere privatwirtschaftliche Lieferanten „mitgenommen“ werden können.

blog:subsahara-afrika: Ungeachtet dessen gibt es auch Chancen für deutsche Unternehmen. In welchen Branchen sollten sie sich in Ghana engagieren?

Butek: Deutsche Unternehmen haben insbesondere in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, erneuerbare Energien und Umwelttechnologien gute Chancen. Ebenfalls hat der klassische deutsche Maschinenbauer gute Möglichkeiten, Produkte in Ghana abzusetzen. Ein weiterer wichtiger Bereich für deutsche Firmen sind Ingenieursleistungen sowie technische Beratungsleistungen.

blog:subsahara-afrika: Welche jüngste Erfolgsstory einer deutschen Firma in Ghana hat Sie besonders beeindruckt?

Butek: Ein junges deutsches Startup konnte sich erfolgreich mit Solartechnik etablieren. Es ist den typischen Herausforderungen in Afrika, dem fehlenden technischen Knowhow und der mangelhaften Finanzkraft, mit einem innovativen Geschäftsmodell begegnet. Das Unternehmen bietet seinen Kunden an, Solarkraftwerke vor Ort zu installieren und zu warten, und verkauft seinen Kunden den generierten Strom zu einem Preis, der unter dem Marktpreis von konventionellem Strom liegt. Dies ermöglicht dem Unternehmen, den Kunden langfristig zu binden sowie Besitzer der Technologien zu bleiben. Sollte der Kunde in Zahlungsschwierigkeiten geraten, kann die Firma, als letzte Maßnahme, ihre Anlage abbauen und anderweitig einsetzen.

blog:subsahara-afrika: Ghana ist vergleichsweise ein kleiner Markt, kann aber mit seinen verhältnismäßig stabilen Rahmenbedingungen als Sprungbrett in die Nachbarschaft fungieren. Welches Nachbarland können Sie empfehlen? Wie kann die Delegation der deutschen Wirtschaft in Ghana dies unterstützen?

Butek: Ein aktuell sehr spannender Markt ist die Republik Côte d’Ivoire. Die Côte d’Ivoire weist seit einigen Jahren stabile Wachstumsraten auf sowie seit 2011 politische Stabilität. Das Land verfügt über eine im Vergleich zur Region gute Infrastruktur. Wegen des Investitionsstopps vergangener Tage ist die Investitionstätigkeit derzeit sehr rege. Bislang dominieren französische Unternehmen den Markt. Geschäftsmöglichkeiten bestehen bei Infrastruktur- und Energieprojekten, im Maschinenbau für die Leichtindustrie sowie im Lebensmittelverarbeitungsbereich. Als Delegation können wir deutsche Unternehmen bei der Suche nach Partnern im Nachbarland unterstützen.

blog:subsahara-afrika: Welche Schwerpunkte möchten Sie als noch neuer Delegierter der deutschen Wirtschaft in Ghana setzen?

Butek: Die duale Berufsbildung wird ein immer wichtigeres Thema im Land, insbesondere, um ausländischen Investoren die Suche nach ausgebildetem Personal zu erleichtern. Daher sind wir mit allen relevanten Ministern eng im Gespräch und tauschen uns über mögliche Kooperationsfelder aus. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beobachtung der Region, vor allem Togo, Burkina Faso und Côte d’Ivoire stehen im Fokus. Wir möchten sich dort ergebende Geschäftsfelder für deutsche Unternehmen schnellstmöglich zugänglich machen. Schließlich wollen wir im Verbund der in Subsahara-Afrika etablierten Auslandshandelskammern und Delegationen stärker zusammenarbeiten. Deutsche Firmen schauen sich nämlich in der Regel nicht ein einzelnes Land, sondern eine Region an. Zudem stellen wir fest, dass die Märkte des westlichen Afrikas oftmals von Südafrika aus bearbeitet werden. Dort ansässige Unternehmen aus Deutschland wollen wir vermehrt über die Potentiale Westafrikas beraten.

blog:subsahara-afrika: Was sollte man aus Ihrer persönlichen Erfahrung beherzigen, wenn man sich als Deutscher möglichst schnell in Accra einleben will?

Butek: Meiner Meinung nach sollte man sich vor allem treu bleiben. Hier in Ghana ist alles etwas langsamer, die Zuverlässigkeit vieler Ghanaer ist nicht mit der deutschen zu vergleichen. Dies kann dazu verleiten, selbst nachlässig zu werden. Man muss mit viel Selbstdisziplin gegensteuern und die Attribute zeigen, für die die Deutschen auch in Ghana geschätzt werden, nämlich Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und ein hohes Qualitätsbewusstsein. Um in Ghana erfolgreich zu sein, muss man die Kultur der Menschen verstehen. Es ist daher wichtig, auf die Straße zu gehen, mit den Menschen zu sprechen, und sich nicht in seinem Haus zu verschanzen. Lokale Märkte und Festivals eignen sich besonders gut, um mehr über Land und Leute zu erfahren. Dazu gehört auch, Ghanas wunderschöne Landschaften zu entdecken, die man schon nach einer Stunde Fahrtzeit außerhalb Accras vorfindet.

Maximilian Butek leitet seit Anfang 2017 die zum Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern (AHK) gehörende Delegation der Deutschen Wirtschaft in Ghana. Davor war er für die AHK Standorte in Südafrika, den baltischen Staaten und Thailand tätig. Er sammelte zudem berufliche Erfahrungen in der Strategieberatung in den Bereichen IKT und Finanzdienstleistungen. Kontakt: E-Mail: maximilian.butek@ghana.ahk.de, Tel.: +233 302 631681/2/3, Internet: www.ghana.ahk.de.

(Bildnachweis: Tourist Destinations – Ghana – www.tourist-destinations.com/2012/12/ghana-africa.html)

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