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Investment in Afrika: US-Präsenz zuletzt deutlich verstärkt

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind seit etwa zehn Jahren führend als Investorenland in Subsahara-Afrika. Hierbei spielen die Engagements der Privatwirtschaft die wichtigste Rolle, wenn auch bisher regelmäßig flankiert durch Initiativen der verschiedenen US-Administrationen. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und dem „schwarzen Kontinent“ haben viele Facetten, nicht zuletzt aufgrund der speziellen ethnischen Verbindung. Immerhin haben eine signifikante Zahl von Amerikanern – rund 18 Prozent der Bevölkerung laut U.S. Census Bureau 2016 – afrikanische Wurzeln und haben als sogenannte Afro-Amerikaner häufig besonderes Interesse an den amerikanisch-afrikanischen Beziehungen. Hinzu kommt eine der größten afrikanischen „Diaspora“-Gemeinden. Diese Angehörige afrikanischer Staaten umfassende Community spielt ebenfalls eine besondere Rolle für die Fortentwicklung der US-Beziehungen mit ihrem Heimatkontinent.

US-Direktinvestitionen in Afrika: Schwerpunktländer und -sektoren

Nach dem Africa Investment Report 2017 der UNCTAD (United Nations Commission for Trade and Development) waren die USA sowohl 2010 als auch 2015 (vor Großbritannien und Frankreich) das Land mit den höchsten Direktinvestitionen in Afrika, gemessen am Bestand von US-Kapitalinvestitionen. Diese erhöhten sich in dem Zeitraum von 55 Mrd. auf 64 Mrd. US-Dollar. Damit entfallen etwa 20 bis 25 Prozent des gesamten afrikanischen Bestands an FDI (Foreign Direct Investment) auf die USA. Die Zuflüsse an amerikanischem Investitionskapital machten 2015 rund 6,8 Mrd. US-Dollar aus, was in dem Jahr einem Anteil an den Gesamtzuflüssen von 10 Prozent entsprach. Diese Zuflüsse entfielen auf 96 einzelne Projekte.

Das größte Empfängerland von US-Investitionen ist traditionell Nigeria, vor allem wegen der in dem Haupt-Ölförderland Afrikas aktiven amerikanischen Erdölgesellschaften. Nach letzter vorliegender Erhebung des US-Department of Commerce (U.S.-Sub-Saharan Africa Trade and Investment Report 2014) betrug der Bestand an US-Kapitalinvestitionen in dem Land 8,2 Mrd. US-Dollar (Stand Ende 2012), gefolgt von Mauritius (7 Mrd. US-Dollar), Südafrika (5,5 Mrd. US-Dollar) und Ghana (3,6 Mrd. US-Dollar). Die Statistik ist versehen mit dem Hinweis, dass detailliertere Informationen zu den US-Investitionszuflüssen in allen Ländern Subsahara-Afrikas nicht verfügbar sind. Nach vorliegenden Informationen über weitere Investitionspläne der in Nigeria aktiven rund 70 US-Unternehmen dürften sich deren Investitionen in dem Land in Zukunft weiter spürbar erhöhen. So wurden allein von rund einem Dutzend Unternehmen die kurzfristig anstehenden Neuinvestitionen mit knapp 4 Mrd. US-Dollar beziffert. Allerdings kann es hierbei im Einzelnen aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise (Ölpreisverfall) auch zu Verzögerungen kommen. Von grundsätzlicher Bedeutung für US-Unternehmen ist ferner Angola als zweitgrößtes Erdölland südlich der Sahara, doch gilt dort als eine der größten Hürden für stärkere US-Engagements der schlechte Rang des Landes im internationalen Korruptionsindex (Platz 164 von 176 Ländern 2016 laut Transparency International).

Ein traditionell wichtiger Standort für US-Unternehmen ist Südafrika, wo sich bisher über 600 Firmen aus den USA niedergelassen haben. Einen Hinweis auf die Bedeutung eines Landes für die bilateralen Beziehungen mit den USA geben auch die Standorte der US-Handelskammern in Afrika, American Chambers of Commerce, die die Interessen von US-Unternehmen in dem Land sowie auch der lokalen Unternehmen mit Handelsverbindungen zu den USA vertreten. Derzeit gibt es südlich der Sahara zehn US-Chambers of Commerce, und zwar in Ghana, Kamerun, Kenia, Mosambik, Nigeria, Sambia, Sierra Leone, Südafrika, Tansania und Uganda.

US-Direktinvestitionen in Subsahara-Afrika nach ausgewählten Sektoren

Bei den zukünftigen US-Engagements in Afrika dürften nach Einschätzung der Wirtschaftsexperten aus der US-Administration einige aktuelle Entwicklungen auf dem Kontinent eine besondere Rolle spielen. Dazu gehören vor allem die fortschreitende Urbanisierung, in Verbindung mit günstigen wirtschaftlichen Wachstumszahlen, ferner die größer werdende Mittelklasse und die deshalb steigenden Konsumausgaben, die zusätzliche Gewinnmöglichkeiten in neuen Branchen schaffen. Im Fokus der Amerikaner stehen daher für die Zukunft mehrere Sektoren: Dies ist zunächst die Landwirtschaft, die in Subsahara-Afrika immer noch rund 65 Prozent der Erwerbsbevölkerung beschäftigt und fast ein Drittel des gesamten Sozialprodukts generiert. Zudem besitzt der Kontinent südlich der Sahara über die Hälfte der weltweit noch unkultivierten Anbauflächen, die aufgrund des stetig steigenden globalen Nahrungsmittelbedarfs zunehmend wertvoller werden.

Der zweite wichtige Wirtschaftssektor, der zukünftig eine stärkere Rolle bei US-Engagements spielen dürfte, betrifft die wichtigen Infrastrukturbranchen wie vor allem Stromerzeugung, Stromübertragungs- und Verteilungsausrüstungen, Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz, Straßen-, Eisenbahn- und Hafenbau sowie Wasserwirtschaft. Hinzu kommen die Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) einschließlich Digitalisierungsausrüstungen, Software-Entwicklung, Datenspeicherung und Multimedia-Entwicklungen.

Als dritter besonders aussichtsreicher Sektor für neue US-Engagements gelten die neu entdeckten Offshore-Gaslagerstätten in Subsahara-Afrika, speziell in Mosambik, Tansania, Ghana, Sierra Leone und Mali. Diese eröffnen viele neue Geschäftsmöglichkeiten für die US-Industrien in den Sektoren Bohr- und Förderausrüstungen, Erdgastransport, Bau von Flüssiggasanlagen sowie Engineering-Leistungen. Hinzu kommen erhebliche bislang noch nicht abgebaute Lagerstätten mineralischer Ressourcen in zahlreichen Subsahara-Ländern, wie vor allem in der Demokratischen Republik Kongo, Tansania, Namibia und Sambia.

Wichtige Player und Initiativen

Die oben zitierte Erhebung des US-Handelsministeriums zu Handel und Investitionen in Subsahara-Afrika wurde veranlasst im Rahmen einer Initiative der Obama-Administration. Die „U.S. Strategy Toward Sub-Saharan Africa“ hat das Ziel der Stärkung demokratischer Institutionen und Beschleunigung des Wachstum von Wirtschaft, Handel und Investitionen. Zur Unterstützung der Initiative wurde eine sogenannte „Doing Business in Africa (DBIA)“-Kampagne als gemeinschaftliche Aktion aller beteiligten Regierungsbehörden gestartet, darunter vor allem: Handelsministerium, Außenministerium, U.S. Export-Import (Ex-Im) Bank, U.S. Trade Representative (USTR), U.S. Trade and Development Agency (USTDA), Overseas Private Investment Corporation (OPIC), U.S. Agency for International Development (USAID) sowie die Millenium Challenge Corporation (MCC).

Auf Grundlage der DBIA-Kampagne sowie weiterer Initiativen zur Ankurbelung der U.S.-Engagements in und mit Subsahara-Afrika wurde erstmals 2014 ein U.S.-Africa Business Forum (USABF) abgehalten, als Gemeinschaftsveranstaltung von Handelsministerium und der Gesellschaft Bloomberg Philanthropies. Auf dem Forum wurden insgesamt 33 Mrd. US-Dollar an neuen Finanzierungszusagen gemacht, darunter 14 Mrd. private Geschäftsabschlüsse. Auf der Folgeveranstaltung 2016 (2nd USABF) wurden weitere 9,1 Mrd. US-Dollar mobilisiert vor allem in den Sektoren Konsumgüter, Bauwirtschaft, Energie, Gesundheitswesen, Verarbeitungsindustrie, Telekommunikation und Transportwirtschaft.

Seit 2008, dem Beginn der Obama Administration, haben wichtige US-Behörden und Institutionen ihre Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent deutlich verstärkt. So hat das US-Handelsministerium neue Repräsentanzen in Angola, Tansania, Äthiopien und Mosambik eröffnet, seine Vertretung in Ghana erweitert und die Präsenz bei der African Development Bank (AfDB) wieder eröffnet. Diese Verbindungsbüros bei multilateralen Entwicklungsbanken – sogenannte U. S. Commercial Liaison Offices – unterstützen amerikanische Unternehmen bei der Teilnahme an Ausschreibungen der Banken. Die U.S. Trade and Development Agency (USTDA), die sich um die Förderung kommerzieller US-Interessen bei der Unterstützung von Entwicklungsprojekten kümmert, hat ein Büro in Nigeria eröffnet und auch ihre Arbeit in Kenia nach einer Unterbrechung wieder aufgenommen. Die USTDA unterstützt US-Unternehmen u.a. durch technische Beratung, Feasibility-Studien, Workshops u.Ä..

Die Overseas Private Investment Corporation (OPIC), die speziell private US-Engagements in Entwicklungs- und Schwellenländern durch Kredite finanziert und gegen politische Risiken absichert, hat Büros in Kenia, Südafrika und Côte d’Ivoire eröffnet. OPIC hat seit 2009 ihr Portfolio in Afrika verdreifacht, auf über 7 Mrd. US-Dollar in Finanz- und Versicherungsleistungen für Projekte vor Ort. Diese haben nach offiziellen Angaben über 14 Mrd. US-Dollar an zusätzlichen privaten Investitionen in wichtigen Schwerpunktsektoren wie etwa „Clean Energy“, Telekommunikation, Gesundheitsversorgung, Bildungswesen und Mikrofinanzinstrumente generiert. Eine weitere besondere Institution zur Unterstützung von Projekten in Entwicklungsländern, die Millenium Challenge Corporation (MCC), hat bisher 20 Projekte in afrikanischen Ländern mit einem zusammengefassten Investitionswert von 7,9 Mrd. US-Dollar abgeschlossen, was nahezu 70 Prozent ihres Gesamtportfolios entspricht.

Die US-Entwicklungshilfeagentur, U.S. Agency for International Development (USAID), hat seit 2008 mehr als 40 offizielle Berater nach Subsahara-Afrika entsandt, um Projekte für potenzielle Förderung im Rahmen der sogenannten „Power Africa“-Initiative zu identifizieren und technische Beratungsleistungen zur Verbesserung der Bedingungen für private Initiativen im Energiesektor bereitzustellen. Die Kampagne „Power Africa“ wurde 2013 gestartet in einer Koalition zwischen der US-Regierung und mehr als 130 Partnern aus dem privaten und öffentlichen Sektor und hat das erklärte Ziel, langfristig 30.000 MW an neuer, sauberer Energie in Afrika zu generieren und damit mindestens 60 Mio. neue Stromanschlüsse auf dem Kontinent zu ermöglichen. OPIC gehört zu den Hauptpartnern der Initiative und hat bis dato rund 2,1 Mrd. US-Dollar an Finanzierungs- und Versicherungsleistungen für insgesamt 22 Kraftwerksprojekte in verschiedenen Ländern Afrikas mit einer Gesamtkapazität von über 1.700 MW bereitgestellt. Nach Angaben von USAID wurden bisher von den über 100 privaten Partnern im Rahmen der Initiative insgesamt über 40 Mrd. US-Dollar an Projektzusagen für neue Produktionskapazitäten von insgesamt 16.000 MW (16 GW) zur Stromerzeugung bereitgestellt.

Ausgewählte Großinvestitionen von US-Unternehmen in Subsahara-Afrika

Stichwort Pan-Afrikanismus: Die Rolle der „Diaspora“

In der nach aktuellen Schätzungen fast 50 Millionen starken afro-amerikanischen Bevölkerung der USA besteht aus naheliegenden Gründen ein besonderes Interesse an den Beziehungen mit Schwarzafrika. Dies gilt vor allem für die Vertreter des sogenannten Panafrikanismus, die sich für eine Art weltweiten Interessenverband von Menschen mit afrikanischen Wurzeln einsetzen. Gleichzeitig lebt in den Vereinigten Staaten die größte sogenannte Diasporagemeinde von Afrikanern, die sich in eigenen Interessenverbänden organisiert und ebenfalls eine führende Rolle in allen staatlichen und privatwirtschaftlichen Initiativen zur Stärkung des amerikanischen Engagements in Subsahara-Afrika spielt. Damit setzen sich zwei starke Lobbygruppen für die Interessen Afrikas in Washington ein und bilden eine hervorragende Basis für die kontinuierliche Fortentwicklung der US-Afrika-Beziehungen, selbst wenn, so wie es derzeit den Anschein hat, die Unterstützung durch die Trump Administration vorübergehend ausbleiben sollte.

Kooperationschancen für deutsche Unternehmen

Bei den vielfältigen Aktivitäten der US-Industrie auf dem afrikanischen Kontinent bestehen in zahlreichen Sektoren Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit deutschen Firmen. Dies ist vor allem in den Bereichen Bergbau und Erdöl-/-gasförderung der Fall, wo Zulieferindustrien und Dienstleister benötigt werden. Wichtige Länder mit starkem US-Engagement in diesen Sektoren sind vor allem die Ölförderländer Nigeria und Angola sowie die Bergbauländer Tansania und Sambia. Ebenfalls Chancen für deutsche Zulieferer bestehen in den auch in Afrika wachsenden Branchen Kfz-Montage, speziell Nutzfahrzeuge, sowie Maschinenbau. In diesen Sektoren dürften vor allem die US-Engagements in Südafrika von Interesse für mögliche Kooperationspartner sein.

(Bildnachweise: 1xpert – Fotolia.com)

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