Praxisspiegel Südafrika

Interview mit Hans-Jörg Hübner, GfG Gesellschaft für Gerätebau mbH

„Mangels Kulturschock ist Südafrika für Newcomer ein guter Eingangsstandort“

Hans-Jörg Hübner ist seit Mitte der 80er Jahre mit seiner Gerätebaufirma in Südafrika ansässig. Hübner hat die tiefgreifenden Veränderungen vom „alten“ zum „neuen“ Südafrika intensiv miterlebt und gibt umfassende Einblicke in die Geschäftskultur am Kap.

Wie sind Ihre vielfältigen Beziehungen zu Südafrika entstanden?

Die GfG Gesellschaft für Gerätebau mbH ist seit über 30 Jahren in Südafrika ansässig und verfügt über ein gut entwickeltes Netz von Geschäftsbeziehungen vor Ort. Meine persönlichen Beziehungen in die Regierungsadministration sind gut und vielfältig, insbesondere seit ich noch unter der alten Apartheidregierung an einem neuen Gesetzgebungsvorhaben für die Bergbauindustrie mitgewirkt habe. Damals hat sich nach dem Regierungswechsel das Büro von Präsident Nelson Mandela bei mir gemeldet und mir die Funktion eines Honorarkonsuls für die Republik Südafrika angetragen. Danach habe ich plötzlich festgestellt, dass ich fünf Minister der neuen Regierungsmannschaft persönlich kenne.

Wie erleben Sie die Arbeitskultur in Südafrika im Vergleich zur deutschen Arbeitskultur?

In Deutschland meinen wir ja immer, die beste Arbeitskultur zu haben. Jedoch haben wir hier inzwischen mit den gleichen Kulturunterschieden zwischen verschiedenen Gruppen von Arbeitnehmern zu tun wie in anderen Ländern, so etwa auch in Südafrika. Dort bin ich immer beeindruckt, wie gut organisiert die Arbeitswelt ist, vor allem im Vergleich zu den umliegenden Ländern.

Wie läuft die Kommunikation mit südafrikanischen Geschäftspartnern ab?

Da der Postverkehr aufgrund des, wie in vermutlich allen afrikanischen Ländern, nicht existenten Zustelldienstes nicht gut funktioniert, läuft die Kommunikation mit südafrikanischen Geschäftspartnern über E-Mail, Telefon, eventuell Fax oder – bei wichtigen Dokumenten – über Kurier ab. Die Sprache ist grundsätzlich Englisch, was übrigens nach meiner Erfahrung manchen deutschen Firmen, die sich für Südafrika interessieren, nicht immer bekannt ist. Eine Randbemerkung: Immer noch gibt es in Südafrika eine ganze Reihe deutscher Einwanderer, die auch in der zweiten Generation nicht so gut Englisch sprechen, wie man es erwarten könnte – etwa kleine Gewerbetreibende und Handwerker, die das gute deutsche Netzwerk nutzen. Mehr als 70 000 Deutsche leben heute in Südafrika.

Wie intensiv sind Ihre privaten Beziehungen zu Ihren Geschäftspartnern?

Meine privaten Beziehungen in Südafrika sind vielfältig und beschränken sich keineswegs auf weiße Südafrikaner. Zum Thema Beziehungen zwischen den Rassen im „neuen“ Südafrika ist anzumerken, dass die junge Generation zunehmend „farbenblind“ wird – so wie es der von allen in Südafrika und der ganzen Welt verehrte Nelson Mandela als erster schwarzer Präsident der Kaprepublik immer gewünscht hat.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Zahlungsmoral von Kunden und wie verhalten Sie sich bei Forderungsausfall?

Das Zahlungsverhalten der qualifizierten Unternehmen in Südafrika entspricht den Standards in Europa und der westlichen Welt. Unternehmen müssen adäquate Instrumente der Zahlungssicherung anwenden. Zu warnen ist vor bestimmten lokalen Praktiken, die nach einer gewissen Zeit zu Forderungsausfall führen: wenn nämlich Lieferungen gegen bestimmte Zahlungsvereinbarungen (auch Vorkasse) an einen Kunden mehrmals hintereinander reibungslos funktionieren, bis die Firma plötzlich verschwunden ist. Dagegen sollte man sich durch Bonitätsprüfung von Neukunden versuchen, abzusichern.

Haben Sie Anlaufzeit benötigt, bis Ihr Geschäft in Südafrika profitabel wurde?

Wir haben von Beginn an in Südafrika Geld verdient. Wir hatten Glück, da wir gegenüber amerikanischen Wettbewerbern damals kommerziell bessere Konditionen und insbesondere technisch ausgefeiltere Lösungen anboten, indem wir grundsätzlich Vertrieb und Service kombiniert haben. Wer in Südafrika Erfolg haben will, muss sich über die Strukturen vor Ort informieren und vor allem auch in Deutschland wettbewerbsfähig sein. Die Südafrikaner erwarten neueste und beste Technologien. „Made in Germany“ hat auch dort einen guten Klang.

Welche Veränderungen oder wichtigen Entwicklungen hat es in den letzten Jahren im Geschäftsleben für Sie in Südafrika gegeben?

Die Energieversorgung ist problematischer geworden, da heute 90 % der Bevölkerung an das Stromnetz angeschlossen sind gegenüber 60 % vor Jahren. Dies hat Verknappungserscheinungen zur Folge, da der Kraftwerksausbau mit dem Strombedarf in den Spitzenzeiten bei stetig gutem Wirtschaftswachstum nicht mithalten konnte. Das für Kraftwerksvorhaben erforderliche Planfeststellungsverfahren ist allerdings deutlich kürzer als in Deutschland. Erneuerbare Energien als Alternativlösung, wie Photovoltaik, sind trotz viel Sonne auch in Südafrika sehr teuer.

Eine positive Entwicklung in den letzten 20 Jahren ist die Verbesserung der Sicherheitslage vor allem in der zentralen Region Gauteng, zu der Johannesburg und Pretoria gehören. Die Polizeistatistik ist erheblich besser geworden als in den ersten Jahren nach Ende des Apartheidregimes. Vor allem ein Aspekt spielt eine wichtige Rolle gegenüber der Lage in wichtigen anderen afrikanischen Ländern: In Südafrika gibt es keine islamistische Bedrohungslage.

Haben Sie Empfehlungen für deutsche Newcomer im Südafrikageschäft?

Südafrika ist für Newcomer in Afrika ein guter Eingangsstandort, um sich mit Afrika vertraut zu machen. Es gibt sozusagen keinen Kulturschock, da das Land von allen afrikanischen Ländern am stärksten an ein europäisches Land erinnert. Jede neu an dem Land interessierte Firma sollte die vorhandenen Netzwerke nutzen, wie AHK (Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika) und Deutsche Botschaft. Ein wichtiger Rat: Eine Firma, die nach Südafrika geht, muss wettbewerbsfähig sein – ein Unternehmen, dem es auf anderen Märkten schlecht geht, sollte sein Heil nicht in Südafrika suchen.

Welche Erfahrungen machen Sie mit den Broad-Based Black Economic Empowerment (B-BBEE)-Vorschriften, mit denen die Beteiligung der vormals benachteiligten Bevölkerungsgruppen Südafrikas am Wirtschaftsleben gefördert werden soll?

Wir gehören zu den Firmen, die sich diesen Vorschriften anpassen und damit auch gute Erfahrungen gemacht haben. Deutsche Unternehmen sind ohnehin sozialer als andere Unternehmen, auch und vor allem britische, haben wir festgestellt. Wir kümmern uns um unsere Mitarbeiter, daher bemühen wir uns, unsere „Punkte“ im B-BBEE-System vor allem durch Ausbildung schwarzer Mitarbeiter sowie Unterstützung von sozialen Einrichtungen usw. zu erhalten. Dagegen lehnen wir es ab, zur Gewinnung von Punkten eine Beteiligung zu „verschenken“.

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suedafrika_huebnerDiplom-Kaufmann Hans-Jörg Hübner ist seit 1983 Geschäftsführer der GfG Gesellschaft für Gerätebau mbH aus Dortmund. Die GfG ist konzernungebundener Weltmarktführer in der Gasmess- und Gaswarntechnik und besitzt verschiedene Tochtergesellschaften weltweit, darunter seit 1984 eine Niederlassung in Südafrika. Hübner wurde 1998 von Präsident Nelson Mandela zum Honorarkonsul der Republik Südafrika für Nordrhein-Westfalen ernannt. www.gasmessung.de

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Dieses Interview ist im Praxisratgeber „Interkulturell kompetent unterwegs in Subsahara Afrika“ erschienen. Weitere Interviews zum Umgang mit ausgesuchten afrikanischen Geschäftskulturen sind zu finden auf der Seite zum Praxisratgeber unter „Kulturkompetenz„.

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