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Als Expatriate nach Angola – Teil 5: Angola hat auch Annehmlichkeiten für Expatriates

Der Österreicher Anton Schauer-Grasch ist seit vier Jahren Leiter der Angola-Niederlassung von Gauff GmbH & Co. Engineering KG. Bereits seit dem Ende des Bürgerkriegs 2002 arbeitet er in Luanda. Er gibt Einblick in die vielfältigen Herausforderungen für Expatriates in diesem Land.

blog:subsahara-afrika:  Herr Schauer-Grasch, welche organisatorischen Herausforderungen bringt ein Expatriate-Einsatz in Angola bereits vor Abreise in das Land mit sich? Was sollte man nicht unterschätzen?

Anton Schauer-Grasch: Es kann mehrere Monate dauern, bis man ein Arbeitsvisum für Angola vorliegen hat. Das liegt daran, dass es zeitlich sehr aufwändig ist, die für den Visumsantrag erforderlichen Unterlagen zu beschaffen. Diese müssen schließlich ins Portugiesische übersetzt werden und es müssen die Beglaubigen der entsprechenden Ministerien vorliegen, die ihrerseits von der angolanischen Botschaft zu bestätigen sind. Nicht vergessen sollte man bei der Vorbereitung auch eine Reiseapotheke. Vor allem spezielle persönliche Medikamente sollten in ausreichender Menge mitgenommen werden.

blog:subsahara-afrika: Wie haben Sie sich sprachlich auf das Land vorbereitet?

Schauer-Grasch: Ich habe einen mehrwöchigen Portugiesisch-Sprachkurs in der „Berlitzschule“ in Lissabon belegt. Bei allen Newcomern sollten von vornherein zumindest Grundkenntnisse in Portugiesisch oder Spanisch vorhanden sein.

blog:subsahara-afrika: Mit welchen Erwartungen sind Sie dann nach Angola aufgebrochen? Welche davon sind bisher erfüllt worden?

Schauer-Grasch: Ich bin Anfang 2002 mit relativ geringen Erwartungen in Angola eingetroffen. Ich hatte schon mehrere Jahre „Afrikaerfahrung“ in verschiedenen Regionen Afrikas. Ich freute mich auf das Kennenlernen eines neuen Landes mit portugiesischem Hintergrund. Ein Einsatz in einem neuen Land bedeutet immer eine neue Herausforderung, und wenn man solche Aufgaben speziell im Ausland erfolgreich bewältigt, ist dies beruflich überaus befriedigend. Alle meine Erwartungen an Angola haben sich erfüllt, wie man schon an der Dauer meines Aufenthaltes ablesen kann. Ich hatte beruflich und privat die Gelegenheit, die meisten Provinzen zu bereisen, und ich hatte das Glück, die ersten Jahre des rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs mitzuerleben. Seit geraumer Zeit befindet sich Angola nun in einer äußerst schwierigen wirtschaftlichen Situation, vor allem aufgrund der gefallenen Ölpreise. Doch wer das Potenzial dieses Landes kennt, muss einfach daran glauben, dass sich die Entwicklung bald wieder zum Besseren wenden wird.

blog:subsahara-afrika: Angola hat ja bekanntlich den Ruf als relativ schwieriger Einsatzort für Expatriates. Welche Bedingungen beim Leben und Arbeiten in Angola würden Sie aber als eher angenehm bezeichnen, auch für Newcomer?

Schauer-Grasch: Man muss Angola geteilt betrachten: Da ist zum einen die Hauptstadt Luanda, eine chaotische und pulsierende afrikanische Großstadt, wo alles für ein „luxuriöses“ Leben und Arbeiten geboten wird: Es gibt viele gute Restaurants, Supermärkte mit europäischem Sortiment, bestens ausgestattete Wohnungen und Häuser usw. – allerdings alles zu horrend hohen Preisen! Und zum anderen gibt es die Provinzen, wo man ausländische Spezialisten sehr höflich und zuvorkommend behandelt. Hier muss man aber auch gewillt sein, unter sehr einfachen Lebensumständen zu leben. Man wird aber durch die Ruhe, relativ günstige Preise und vor allem die Schönheiten des Landes entsprechend entschädigt.

blog:subsahara-afrika: Und welches sind die Lebens- und Arbeitsumstände in Angola, die Sie als besonders schwierig empfinden?

Schauer-Grasch: Der chaotische Verkehr speziell in Luanda erfordert täglich mehrere Stunden von und zur Arbeit. Einen geregelten öffentlichen Nahverkehr gibt es bisher noch nicht, der wird von privaten Taxibussen, den sogenannten „Candongueros“, zu überhöhten Tarifen durchgeführt. Sodann sind die Lebenshaltungskosten extrem hoch, Luanda gilt als eine der teuersten Städte der Welt. Dennoch ist die Versorgung mit Strom und Wasser auch in der Hauptstadt noch immer sehr mangelhaft, und in den Provinzen ist diese Versorgung noch wesentlich schlechter. Man muss versuchen, mit Generatoren und zusätzlichen Wassertanks unabhängig zu sein.

blog:subsahara-afrika:. Welche „do’s“ oder don’ts“ würden Sie einem Expatriate in Angola ans Herz legen?

Schauer-Grasch: Die Angolaner sind ein Volk mit sehr viel Stolz, das manchmal auch zur Arroganz neigt. Daher ist es angebracht, als Gast im Land den Menschen mit Respekt gegenüberzutreten. Dann wird sich auch schnell gegenseitiges Vertrauen bilden. Absolute „don’ts“ sind „kolonialherrschaftliches“ Auftreten und Respektlosigkeit, diesbezüglich sind die Angolaner sehr empfindlich und verletzlich.

blog:subsahara-afrika: Wie gestalten Sie die Pflege Ihrer Kontakte und Netzwerke in Angola?

Schauer-Grasch: Aufgrund der wirtschaftlichen Krise in Angola haben sich die Kontakte und Netzwerke stark reduziert, da eine Reihe portugiesischer und deutscher Kollegen abgezogen wurden. Es ist daher umso wichtiger, bei verschiedenen Veranstaltungen der Botschaften und Wirtschaftskreise weiterhin eingebunden zu sein. Unter den deutschen Kollegen wird ohnehin der private Kontakt gepflegt.

blog:subsahara-afrika: Wie intensiv sind Ihre privaten Beziehungen zu Ihren Geschäftspartnern?

Schauer-Grasch: Unsere Partner sind ausschließlich Ministerien und Behörden, daher gibt es so gut wie keine privaten Beziehungen zu Geschäftspartnern. Früher gab es in meinem beruflichen Umfeld mehr persönliche Verbindungen in die Privatwirtschaft.

blog:subsahara-afrika: Angola gehört zu den afrikanischen Ländern mit starkem Korruptionsproblem. Wie geht ihr Unternehmen mit dieser Herausforderung um?

Schauer-Grasch: Wir sensibilisieren unsere Mitarbeiter sehr für dieses Thema unsere Einstellung zu Korruption steht außer Frage. Transparenz ist für uns wichtig, und das ist unseren Geschäftspartnern auch bewusst.

blog:subsahara-afrika: Eine weitere Herausforderung ist das Thema Sicherheit. Wie sind diesbezüglich Ihre persönlichen Erfahrungen in Angola? Welche Ratschläge würden Sie vor allem neu zugezogenen Expatriates und ihren Familien geben?

Schauer-Grasch: Ich persönlich habe bisher noch keine schlimmen Erfahrungen bezüglich Sicherheit gemacht. Allerdings gab es bei Bekannten und Kollegen einige Vorfälle. Generell sollte man einige Grundregeln beachten: Keine auffälligen Schmuckstücke oder große Geldsummen offen zeigen; nachts nicht allein in Seitengassen unterwegs sein; Autos nach Möglichkeit auf bewachten Parkplätzen abstellen.

blog:subsahara-afrika: Noch eine spezielle Frage: Vor allem bei allein nach Angola ziehenden Expatriates kann es zur Frage einer Heirat mit Einheimischen kommen. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem gesellschaftlichen Umfeld sammeln können?

Schauer-Grasch: Es gibt in meinem Umfeld mehrere solcher Beziehungen mit angolanischen Frauen, woraus Ehen und Familien entstanden sind. Einige leben mit ihren Familien in Angola, andere haben die Familie mit nach Deutschland genommen. Das ist hier nichts Außergewöhnliches, jeder Einzelne muss in dem Bereich für sich entscheiden.

blog:subsahara-afrika: Abschließend: Mit welchen typisch deutschen Verhaltensweisen eckt man in Angola eher an, mit welchen Tugenden und Gepflogenheiten kommt man hingegen gut an?

Schauer-Grasch: Die Angolaner wollen und mögen die deutsche Qualität und Disziplin, allerdings kann die preußisch strikte Art ein Hindernis sein. Da muss man als Expatriate lernen, sich diplomatisch zu äußern und zu agieren.

blog:subsahara-afrika: Herr Schauer-Grasch, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Anton Schauer-Grasch ist ausgebildeter Sanitär-/ Klimaanlagen- und Tiefbautechniker und war von 1977 bis 2002 als Projektmanager und Projektkoordinator für Bauer Spezialtiefbau GmbH weltweit im Einsatz. Neben Deutschland und Österreich war er in Russland, Saudi-Arabien, VAE, Iran, Irak sowie in zahlreichen afrikanischen Ländern, darunter Nigeria, Tschad, Kenia, Tansania, Uganda und Malawi. Ab 2003 baute er die Bauer-Niederlassung in Angola auf, die er bis 2012 leitete. Seit 2013 ist Schauer-Grasch Branch Manager von Gauff GmbH & Co. Engineering KG, Luanda, Angola. Kontakt: E-Mail: aschauer@gauff.net, Internet: www.gauff.net.

Dieser Artikel ist Teil 5 der Serie: Als Expatriate nach Angola.

Teil 1: Vorbereitung (31.07.2017)
Teil 2: Etablierung (14.08.2017)
Teil 3: Personalmanagement (28.08.2017)
Teil 4: Soziales Umfeld / Stolpersteine (11.09.2017)

(Bildnachweis: Stiefi & Monkey Business & Minerva Studio & bst2012 – Fotolia.com)

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