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Chancen für Anlagenbauer in Afrika: Traditionelle Bergbauländer weiterhin Top-Absatzmärkte

Die langsam, aber stetig wachsende Industrialisierung der Länder Subsahara-Afrikas machen diese Region mangels Eigenproduktion von Maschinen und Ausrüstungen auch weiterhin zu einem wichtigen Absatzmarkt für ausländische Hersteller. Welche Branchen und Länder bieten derzeit die besten Aussichten, welche Finanzierungswege und Kooperationsformen existieren? Im Fokus des ersten Artikels einer insgesamt zehn Beiträge umfassenden Serie steht der Bergbausektor im südlichen Afrika.

Im Fokus dieses Teils der Serie:

Südafrika: Hoher Modernisierungs- und Kapitalbedarf

Das südliche Afrika ist für den Bergbau die Haupterzeugerregion: Die 14 Länder der SADC (Southern African Development Community; einschließlich der Demokratischen Republik Kongo  und Tansania) produzieren nach Untersuchungen von Branchenexperten etwa zwei Drittel des Gesamtwerts der afrikanischen Bergbauexporte (Einzelheiten unter: www.gbreports.com). Wichtigstes Erzeugerland in dem Sektor ist Südafrika. Im dortigen Bergbau hat ein Umbruch begonnen, der mit erheblichen Investitionen in moderne Technologien verbunden ist. In diesem Bereich hinkt das Land noch erheblich hinter anderen führenden Bergbauländern weltweit hinterher. Die meisten Bergwerke arbeiten noch mit veralteten, hauptsächlich manuellen Methoden, was vor allem auf das noch bis vor kurzem verfügbare Heer an gering bezahlten Arbeitskräften zurückzuführen ist. Dies hat sich jedoch aufgrund der Lohnexplosion in den vergangenen Jahren geändert. In Planung oder im Bau befinden sich zur Zeit Projekte im Gold- und Platinbergbau mit einem Gesamtinvestitionswert von annähernd 5 Mrd. US-Dollar (Einzelheiten unter: www.gtai.de)

Südafrika ist ferner das einzige Land südlich der Sahara mit einer gut entwickelten eigenen Zulieferindustrie für den Bergbau (Marktanalyse kostenpflichtig angeboten unter: www.globaldata.com). Der Gesamtmarkt in diesem Sektor wird nach einer Prognose von US-Branchenexperten für 2019 auf 195 Mio. US-Dollar veranschlagt, ein Wachstum gegenüber 2018 um 5 Mio. (siehe dazu: www.export.gov). Hiervon werden rund 70 Prozent importiert. Die inländische Produktion in Höhe von 66 Mio. US-Dollar wird zu einem Drittel in die umliegenden Bergbauländer exportiert. In Johannesburg findet regelmäßig die führende Bergbaumesse Afrikas statt, der nächste Termin ist März 2020 (Informationen hierzu unter: www.miningtechafrica.com).

Für die US-Branche (Bau- und Bergbaumaschinen) ist Südafrika mit Abstand der wichtigste Markt in Afrika, mit einem Vielfachen an Umsatz als im zweitwichtigsten Markt (Ägypten). Bei Bergbauausrüstungen kommen die USA auf einen Marktanteil von über 20 Prozent (Prognose 2019: 41 Mio. US-Dollar, siehe dazu: www.export.gov). Der deutsche Importanteil in dem Sektor lässt sich nach einer jüngeren Auswertung von Importstatistiken auf maximal etwa 7 Prozent veranschlagen. Die namhaften deutschen Maschinenbauhersteller für den Bergbausektor sind zum großen Teil mit Niederlassungen in Südafrika vertreten (Einzelheiten dazu etwa unter: www.regionalenieuwbouwbeurs.nl). Südafrika zählt ferner zu dem Kreis der Länder, wo die Chinesen in den vergangenen Jahren in umfangreiche Extraktionsprojekte investiert haben (siehe dazu: https://im-mining.com). In den letzten Jahren hat sich der Sicherheitsstandard in den südafrikanischen Minen sichtbar verbessert, abzulesen an rückläufigen Unfallzahlen. Ebenso gibt es zunehmende Bemühungen der Betreiber, die Zerstörung der Umwelt durch Bergbauoperationen aufzuhalten. Allerdings werden von Umweltschutzverbänden die gesetzlichen Unklarheiten zum Ausweis von Schutzzonen („protected areas“) kritisiert, in denen die Vergabe von Bergbaukonzessionen im Prinzip verboten ist, allerdings mit staatlichen Ausnahmegenehmigungen ermöglicht wird.

In Angola hat die zurückliegende Wirtschaftskrise aufgrund des Ölpreisverfalls dazu geführt, dass zahlreiche geplante Projekte vorübergehend auf Eis gelegt wurden. Inzwischen kamen diese zum Teil wieder in Gang, wie das Vorhaben von Total, über ein Dutzend neue Bohrungen an zwei Stellen in Förderblock 17 vorzunehmen. Die kommerzielle Förderung dort ist für 2020 bzw. 2021 vorgesehen. Der neue Staatspräsident hat im Februar 2019 die Strategie der Regierung für die Konzessionsvergabe in der Erdöl- und Gaswirtschaft in den nächsten sechs Jahren herausgegeben (Einzelheiten unter: www.frontierenergy.network). Angolas nationale Erdölgesellschaft Sonangol hat nach eigenem Bekunden in den Krisenjahren 2015 bis 2017 einen Rückstau an nicht getätigten Investitionsausgaben in der Größenordnung von rund 5 Mrd. US-Dollar angehäuft. Außerhalb der Erdölwirtschaft sind Angolas reiche Mineralressourcen – hauptsächlich aufgrund des langen Bürgerkriegs – noch immer weitgehend unerschlossen. Dies gilt sogar für den Diamantensektor, wo das Land bereits jetzt zu den führenden Erzeugern der Welt gehört. Der neue Präsident hat für diesen Sektor strukturelle Reformen angekündigt, mit dem Ziel, die Transparenz vor allem auch für ausländische Investoren zu verbessern (Einzelheiten siehe unter: https://lucapa.com.au). Der staatliche Diamantenkonzern Endiama hat inzwischen diejenigen Diamantenvorkommen (Kimberlit- und Alluvial-Lagerstätten) bekanntgegeben, die ausländischen Investoren zugänglich sind. Das Bergbauministerium hatte bereits vor Antritt der neuen Regierung insgesamt 23 neue mittel- und langfristige Explorationsvorhaben in den Sektoren Diamanten, Gold, Phosphat, Eisenerz, Kupfer und Naturstein identifiziert. Ein Überblick über die in Angola engagierten nationalen und internationalen Bergbaugesellschaften findet sich unter: www.projectsiq.co.za.

In Mosambik, dem wie Angola ebenfalls lusophonen (portugiesisch-sprachigen) Land an der gegenüberliegenden Küste des Indischen Ozeans, befinden sich die größten Erdgasvorkommen Afrikas im Rovuma-Becken. Der italienische Öl- und Gas-Multi ENI hält genau wie ExxonMobil aus USA 25 Prozent an der Konzession für Block 4 im Rovuma-Feld. Für die Verarbeitung der ersten kommerziellen Produktion wird derzeit eine kleine Offshore-Gasverflüssigungsanlage (LNG-Anlage) gebaut. Zur Jahresmitte 2019 hat der US-Konzern Anadarko Petroleum Corp. grünes Licht für den Bau einer LNG-Anlage mit Exportterminal in Mosambik erteilt, ein Megavorhaben von 20 Mrd. US-Dollar und das bisher größte einzelne LNG-Projekt Afrikas. Das Vorhaben gilt als Meilenstein für die Entwicklung Mosambiks, eines der ärmsten Länder der Welt und gerade in diesem Jahr durch Krisen nach den Zyklon-Verwüstungen gebeutelt. Die Lage Mosambiks an der afrikanischen Ostküste soll die Versorgung von asiatischen und europäischen Märkten mit LNG ermöglichen. Im Bergbausektor steht der kommerzielle Anlauf des Mutamba-Mineralsandprojekts (Titan) in der Inhambane-Provinz bevor, eines der größten derartigen Vorkommen in Afrika. Engagiert in dem Großvorhaben ist die britische Savannah Resources gemeinsam in einem Konsortium mit der australischen Rio Tinto Group. Die indische Sunflag Group hat 2019 über ihre Tochtergesellschaft Sol Mineração Moçambique mit der Kohleförderung in der Tete-Provinz in Mosambik begonnen. Die britische Bergbaugesellschaft Xtract Resources hat die Ausbeute der Goldvorkommen in Zentral-Mosambik gestartet. Verarbeitet wird die Erzeugung in der nahegelegenen Anlage der südafrikanischen Omnia Group, die in der Provinz Manica an der Grenze zu Simbabwe eine Goldmine betreibt. Dieses Gebiet besitzt eine der reichsten Lagerstätten Mosambiks von Gold und Edelsteinen und steht entsprechend im Fokus ausländischer Bergbaugesellschaften.

Simbabwe: Nach langen Krisenjahren zurück in Afrikas Bergbauriege

Im benachbarten Simbabwe, das über die zweitgrößten Platinvorkommen Afrikas (nach Südafrika) verfügt, will die Regierung in Kürze zwei neue Investoren in diesem Sektor bekannt geben. Investitionsziele sollen zwei separate Platinminen westlich der Hauptstadt Harare sein. Die neue Regierung ist nach der jahrelangen Wirtschaftskrise darum bemüht, durch zusätzliche Einkommen aus dem Bergbauexport die Devisenknappheit im Land zu mildern. Im Platinbergbau in Simbabwe sind unter anderem die internationale Anglo American Platinum und Impala Platinum aus Südafrika engagiert. Das jüngste Megaprojekt in dem Bereich ist Simbabwes größte integrierte Platinabbau- und Verarbeitungsanlage mit Investitionen in der Größenordnung von 4,2 Mrd. US-Dollar. Betreiber der Anlage im Mhondoro-Ngezi Platingürtel westlich von Harare ist die Karo Mining Holdings aus Zypern in einem Joint Venture mit der Regierung. Zu dem Gesamtvorhaben gehören ebenfalls eine Kohlengrube und ein Kraftwerk als Zulieferer für die Platinoperation. Simbabwe zählt – wie auch im südlichen Afrika die Republik Südafrika, Sambia und Namibia – zu den Ländern, wo die Chinesen in den vergangenen Jahren in umfangreiche Extraktionsprojekte investiert haben (siehe dazu: https://im-mining.com). Der unter anderem in Simbabwe engagierte Anglo American Konzern zählt zu den internationalen Bergbaugesellschaften, die den meisten chinesischen Herstellern von Ausrüstungen den Status eines zertifizierten Lieferanten (certified supplier) gewähren.

Simbabwes Nachbarland Sambia ist der traditionelle Kupferproduzent im südlichen Afrika. Rund ein Dutzend Bergbaugesellschaften sind in dem Land aktiv, worunter vier als die „Big Four“ bekannt sind und rund 80 Prozent der jährlichen Kupfererzeugung des Landes aufbringen: Barrick Lumwana, Tochter des weltgrößten Goldkonzerns Barrick Gold Corp. aus Kanada, sowie drei Joint Ventures der nationalen ZCCM Investments Holdings Plc (Zambia Consolidated Copper Mines) mit jeweils einem ausländischen Mehrheitseigentümer, nämlich FQM Kansanshi (First Quantum Minerals aus Kanada), Mopani mit der schweizerischen Glencore und Konkola Copper Mines (KCM) mit der indischen Bergbaugruppe Vedanta Resources. Auch die Chinesen sind in Sambia aktiv, in einem Joint Venture zwischen dem nationalen Kupferkonzen ZCCM und der chinesischen CNMC (China Nonferrous Metals Corporation). Nähere Informationen zum Bergbausektor, der Gesetzgebung, den in Sambia aktiven Unternehmen usw. sind verfügbar unter: www.zambia-mining.com. Neben dem traditionellen Kupfergürtel Sambias (Provinz Copperbelt), der am stärksten urbanisierten und am weitesten entwickelten Provinz, ist in den vergangenen zehn Jahren ein neuer „Kupfergürtel“ in der ländlichen und relativ wenig entwickelten Nordwestprovinz des Landes entstanden. Dort ist vor allem der Standort eines neuen Megaprojekts „Trident“, das eine Kupfermine (Sentinel Copper Mine) und eine Nickelmine umfasst und Investitionen in der Größenordnung von 2 Mrd. US-Dollar erfordert.

Botswana: Präferenzstandard zugunsten lokal beschaffter Ausrüstungen

Das kleine, reiche Diamantenland Botswana hat von jeher den Ruf, „klein aber fein“ zu sein, es ist mit seinen 2,3 Mio. Einwohnern und einem Pro-Kopf-Einkommen von 8.300 US-Dollar (Schätzung für 2019) Afrikas reichstes Land (vor Südafrika und Namibia). Neben Diamanten, die rund 85 Prozent der Exportdevisen einbringen, verfügt das Land noch über großenteils unerschlossene Vorkommen von Nickel und Kupfer, Natriumkarbonat (soda ash), Kohle, Gold, Silber, Halbedelsteinen und Granit, ferner Blei und Zink sowie Uran. Seit rund zehn Jahren bemüht sich die Regierung verstärkt um die Ansiedlung von Verarbeitungsunternehmen für die Mineralressourcen mit Hilfe von ausländischen Investoren. Hierfür wurden mehrere Sonderzonen  angelegt und ein sogenannter Diamond Hub errichtet mit den Schwerpunkten Roh- und geschliffenen Diamanten, Entwicklung einer Diamantenschmuckindustrie sowie unterstützende Gewerbe. Die De Beers-Gruppe verlegte inzwischen ihre Diamantensortier- und Verkaufsanlagen aus Großbritannien nach Botswana.

Seit 2014 besteht bei der nationalen Chamber of Mines ein gemeinsam mit der Regierung gegründetes Komitee zur Überwachung der Beschaffungen von Ausrüstungen. Hierbei wird den Unternehmen grundsätzlich von staatlicher Seite dringend empfohlen, bei lokal beschafften Produkten diesen Herstellern eine zehnprozentige Preispräferenz zu gewähren – auch wenn dies nicht verbindlich gesetzlich vorgeschrieben wird. Eine solche Präferenz zugunsten lokaler Anbieter gilt mittlerweile als genereller Industriestandard in Botswana. Die lokal angebotenen Ausrüstungen für den Bergbau konzentrieren sich nach Angabe von Vertriebsspezialisten eher auf leichtere, nicht spezialisierte Maschinen und Geräte wie etwa Schalter, Pumpen, Reinigungsgeräte und weniger auf schwere Ausrüstungen. Erfahrungsgemäß sind die Bergbaubetriebe in Botswana vor allem an qualitativ hochwertigen, langlebigen Industrieanlagen mit großzügigen Garantieleistungen interessiert und gelten als weniger preissensitiv als die meisten anderen Industriebetriebe des Landes. Die meisten Ausrüstungen für den Bergbau werden von Anbietern aus Südafrika geliefert, wobei es sich zu einem signifikanten Teil um Niederlassungen oder Vertreter von US-Unternehmen handelt. Die deutschen Lieferungen nach Botswana bestehen zu rund zwei Dritteln aus Elektrotechnik, gefolgt von Maschinen einschließlich Mess- und Regeltechnik mit zusammen rund 11 Prozent.

Im benachbarten Namibia hat die nationale Chamber of Mines den Bergbau zum Top-Wachstumssektor des Jahres 2018 erklärt, gestützt vor allem auf den Diamanten- und Uranabbau. Das Land generiert aus dem Bergbau, hauptsächlich von Diamanten, rund ein Viertel seines Bruttoinlandsprodukts (BIP). Neben Diamanten und Uran verfügt Namibia noch über Lagerstätten von Kupfer, Blei und Zink, Zement und Erdöl. Seit etwa zehn Jahren dürfen neue Konzessionen für strategische Mineralien nur an die neu gegründete staatliche Gesellschaft Epangelo Mining vergeben werden (Diamanten, Gold, Kohle, Uran, Kupfer und seltene Erden). Namibia produziert etwa 2 Prozent der weltweiten Diamantenerzeugung, womit das Land zu den acht größten Erzeugerländern der Welt gehört. Bei Uran steht das Land nach Angabe von Bergbauexperten inzwischen weltweit an sechster Stelle. Das kapitalmäßig größte Bergbauprojekt des Landes ist das Husab Uranium Project, das als zweitgrößte Uranmine der Welt gilt. Namibias Bergbaubetriebe verwenden nach Angaben der Chamber of Mines im Durchschnitt etwa 40 Prozent ihrer Erträge für die Beschaffung von Ausrüstungen. Dies sind im Jahr etwa 12 Mrd. namibianische Dollar, umgerechnet rund 840 Mio. US-Dollar oder 736 Mio. Euro.

(Bildnachweis: www.www.brandsouthafrica.com, Media Library, „Workers in Sasol Plant“)

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