Drucken

Investment in Afrika: Frankreich und Großbritannien dominieren europäische Investitionen

Europas wirtschaftliche Beziehungen zu Afrika haben eine lange Tradition: Sie reichen zurück in die Epoche der Kolonisierung des „Schwarzen Kontinents“ im 19. Jahrhundert durch die führenden europäischen Seefahrernationen, darunter vor allem Großbritannien, Frankreich und Portugal. Die ehemaligen Kolonialmächte haben ihre Spuren in Afrika hinterlassen und spielen noch heute eine besonders starke Rolle als Investoren in ihren jeweiligen Einflussgebieten; diese haben die jeweilige Sprache der Europäer als allgemeine Verkehrssprache behalten und umfassen dementsprechend die anglophonen, frankophonen und lusophonen (portugiesisch-sprachigen) Länder Afrikas. Südlich der Sahara finden sich die anglophonen Länder vorwiegend im Osten, Süden und Südosten des Kontinents und die frankophonen im Westen, während die lusophonen Länder aus Angola im Südwesten, Mosambik im Südosten sowie dem kleinen Inselstaat São Tomé und Principe bestehen. Seit der Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonialgebiete werden jedoch zunehmend Engagements vor allem von Frankreich und Großbritannien auch über ihre traditionellen Einflussgebiete hinaus in Schwerpunktländern des Kontinents beobachtet.

Europäische Direktinvestitionen in Afrika

Nach dem Africa Investment Report 2016 (jährliche Veröffentlichung von „fDi Markets“ –  Online-Datenbank für Globalisierung der Financial Times) war Westeuropa 2015 mit 30,1 Mrd. US-Dollar die mit Abstand wichtigste Herkunftsregion von Kapitalinvestitionen. Dies entsprach rund 45 Prozent der gesamten Investitionszuflüsse in dem Jahr, gleichzeitig jedoch einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 38 Prozent. Im darauffolgenden Jahr 2016 wurde Westeuropa allerdings von Asien-Pazifik und Nahost auf den dritten Platz der wichtigsten Herkunftsregionen von Investitionskapital in Afrika verdrängt. Wie die Tabelle über die Hauptherkunftsländer von Direktinvestitionen nach Kapitalbestand zeigt, waren in den vergangenen rund zehn Jahren unter den „Top Ten“ allein vier westeuropäische Länder: das Vereinigte Königreich und Frankreich, mit weitem Abstand gefolgt von Italien und der Schweiz.

Unter den westeuropäischen Kapitalgebern sind vor allem Investoren aus Frankreich, dem Vereinigten Königreich sowie auch Italien sehr aktiv auf dem afrikanischen Kontinent, wie die untenstehende Tabelle der sogenannten Greenfield-Investitionen (Neuprojekte) der Jahre 2013 bis 2015 zeigt. Ein besonders starkes Jahr für EU-Engagements auf dem afrikanischen Kontinent war 2014. Dazu trugen hauptsächlich die rund 50 Neuvorhaben Frankreichs bei, schwerpunktmäßig vor allem in den Maghreb-Staaten Nordafrikas, ein traditionelles Einflussgebiet der Franzosen. Italienische Greenfield-Investitionen erhöhten sich vor allem drastisch im Jahr 2015, was unter anderem auf eine Reihe von staatlichen und privatwirtschaftlichen Initiativen in den Vorjahren zur Förderung der Afrika-Engagements der italienischen Industrie zurückzuführen ist. Für die Afrika-Investitionen Spaniens war 2013 ein Rekordjahr, wofür insbesondere einige Initiativen zur Förderung von Tourismusprojekten in Afrika hauptursächlich waren. Lebhaft waren 2014 und 2015 auch die Engagements der deutschen Industrie in Afrika, die sich (laut einem ifo-Forschungsbericht aus 2015, „Engagement der deutschen Wirtschaft in afrikanischen Staaten“) südlich der Sahara überwiegend auf Südafrika konzentrieren, mit weitem Abstand gefolgt von Mauritius, Namibia, Nigeria, Angola, Kenia, Ghana und Tansania.

Schon in den Jahren zuvor war eine lebhafte Investitionstätigkeit aus Großbritannien beobachtet worden, wie aus der Untersuchung einer Beratungsagentur von 2016 zu entnehmen ist („Overview of foreign direct investment in Africa„, King & Wood Mallesons). Danach war das Vereinigte Königreich auch 2013 das Investorenland mit den meisten Projekten in Afrika, 104 an der Zahl, im Wert von zusammen 4,6 Mrd. US-Dollar. Als wichtigste Sektoren werden Dienstleistungen, vor allem Business Services, Finanzdienstleistungen und Telekommunikation genannt. Unter den wichtigen Zielländern europäischer Investoren in Subsahara-Afrika ragt vor allem Nigeria hervor, das als bevölkerungsreichster Flächenstaat mit einem breit gefächerten Industriesektor besonders vielfältige Chancen für Investoren bietet.

Britische Wirtschaft in neuem „Scramble for Africa“?

Die führenden rund 100 an der Londoner Börse notierten, überwiegend britisch-stämmigen Unternehmen waren 2017 Ziel einer Kampagne der Aktivistenorganisation „War on Want“. Sie richtet sich gegen die sogenannte „neue kolonialistische Invasion“ des afrikanischen Kontinents, in der Kolonialzeit als „scramble for Africa“ bekannt. Nach Ansicht der Aktivisten reißen sich die Konzerne in aller Stille Afrikas Rohstoffe unter den Nagel – eine Kritik, der sich bislang vor allem chinesische Unternehmen ausgesetzt sehen. Nach dem Report „The New Colonialism: Britain’s scramble for Africa’s energy and mineral resources“ (weitere Einzelheiten unter: https://inews.co.uk/essentials/news/british-companies-leading-new-scramble-africa-control-raw-materials-worth-800bn/) kontrollieren diese Unternehmen afrikanische Rohstoffe im Wert von insgesamt 810 Mrd. britische Pfund (rund 747 Mrd. Euro). In der Kritik steht hierbei unter anderem ein neues Entwicklungshilfekonzept der britischen Regierung, an dem das Entwicklungsministerium, Department for International Development (DfID), gemeinsam mit dem Foreign Office beteiligt ist: Sogenannte High Level Prosperity Partnerships (HLPP) sollen vor allem für britische Unternehmen Investitionschancen in Afrika schaffen. Bislang wurden fünf Länder für diese Initiative ausgewählt – Angola, Côte d’Ivoire, Ghana, Mosambik und Tansania – und damit vorwiegend Länder mit neu entdeckten Öl- und Gasvorkommen.

Das DfID hatte für einen mehrjährigen Zeitraum (2015 bis 2017) einen besonderen Investitionsfonds im Umfang von 735 Mio. britische Pfund für die Commonwealth Development Corporation (CDC), die auf privatwirtschaftliche Projekte spezialisierte britische Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft bereitgestellt. Dies war die erste staatliche Kapitalspritze für die CDC seit rund zwei Jahrzehnten. Damit verbindet die britische Regierung das ausdrückliche Ziel, die Abhängigkeit armer Länder von Gebermitteln zu verringern.

Seit einigen Jahren richten britisch-stämmige internationale Unternehmen ihr Augenmerk auch auf die frankophonen Länder Westafrikas, von denen einige zu den größten Volkswirtschaften Subsahara-Afrikas gehören. Dazu zählen vor allem Côte d’Ivoire und Kamerun, die nach einer Untersuchung der Standard Chartered Bank („Francophone Africa a top destination for foreign investment“) zwischen 2003 und 2011 mit Investitionszuflüssen von 47 Mrd. US-Dollar rund 2 Prozent der gesamten Zuflüsse von Direktinvestitionen in Afrika auf sich vereinigten. Erleichtert werden internationale Engagements in der frankophonen Region durch die zunehmende Verbreitung von Englischkenntnissen sowie die Bestrebungen zur Diversifizierung der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland, das heißt Abbau der französischen Dominanz.

Frankreich strebt erweiterte Investorenrolle an

Frankreich strebt danach, seinen Einflussbereich auf dem afrikanischen Kontinent auszuweiten, über seine traditionellen Domänen in West- und Nordafrika hinaus. Vielfältige Strategien und Strategievorschläge zur Erreichung dieses Ziels sind niedergelegt in einem umfangreichen Dokument von 2013 im Auftrag des französischen Wirtschafts- und Finanzministers: A partnership for the future: 15 proposals for building a new economic relationship between Africa and France. Ein wichtiges Instrument zur Stärkung französischer Engagements in ganz Subsahara-Afrika ist der 2009 von der AFD (Agence Française de Développement) neu eingerichtete Investitionsfonds (Fonds d’Investissement et de Soutien aux Entreprises en Afrique/FISEA). Dieser Fonds stellt afrikanischen Unternehmen langfristige Kapitalmittel sowie auch technische Beratung zur Verfügung, im Umfang von jährlich 50 Mio. Euro, und soll hierbei verstärkt auch Partnerschaften mit französischen Unternehmen über die AFD-Finanzierungsgesellschaft Proparco unterstützen.

Anfang 2017 wurde ein weiterer privatwirtschaftlicher Investitionsfonds für französische Engagements in Africa eingerichtet, der French African Fund oder Fonds Franco-Africain (FFA), als erster Investitionsfonds zur Förderung von Klein- und mittelständischen Unternehmen sowohl in Afrika als auch Frankreich. Der Fonds wird gemanagt von AfricInvest, einer führenden panafrikanischen privaten Beteiligungsgesellschaft mit einem Kapitalstock von rund 1 Mrd. Euro und Niederlassungen in Frankreich sowie in sechs Ländern Nordafrikas (Algerien, Marokko, Tunesien) und Subsahara-Afrikas (Côte d’Ivoire, Kenia, Nigeria).

Kenia und Nigeria sind die zwei anglophonen Subsahara-Länder, die schon seit einigen Jahren im besonderen Fokus der Franzosen stehen. So wurde 2014 in Nigeria eine French-African Foundation for Growth ins Leben gerufen, eine Initiative der Franzosen mit dem Ziel einer Verstärkung ihrer Investitionsengagements in der bevölkerungsstärksten und größten Volkswirtschat Subsahara-Afrikas. In Kenia als Schwerpunktland der East African Community (EAC) sind die Franzosen zum zweitgrößten Geber nach China aufgestiegen, mit besonderen Engagements in den Sektoren Energie, Wasser und Sanitärwesen, Transportwirtschaft und Stadtentwicklung. Eine besondere Priorität der bilateralen Zusammenarbeit ist das höhere Bildungswesen und insbesondere die Förderung der französischen Sprache, die die am häufigsten unterrichtete Fremdsprache in dem anglophonen Land ist.

Noch unter der Hollande-Regierung wurde auf dem Pariser Klimagipfel 2015 eine Verdopplung der französischen Investitionen in erneuerbare Energien wie Wind, Solar und Wasserkraft sowie weitere Umweltschutzprojekte im frankophonen Westafrika und anderen afrikanischen Regionen angekündigt, auf 2 Mrd. Euro bis zum Jahr 2020. Bis dahin sollen auch die französischen Beiträge zur Bekämpfung von Wüstenbildung und weiteren Auswirkungen der Klimaveränderungen in Afrika auf 1 Mrd. Euro im Jahr verdreifacht werden.

Portugals besondere Beziehungen zu den ehemaligen Kolonien in Afrika

Die jährlichen Statistiken der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) zeigen, dass gerade die ehemaligen portugiesischen Kolonien in Afrika – Angola, Mosambik und das kleine São Tomé und Principe – zu den Ländern gehören, die seit einigen Jahren besonders viele Investoren aus dem Ausland anziehen, gemessen an der Bevölkerungszahl. Insbesondere Mosambik ist wegen umfangreicher Erdgasvorkommen und mineralischer Lagerstätten attraktiv für ausländische Konzerne. Die ehemalige Kolonialmacht Portugal ist bis heute der größte Investor in den alten Einflussgebieten, wo jeweils die Portugiesen auch die größte Gruppe ausländischer Arbeitskräfte stellen.

Die ehemaligen Kolonien waren vor allem in den zurückliegenden Krisenjahren beliebte Rückzugsgebiete für arbeitslose Portugiesen. So sind etwa in Mosambik rund 23.000 Portugiesen ansässig, in Angola sogar nach offiziellen Angaben rund 126.000 und nach privaten Schätzungen bis zu 200.000. Die Beziehungen zwischen Portugal und Angola sind besonders eng, vor allem mit der angolanischen Oberschicht, die ihrerseits als Großinvestor in Portugal auftritt.

EU-Initiativen für Afrika-Investitionen

Bereits seit rund zehn Jahren wird der EU-Africa Infrastructure Trust Fund (EU-AITF) als Instrument für gemeinsame Finanzierungen wichtiger Infrastrukturvorhaben in Subsahara-Afrika eingesetzt. Ziel ist es, für die breite Bevölkerung die Zugangsmöglichkeiten zu Energie, Transport, Wasser und Sanitäranlagen sowie Kommunikationsdiensten zu verbessern. Der Fonds fördert Investitionen in diesen Bereichen durch verschiedene Arten von Zuschüssen, kombiniert mit langfristigen Krediten von Entwicklungsbanken, und gilt als ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Europäische Union geht in den letzten Jahren vermehrt dazu über, Entwicklungshilfezuschüsse mit Kapitalmitteln des privaten Sektors zu kombinieren, vor allem um große Infrastrukturvorhaben in Afrika besser finanzieren zu können. Ein Beispiel hierfür ist der Energy Access Ventures Fund, der in Zusammenarbeit mit der französischen AFD und der britischen CDC speziell erneuerbare Energievorhaben in Ostafrika finanziert, darunter ein Geothermalkraftwerk und ein Windkraftwerk in Kenia. Ein weiteres Beispiel ist der von der EU unterstützte Electricity Access Fund, der von der privaten Pariser Investmentgesellschaft Astor Capital Partners gemanagt wird und mit Beteiligung der EIB (European Investment Bank) über mehrere Jahre rund 65 Mio. Euro in Klein- und mittelständischen Unternehmen investieren soll, mit dem Ziel, die Stromversorgung für rund 1 Mio. einkommensschwache Bevölkerungsschichten zu ermöglichen.

Eine weitere europäische Investitionsgesellschaft für Projekte in Subsahara-Afrika wurde 2016 mit einem Kapitalstock von 660 Mio. US-Dollar von drei Entwicklungsbanken errichtet (FMO Entwicklungsbank und Rabobank, Niederlande, sowie Norfund, Norwegen). Die neue Gesellschaft heißt Arise und soll speziell Kapitaleinlagen (Minderheitsanteile) in Finanzierungsgesellschaften von über 20 Ländern – darunter Kenia, Tansania und Sambia – ermöglichen. Diese setzen die jeweiligen Finanzanbieter in die Lage, Ausleihungen an lokale Klein- und mittelständische Unternehmen zu finanzieren.

(Bildnachweise: 1xpert – Fotolia.com)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.