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African Economic Outlook 2017: Unternehmertum als Treiber der Industrialisierung

Der African Economic Outlook (AEO) 2017 befasst sich mit dem aktuellen Stand der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Afrikas und gibt einen Ausblick auf die kommenden zwei Jahre. Die 16. Auflage hat das Unternehmertum und die Industrialisierung des Kontinents zum Thema.

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick
Laut AEO 2017 sank das Wirtschaftswachstum Afrikas 2016 auf 2,2 % (3,4 % in 2015). Zurückzuführen ist der Rückgang auf niedrige Rohstoffpreise, die angespannte weltwirtschaftliche Lage und schlechte Wetterbedingungen, die insbesondere die landwirtschaftliche Produktion trafen. Im regionalen Vergleich hat Ostafrika (5,3 % regionales BIP) die beste Entwicklung gezeigt, während Westafrika (0,4 % regionales BIP) die schlechteste Wirtschaftsleistung erbracht hat. Während die rohstoffabhängigen Länder ein schweres Jahr hatten, konnten die Märkte, die Exporte jenseits des Rohstoffsektors tätigten, Gewinne erzielen und wachsen. Nicht nur wirtschaftlich sind große Entwicklungsunterschiede zwischen einzelnen Ländern zu beobachten, sondern auch in Bezug auf Gesundheit, Bildung und Lebensstandards.

Durch allmählich steigende Rohstoffpreise, eine anziehende private Nachfrage, makroökonomische Reformen, eine stärkere Diversifizierung und ein sich verbesserndes Geschäftsumfeld, ist mit einer Erholung des Wachstums auf 3,4 % in 2017 und 4,3 % in 2018 zu rechnen. Auch die Investitionen sollen im Vergleich zum Vorjahr leicht steigen – von 177,7 Billionen US-Dollar (2016) auf 179,7 Billionen in 2017. Dabei bewegen sich die Investitionen allmählich weg vom Rohstoffsektor hin zu den Bereichen Bau, Finanzdienstleistungen, Produktion, Transport, Energieversorgung und Informations- und Kommunikationstechnologien.  

Unverändert bleiben ausländische Überweisungen die wichtigste externe Finanzquelle des Kontinents. Investiert wird vor allem in Verbrauchsgüter, Dienstleistungen und Telekommunikation. Fortschritte macht auch die Staatsführung vieler afrikanischer Länder. Öffentliche Mittel werden effizienter genutzt und mehr soziale Dienstleistungen erbracht. Auch das geschäftliche Umfeld verbessert sich und unterstützt damit private Investitionen.

Industrialisierung und Unternehmertum
Bis 2050 soll die arbeitsfähige Bevölkerung in Afrika auf 910 Millionen Menschen wachsen. Arbeitsplätze zu schaffen und die junge Bevölkerung in Arbeit zu bringen ist für die Industrialisierung des Kontinents entscheidend und eine der Hauptaufgaben für die afrikanischen Regierungen in den kommenden Jahren. So sollten die Industrialisierungsstrategien der afrikanischen Regierungen einen ganzheitliche Ansatz verfolgen, der nicht nur auf Fertigungsbetriebe und Großunternehmen abzielt, um das Potenzial des afrikanischen Unternehmertums freizusetzen. Denn, Firmen mit bis zu 20 Mitarbeitern und weniger als fünf Jahren Geschäftstätigkeit stellen den Großteil der Arbeitskräfte im formellen Sektor. Es sollte daher in alle Bereiche investiert werden, die das Potenzial haben zu wachsen und Arbeitsplätze zu schaffen, auch in kleine und mittelständische Unternehmen und Startups. Zur Förderung von Unternehmertum und Industrialisierung sollten die Regierungen in eine Schul- und Berufsbildung investieren, die auf das spätere Arbeitsleben vorbereitet, sowie die Schaffung von Unternehmensclustern unterstützen und den Zugang zu geeigneten Finanzierungsinstrumenten verbessern, so der Bericht. Zudem sollten Bereiche unterstützt werden, in denen die afrikanischen Wirtschaften stark sind, wie Agrobusiness, Dienstleistungen und Erneuerbare Energien. 

  • Lesen Sie hier den „African Economic Outlook 2017„:

Herausgeber des seit 2002 jährlich erscheinenden AEOs sind die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Für diesen Report nimmt ein Expertenteam aus Wirtschaftswissenschaftlern, Volkswirten und Statistikern die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Situation des Kontinents unter die Lupe. Jeder Bericht widmet sich zudem einem Schwerpunktthema und beinhaltet vergleichende Länderberichte für die 54 Märkte des Kontinents.

(Bildnachweis: „Fruit seller“ von Niall McNulty – www.flickr.com)

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