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E-Commerce in Afrika – Teil 2: Wachstumstreiber

Im Lauf der letzten Jahre ist es zu erheblichen Kapitalinvestitionen von international renommierten Investmentfirmen in populäre afrikanische Internetplattformen gekommen. Blog:subsahara-afrika beleuchtet in einer Artikelserie grundlegende Aspekte des E-Commerce südlich der Sahara. Im Fokus des zweiten Teils: Treiber des afrikanischen Online-Handels.

100 Mio. US$ investierte der US-Hedgefonds Tiger Global Management in den südafrikanischen Online-Store Takealot. Aus Deutschland beteiligte sich Rocket Internet, hierzulande bekannt vor allem für den Internetmodevertrieb Zalando, mit 120 Mio. Euro am führenden nigerianischen Online-Kaufhaus Jumia. Solche Kapitalbewegungen deuten darauf hin, dass Experten der Branche in Afrika offensichtlich einen neuen Wachstumsmarkt für E-Commerce sehen. Tatsächlich soll nach Einschätzung von Branchenbeobachtern die Bedeutung des Onlinehandels in Afrika in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. So prognostiziert die internationale Consultingfirma McKinsey & Co für den Anteil von Online-Shopping an den Einzelhandelsumsätzen in den größten Ländern Afrikas bis 2025 eine Zunahme auf 10 Prozent, bei einem Online-Umsatz von insgesamt rund 75 Mrd. US$. Auch die US-Marktforscher bei Frost & Sullivan haben ein Wachstum der Online-Umsätze in Afrika von 8 Mrd. US$ 2013 auf rund 50 Mrd. 2018 vorhergesagt.

Steigende Kaufkraft, zunehmender Internetzugang und Vormarsch digitaler Technologien

Für diese Vorhersagen lassen sich vor allem für den Internethandel zwischen Unternehmen und Endverbrauchern (business to consumers, b2c) in der Tat
viele Argumente finden:

Wachsende Mittelklasse: In den meisten Ländern Subsahara-Afrikas werden die mittleren Einkommensklassen zunehmend zu einem Marktfaktor, wenn auch noch viel weniger verfügbares Einkommen als in Industrieländern für gehobenen Konsum vorhanden ist. Nach einer Untersuchung („Consumer-Class Conditions Index“, Frontier Strategy Group) sind die führenden afrikanischen Konsumentenländer Mauritius, die Seychellen, Südafrika, Botswana, Namibia, die Kapverdischen Inseln, Ruanda, Kenia, Ghana und Senegal.

Unzureichende traditionelle Shopping-Infrastruktur: Noch immer erfolgt die Versorgung der überwiegenden Bevölkerung Subsahara-Afrikas über die typischen „informellen“ Strukturen: den „Kiosk“ genannten Kleinladen oder den Verkaufsstand entlang der Straße. Nur allmählich entstehen in den einzelnen Ländern moderne Einkaufszentren, mit einem vergleichbaren Standard wie in Industrieländern. Der Trend breitet sich von Südafrika aus, mit zunehmenden Filialen der südafrikanischen Handelsketten in immer mehr Ländern des Kontinents. Dennoch bleibt das lokal verfügbare Angebot für den gehobenen Konsumenten der wachsenden Mittelschicht überall begrenzt, mit Ausnahme von Südafrika und eventuell noch Namibia mit der modernen Hauptstadt Windhuk oder auch Kenias Hauptstadt Nairobi. Unter dem Aspekt der mangelhaften Shopping-Angebote zählt der afrikanische Verbraucher mit einem gewissen verfügbaren Einkommen und gehobenen Ansprüchen sicherlich zu dem geeigneten Kundenkreis für Online-Shopping.

Zunehmende Internetanbindung: Bislang sind nach der letzten Internetnutzerstatistik (Stand: 31.12.2017) erst rund 35 Prozent der etwa 1,3 Mrd. Afrikaner mit dem Internet verbunden, verglichen mit einem globalen Durchschnitt von knapp 55 Prozent. Dies deutet in dem Bereich auf ein erhebliches Wachstumspotenzial für die Zukunft in Afrika hin, bezüglich der Internetanbindung über Festnetz sowie vor allem auch über Mobilnetze. So haben sich die Internetnutzer in Afrika laut internationaler Statistik (Internet World Stats) in den Jahren zwischen 2000 und 2018 um fast 10.000 Prozent erhöht. Und nach Angaben der jährlich erscheinenden Branchenprognose (Cisco Visual Networking Forecast, VNI) hat die Region Afrika/Nahost zusammengenommen derzeit die am schnellsten wachsende Internetnutzergemeinde der Welt mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 11 Prozent. In den nächsten fünf Jahren dürften in dieser Region rund 180 Mio. neue User hinzukommen.

Nach den Erfahrungen in der EU und anderen Industrieländern ist die wachsende Nutzung des Internets auch immer mit zunehmenden E-Commerce-Aktivitäten verbunden (siehe zum Beispiel „E-commerce statistics for individuals“ von Eurostat). Über eine aktive und leistungsfähige IT-Wirtschaft als gute Basis für wachsenden E-Commerce verfügen südlich der Sahara vor allem Südafrika, Mauritius, Kenia und Nigeria – auch wenn sich dies noch nicht in dem Ranking auf dem neu entwickelten E-Commerce-Index (B2C) der UNCTAD widerspiegelt, bei dem die afrikanischen Länder nur auf den hinteren Rängen zu finden sind.

Steigende Mobilfunkdurchdringung: Afrika gilt nach den vorliegenden Erhebungen von Branchenorganisationen als der weltweit am schnellsten wachsende Markt für mobile Telekommunikation mit ebenfalls rasant wachsender Verwendung von internettauglichen Smartphones: Diese werden für die Afrikaner in jüngster Zeit immer preiswerter und damit auch für breite Bevölkerungsschichten erschwinglicher (siehe etwa: www.itnewsafrica.com/2017/10/top-5-mid-range-smartphones-for-african-consumers. Im letzten Jahresbericht der internationalen Handelsorganisation GSM Association wird die Zahl der Handybesitzer in Afrika (mit einer oder mehreren SIM-Karten) auf derzeit rund 420 Mio. beziffert, was einer Mobilfunkdurchdringungsrate von 43 Prozent entspricht. Die einzelnen mobilen Anschlüsse (SIM-Karten) beliefen sich per Ende 2017 auf rund 730 Mio. und sollen bis 2020 die Marke von 1 Mrd. übersteigen. Im letzten Jahresreport der Jumia-Onlineplattform aus Nigeria wird die Zahl der Mobilanschlüsse auf dem Kontinent bereits für 2018 auf 960 Mio. geschätzt. Und bei Smartphones sagen die Experten von Jumia in ganz Afrika eine Zunahme von 380 Mio. im Jahr 2015 auf 540 Mio. bis 2020 voraus. Bereits jetzt werden laut Jumia knapp die Hälfte der Online-Käufe in den untersuchten 15 wichtigsten Ländern Afrikas vom Handy aus getätigt.

Soziale Medien boomen: Seit der ersten Social Media Week in Lagos 2012, der ersten derartigen Veranstaltung auf dem Kontinent, hat sich die Nutzung sozialer Medien in Afrika rasant ausgebreitet. Der Boom erinnert an die Revolution der Kommunikation in Afrika durch Einführung des Mobiltelefons in den 90er Jahren und stützt sich auch weitaus überwiegend auf die mobile Technik. Die sozialen Medien sind inzwischen fester Bestandteil des afrikanischen Alltags geworden, bei dem die Südafrikaner sogar weltweit führend sind: Nach Beobachtung von Marketingexperten (etwa der globalen Consulting-Agentur „We Are Social“) verbringen die Südafrikaner täglich rund 3,2 Stunden in sozialen Medien, verglichen mit einem globalen Durchschnitt von 2,4 Stunden. Afrikaweit ist die Zahl der Facebook-Nutzer seit 2009 explodiert, von damals rund 10 Mio. auf nunmehr 177 Mio., von insgesamt 453 Mio. Internetnutzern. Facebook hat in Afrika einen Anteil von gegenwärtig rund 75,5 Prozent, gefolgt von YouTube mit 16,3 Prozent, Pinterest mit 4,6 Prozent, Twitter 2,6 und Instagram 0,25 Prozent. Außerdem sind in den letzten Jahren Dutzende neue regionale soziale Netzwerke entstanden (Übersicht unter: www.oafrica.com/uncategorized/african-social-networks).

Lokale Bezahldienste für E-Commerce verbreiten sich: Die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Ausbreitung von E-Commerce in Afrika ist die flächendeckende Entwicklung zuverlässiger, sicherer und schneller Zahlungssysteme, die für Unternehmen und Kunden nutzerfreundlich zu handhaben und auch für grenzüberschreitende Transaktionen geeignet sind. Seit dem entscheidenden Durchbruch mit der Erfindung des „mobile banking“-Dienstes M-Pesa 2007 in Kenia sind weltweit nach letzten Angaben der Branchenorganisation GSMA (Groupe Speciale Mobile Association) bereits 271 einzelne mobilgestützte Zahlungssysteme in 93 Ländern entstanden. Ein grenzüberschreitender Online-Zahlungs-Provider für Kenia, Nigeria und Südafrika und einige weitere Länder ist African Payment SolutionsIn Afrika gehört ferner zu den populären Providern unter anderem DusuPay in Uganda, über den mobile Zahlungen in Kenia, Uganda, Tansania, Kamerun, Ruanda und neuerdings auch Ghana abgewickelt werden können. Eine weitere populäre integrierte Zahlungsplattform ist Flutterwave mit einem grenzüberschreitenden Zahlungssystem unter anderem für Kreditkartenhalter und Mobilbankkunden in verschiedenen afrikanischen Ländern. Ganz neu ist der Provider WeCashUp für mobile Zahlungstransfers in den Ländern West- und Zentralafrikas. Regelmäßige Informationen über die verschiedenen Online-Zahlungsmethoden in Afrika sind unter anderem von der Organisation Accounteer in ihrem Newsletter zu erhalten.

Dieser Artikel ist Teil 2 der Serie: E-Commerce in Afrika

(Bildnachweise: pixabay.com)

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