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Als Expatriate nach Angola – Teil 2: Etablierung

Wer als Fachkraft von seinem Unternehmen ins Ausland versetzt wird, der wird mit einer ganzen Reihe von zumeist organisatorischen Herausforderungen konfrontiert. Blog:subsahara-afrika beleuchtet mit einer Artikelserie ausgesuchte Aspekte einer Entsendung nach Angola. Im Fokus des zweiten Teils: Fragen der Etablierung.

Die Fachkraft eines international tätigen Unternehmens, die für einen bestimmten kürzeren oder längeren Zeitraum – meist ein bis drei Jahre – in eine Auslandsniederlassung versetzt wird, bezeichnet man als Expatriate. Eine solche Versetzung beinhaltet ganz spezielle Herausforderungen an die Arbeitnehmer und ihre Familien, die sich aus dem Leben und Arbeiten in einem fremden Kulturkreis ergeben. Bei Planung und Organisation des Umzugs sind bestimmte Regeln und Empfehlungen zu beachten, und zur Etablierungsphase im neuen Land gehören Wahl des Wohnorts und Wohnraumbeschaffung, Inanspruchnahme von Sicherheitsdiensten sowie Erwerb und Anmeldung eines (oder mehrerer) Kfz.

Praktische Umzugsfragen

Angola gehört zu den Zielländern, in die ein Umzug besonders komplex ist und spezielle Herausforderungen an die Spedition stellt. Daher ist eine besonders gründliche Recherche zur Einholung von Angeboten erforderlich, und nach Möglichkeit sollten auch persönliche Erfahrungsberichte von bereits vor Ort Ansässigen eingeholt werden. Da die deutsche Community in Angola bislang klein ist, dienen als Ansprechpartner vor allem die Delegation der Deutschen Wirtschaft (deutsche Auslandshandelskammer, AHK) oder auch die Deutsche Botschaft in Luanda. Ein Hinweis auf die Reputation einer Spedition ist im Übrigen die Aufnahme in die offizielle Vertragsliste des Auswärtigen Amtes bzw. der jeweiligen Botschaft, die dort auf Nachfrage einzusehen ist.

Grundsätzlich sollte ein anerkanntes internationales Umzugsunternehmen gewählt werden, das sich auf Umzüge aus und in die Region des südlichen Afrika spezialisiert hat und hierbei ausdrücklich auch Angola-Erfahrung besitzt. Das Abfertigungsprozedere in angolanischen Häfen ist notorisch bürokratisch, chronisch kompliziert und auch nicht frei von Korruption. Die Spedition muss hierfür verlässliche Agenten vor Ort haben. Dennoch kommt es vor, dass Neuankömmlinge monatelang auf die Herausgabe ihres Umzugsguts warten müssen. Alle dringend notwendigen persönlichen Gegenstände sollten daher immer im Reisegepäck mitgenommen werden.

Vor allem bei Mitnahme umfangreicher persönlicher Habe ist in jedem Fall ein Komplettangebot, d.h. einschließlich Verpacken am Abgangsort und Auspacken am neuen Wohnort, zu empfehlen, damit der gesamte Hausrat die weite Reise möglichst sicher übersteht. Wenn die Dauer des Auslandseinsatzes noch nicht abzusehen ist, sollte ggf. der Umzug auf das Notwendigste an persönlichen Gegenständen beschränkt und die Möbel eingelagert oder, bei Immobilieneigentum in Deutschland, eine befristete möblierte Vermietung in Betracht gezogen werden. In dem Fall kann u.U. die Mitnahme in Form von unbegleitetem Fluggepäck oder sog. Beiladung der Spedition kostengünstig erfolgen. Allerdings ist zu bedenken, dass Beschaffungen in Angola selbst kaum möglich sind, höchstens im benachbarten Südafrika, was aber wiederum umständlich und teuer sein könnte. Daher empfiehlt sich vor allem bei abzusehendem längeren Aufenthalt die Mitnahme aller auf Dauer erforderlichen persönlichen und Haushaltsgegenstände.

Wohnungsmarkt und Wohnortwahl

In Luanda herrscht eine akute Wohnungsknappheit, die auch den Wohnungsmarkt für Expatriates beeinträchtigt. Die Stadt war einmal in der Kolonialzeit für eine halbe Million Einwohner gebaut worden und muss nun rund zehnmal so viele beherbergen, denn etwa ein Fünftel der Bevölkerung Angolas (25 Mio.) lebt auf dem Gebiet der Hauptstadt. Dies macht den lokalen Immobilienmarkt zu einem der teuersten der Welt. Seit dem Ende des Bürgerkriegs (2002) wurden einige neue Wohnviertel um die Stadt herum gebaut, die jedoch teilweise unbewohnt sind aufgrund der für Einheimische zu hohen Preise. Appartements für gehobene Ansprüche mit drei Schlafzimmern (unmöbliert) kosten je nach Lage (innerhalb oder außerhalb der Innenstadt) monatlich etwa zwischen 3.500 und 7.000 US-Dollar Miete. Daher ist es für Expatriates wichtig, entsprechende Zuschüsse oder Mietkostenübernahmen in ihren Entsendungsverträgen zu vereinbaren.

Bei kürzeren befristeten Verträgen ist es eine Option, Expatriates in Hotels der Innenstadt unterzubringen. Bei ihrer sorgfältigen Auswahl sollte berücksichtigt werden, dass diese zwar generell gehobene Standards, jedoch unterschiedliche Qualität beim Service aufweisen. Bei der Anmietung von Wohnraum sollte wegen der notorisch unzuverlässigen Stromversorgung und auch häufigen Wasserproblemen unbedingt darauf geachtet werden, dass die Anlage über einen leistungsstarken Generator sowie ausreichende Wassertanks verfügt. Die meisten der bei den Ölgesellschaften beschäftigten Expatriates leben in besonderen, oft unternehmenseigenen Siedlungen, die diverse Einrichtungen für eine gehobene Lebensqualität (z.T. Tennisplätze, Swimmingpools, Geschäfte) und einen hohen Sicherheitsstandard bieten. Diese Wohnbezirke liegen im Süden außerhalb der Innenstadt (Luanda Sul), in der Nähe der angelsächsischen internationalen Schulen. Vor allem Familien mit Kindern bevorzugen diese Wohnlage und nehmen das notorische Verkehrschaos auf dem Weg zur Arbeit in die Stadt in Kauf. Expatriates ohne Familie oder ohne Kinder bevorzugen daher häufig die Anmietung von Appartements in verkehrsgünstiger gelegenen gehobenen Wohnlagen der Innenstadt, wie vor allem die beliebten Bezirke Maianga und Mirimar.

Sicherheitsdienste

Auch Luanda gehört zu den afrikanischen Hauptstädten mit erheblichen Sicherheitsproblemen, die Expatriates bei ihrer Wahl des Wohnorts und der Wohnungslage unbedingt beachten sollten. Vor allem müssen ausreichende Sicherheitsvorkehrungen gegen die häufig vorkommenden Wohnungseinbrüche getroffen werden. Wohnanlagen für Expatriates sind generell mit Zugangskontrollen und 24-Stunden-Wachpersonal ausgestattet. Auch für diese nicht unerheblichen Kosten sollten im Rahmen der Bezuschussung von Wohnraum Beihilfen des Arbeitgebers ausgehandelt werden.

Das Leben in separaten, bewachten Compounds schafft einerseits einen gewissen Sicherheitsstandard im Alltag, macht andererseits natürlich den Standort von Expatriates auch sichtbar als mögliches Ziel von Überfällen oder sogar Entführungen. Grundsätzlich sollten die aktuellen Informationen zur Sicherheitslage mit Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes immer beachtet werden. Eine gute Quelle für Sicherheitsinformationen vor Ort bieten ebenfalls die US-amerikanischen Einrichtungen im Umfeld der US-Botschaft, die wegen der im Land operierenden Ölgesellschaften die größte Expatriate-Community betreuen muss (siehe zum Beispiel regelmäßig aktualisierte Informationen von OSAC – Bureau of Diplomatic Security des US Department of State).

Rund um‘s Auto und andere Transportmittel

Angola hat seine speziellen Verkehrsprobleme und ist sicherlich kein Paradies für (deutsche) Autofahrer. Die meisten Unternehmen stellen ihren leitenden Angestellten ein Auto mit Fahrer zur Verfügung oder besitzen einen firmeneigenen Fuhrpark mit Fahrern, die bei Bedarf benutzt werden können. Häufig ist hierbei dem Mitarbeiter selbst das Fahren des firmeneigenen Wagens untersagt, und in keinem Fall darf der Ehepartner das Auto fahren. Da Erwerb und Unterhaltung eines Fahrzeugs in Angola generell teuer und schwierig sind – Stichworte: umständliche Ersatzteilimporte, wenige Tankstellen mit langen Schlangen vor den Zapfsäulen –, verzichten viele Expatriates auf den Kauf eines eigenen Fahrzeugs. Wenn dennoch vor allem bei langfristigen Entsendeverträgen ein privates Auto beschafft werden soll, dann stehen viele großen Automarken mit Vertretungen in Luanda zur Auswahl. Sinnvollerweise sollte ein Allradfahrzeug gewählt werden, das auch bei Überlandfahrten in der Regenzeit (November bis April) eingesetzt werden soll. Diese bergen besondere Gefahren (Schlaglöcher, weggespülte Brücken u.Ä.).

Alle Fahrten außerhalb des Hauptstadtgebiets sollten aus Sicherheitsgründen nur im Konvoi von mindestens zwei Fahrzeugen unternommen werden, bei Mitnahme von Ersatzreifen und wichtigen Ersatzteilen. Autofahrer sollten immer auf der Hut sein und z.B. sehr langsam fahrende Fahrzeuge schleunigst überholen (Gefahr von Carjacking). Unbedingt zu beachten sind ferner Hinweise auf Landminen, die immer noch nicht landesweit beseitigt worden sind. Grundsätzlich sollten Fahrten in Angolas nördliche und südliche Lunda-Provinzen (Diamantengebiete) nicht ohne triftigen Grund (mit ausreichenden Dokumenten) unternommen werden, da die Regierung den Zugang in diese sensitiven Regionen strikt kontrolliert und Unbefugte ggf. sogar in Gewahrsam nimmt.

Aber auch das Fahren in Luanda selbst hat seine Tücken, da der Bau von Straßen mit dem Kfz-Bestand nicht mitkommt und in ständigen Verkehrsstaus resultiert, vor allem während der morgendlichen Rushhour. Angolanische Autofahrer sind berüchtigt für die Missachtung von Verkehrsregeln und Ampeln, so dass man ständig mit Unvorhergesehenem im Straßenverkehr rechnen muss. Öffentlicher Nahverkehr ist keine Alternative, da Busse und Minibusse für besonders rücksichtsloses Fahren bekannt sind und für Expatriates aus Sicherheitsgründen ungeeignet sind. Ebenso wenig verfügt Luanda über ein funktionierendes reguläres Taxisystem.

Dieser Artikel ist Teil 2 der Serie: Als Expatriate nach Angola.

Teil 1: Vorbereitung (31.07.2017)
Teil 3: Personalmanagement (28.08.2017)
Teil 4: Soziales Umfeld / Stolpersteine (11.09.2017)
Teil 5: Interview: Angola hat auch Annehmlichkeiten für Expatriates (25.09.2017)

(Bildnachweis: Stiefi & Monkey Business & Minerva Studio & bst2012 – Fotolia.com)

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