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Chancen für Anlagenbauer in Afrika: Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen für expandierende Branchen

Die langsam, aber stetig wachsende Industrialisierung der Länder Subsahara-Afrikas machen diese Region mangels Eigenproduktion von Maschinen und Ausrüstungen auch weiterhin zu einem wichtigen Absatzmarkt für ausländische Maschinenbauer. Welche Branchen und Länder bieten derzeit die besten Aussichten, welche Finanzierungswege und Kooperationsformen existieren? Im Fokus des sechsten Artikels einer insgesamt zehn Beiträge umfassenden Serie steht der Markt für Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen.

Im Fokus dieses Teils der Serie:

West-/Zentralafrika: Mehr deutsche Präsenz würde Anlagengeschäft beflügeln

In Côte d’Ivoire, dem Schwerpunktland der westafrikanischen Frankophonie, zählt bereits seit Jahren die Agroindustrie mit der Verarbeitung lokal verfügbarer Agrarerzeugnisse zu den besonders dynamischen Industriezweigen, gestützt auf den wachsenden Bedarf an Nahrungsmitteln in der gesamten Region. In Kommentaren wird das Land gern als „Brotkorb Westafrikas“ bezeichnet. Für deutsche Anbieter von Ausrüstungen gehört die ivorische Nahrungsmittelindustrie zu den wichtigsten Abnehmerbranchen im Land. Côte d’Ivoire ist der weltweit größte Erzeuger von Kakao und zweitgrößter Produzent von Cashewnüssen. Außerdem gehört das Land zu den führenden afrikanischen Produzenten von Baumwolle, Kautschuk und Palmöl und ist Westafrikas größter Erzeuger von Robusta-Kaffee. Seit einigen Jahren werden vermehrt Investitionen in die Weiterverarbeitung von lokalen Anbauprodukten getätigt, wie unter anderem in den Bau von Mühlenanlagen für Kakaobohnen, von denen etwa ein Drittel der Ernte lokal verarbeitet wird. Hier sind die führenden Unternehmen die französischen Schokoladehersteller Barry Callebaut und Cemoi. Barry Callebaut hat im Frühjahr 2019 eine neue hochmoderne Kakaoverarbeitungsanlage in Abidjan eröffnet als Teil eines Fünfjahres-Investitionspakets von 30 Mrd. FCFA (rund 46 Mio. Euro). Auch Konkurrent Cemoi ist wie andere führende Kakaohändler derzeit dabei, die Verarbeitungskapazitäten zu erweitern. Im Kakaosektor ist ferner die deutsche GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) mit dem Programm „Pro Planteurs“ aktiv, zur Unterstützung der Farmer in nachhaltiger Produktion.

Auch im Palmölsektor setzen die führenden lokalen Produzenten ihre Investitionsprogramme fort, wie vor allem Palmci, Sania, Siat/Société d’investissement pour l’agriculture tropicale, Palmafrique, AWI/Africa West Industries und die israelische Dekel Oil. Bei der Zuckerrohrproduktion erweitern die Firmen Sucaf und Sucrivoir ihre Kapazitäten. Von Abidjan aus bedienen die deutschen Firmen Bayer und BASF zum Teil auch angrenzende Länder Westafrikas mit Agrartechnologie. In Abidjan findet die größte Landwirtschaft- und Nahrungsmittelmesse Westafrikas statt, die nächste im Dezember 2020 (West Africa agrofood – West Africa’s 7th International Trade Show – Agriculture, Food Processing / Packaging, Bakery & Confectionary Technology – Food & Hospitality).

In Senegal, dem zweiten Schwerpunktland des frankophonen Westafrika am äußersten Westzipfel des Kontinents, zählt die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zu den wichtigsten Verarbeitungssektoren des Landes. Die Haupterzeugnisse umfassen Zucker, Milche, Bier und Soft Drinks, Mineralwasser sowie ferner Mehl, Fischereiprodukte und Gemüsekonserven. Zudem ist Senegal einer der führenden Erdnussexporteure in der Region. Senegals Hauptstadt Dakar bildet neben Abidjan, Lagos/Nigeria und Accra/Ghana eines der großen Zentren für die Konsumgüterindustrie in Westafrika, in der die Nachfrage nach Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen stabil und wachsend ist. Besonders stark investiert wurde in den vergangenen Jahren nach Angaben lokaler Beobachter in den Bereichen Milchverarbeitung (unter anderem Arla Dano aus Dänemark), Wasser und Saft (Siagro/Société industrielle agroalimentaire), Soft Drinks sowie ferner Backwaren (Patisen), Geflügelprodukte (Sedima) und Speiseöl, Mayonnaise, Margarine usw. (Senico SA). Aufgrund der wachsenden Entwicklung moderner Einkaufszentren und Supermärkten sind die Anforderungen an die Qualität von Verpackungen gestiegen. Deutsche Zulieferer haben durchaus Chancen im Ausrüstungssektor, doch bislang sind keine Firmen vor Ort vertreten. Gleichzeitig gilt es jedoch als schwierig, ohne lokale Präsenz Informationen über Projekte und Investitionspläne der Firmen zu erhalten. In Dakar wird regelmäßig eine große Messe für die Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie veranstaltet, die „SeneFood & SenePack“, die das nächste Mal im März 2020 im Centre International du Commerce Extérieur du Sénegal in Dakar stattfindet.

Im zentralafrikanischen Kamerun wird der stetig wachsende Bedarf an Nahrungsmitteln durch hohes Bevölkerungswachstum gestützt, wobei die Eigenproduktion im Land hauptsächlich in Billigsegmenten wie Getränke, Back- und Süßwaren stattfindet. Zu den Unternehmen mit wachsenden Investitionen in Ausrüstungen zählen die Hersteller Broli (Nudeln) und Azur (Palmöl, Speiseöl, Seife). Für deutsche Anbieter von Nahrungsmittel und Verpackungsmaschinen stellt Kamerun den drittgrößten Markt nach Nigeria und Ghana dar (siehe dazu auch: www.gtai.de). Dennoch sind deutsche Anbieter nicht vor Ort vertreten, sondern bearbeiten den Markt teilweise vom benachbarten Nigeria aus. Dies gilt allerdings angesichts der Marktgröße und -vielfalt als nicht optimal, da vom kamerunischen Industriezentrum Douala aus auch die übrigen Länder der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (CEMAC) versorgt werden könnten, ein Markt von über 50 Mio. Konsumenten.

Größere Investitionspläne wurden vor allem von der französischen Somdiaa-Unternehmensgruppe für die Produktion von tierischen Nahrungsmitteln sowie Tierfutter bekannt, sodann von der UCB (Union Camerounaise de Brasseries), die 30 Mio. Euro für den Bau von weiteren Brauereien vorgesehen hat. Kamerun gehört ferner zu den afrikanischen Ländern, in denen die GIZ sogenannte Innovationszentren für die Agroindustrie gegründet hat, als Projekt des deutschen Entwicklungsministeriums. In Kamerun umfasste das Vorhaben verschiedene Modernisierungsvorhaben zur Steigerung von Produktion und Umsätzen im Kakaosektor sowie unter anderem beim Kartoffelanbau.

In Guinea in Zentralafrika hat sich für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ein wachsender Markt im Großraum der Hauptstadt Conakry entwickelt, wo eine zunehmende Mittelschicht mit steigender Kaufkraft den Unternehmen einen Anreiz für Investitionen in Ausrüstungen bietet. Teilweise werden von den nicht so finanzkräftigen Firmen billigere chinesische Ausrüstungen bevorzugt. Es  bestehen jedoch auch Chancen für deutsche Anbieter von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, vor allem bei den führenden Unternehmen wie etwa dem Marktführer in der Getränkeindustrie, der Brauerei Sobragui, oder der nationalen Unternehmensgruppe Sonoco – Société Nouvelle de Commerce. Die Sonoco hat Mitte 2019 einen Kredit von der International Finance Corp. (IFC) aus der Weltbankgruppe in Höhe von 25 Mio. US-Dollar (USD) erhalten, speziell um die Produktionsanlagen für Weizenmehl und Bouillonwürfel zu modernisieren.

Die Demokratische Republik (DR) Kongo gehört zu den Abnehmern von Maschinen vor allem in der Nahrungsmittelindustrie, die im Großraum der Hauptstadt Kinshasa – der größten Metropole Subsahara-Afrikas – angesiedelt sind. Allerdings befindet sich die Industrie noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium, da die lokale Verarbeitung von Agrargütern erst vor einigen Jahren begonnen hat. Zu den aussichtsreichen Sektoren für den Absatz von Ausrüstungsgütern gehören die Fleischverarbeitung, Geflügelfarmen, Großbäckereien, Süßwarenproduktion sowie die Getränkeindustrie. Für fast zehn Jahre hatte der Schweizer Nestlé-Konzern eine Präsenz in der DR Kongo und produzierte seine Maggiwürfel in einer 15-Mio-Dollar-Fabrik, kam jedoch nicht aus der Verlustzone und schloss seine Tore Anfang 2018. Auch die niederländische Heineken-Brauerei besitzt eine kongolesische Tochter, die in Schwierigkeiten geriet und eine umfassende Umstrukturierung ankündigte. Zu den führenden lokalen Marken im Nahrungsmittel- und Getränkesektor hat sich in den letzten knapp 20 Jahren die African Food and Beverages / AFB aus der Zenufa-Unternehmensgruppe emporgearbeitet und ist der führende Hersteller von Mineralwasser, Softdrinks und alkoholischen Getränken im Land geworden.

Nigeria und Ghana: Nahrungsmittel und Getränke profitabelste Industriezweige

Im größten und bevölkerungsreichsten Flächenstaat Subsahara-Afrikas, Nigeria, gehört die Nahrungsmittelindustrie zu den profitabelsten Industriebranchen mit einem geschätzten Gesamtwert von 3,2 Mrd. USD. Vor allem das Segment Fast Food gewinnt hierbei zusehends an Bedeutung. Als wichtiger Konsumententrend gilt unter anderem die verstärkte Nachfrage nach verpackten Waren und bekannten Marken, wobei die Verpackung neben ansprechendem Design immer auch eine Schutzfunktion erfüllen muss. Weiter steigende Investitionen hat unter anderem die führende TGI-Unternehmensgruppe angekündigt. Kleinbetriebe für die Herstellung von Lebensmitteln sind über das ganze Land verteilt, genannt FMCG – Fast Moving Consumer Goods. Etwa 15 Konzerne gehören zu den Top-Markenherstellern in dem Sektor: Nestlé Nigeria (Cerealien, Mineralwasser, Tierfutter), Unilever Nigeria (Blue Band Margarine, Lipton Tea, Gewürze), Flour Mills of Nigeria (Nudeln, Zucker, Mehl), Chi Ltd. (House of Chi – Getränke, Fast Food, Milchprodukte), Dufil Prima Foods (Indomie Noodles), Beloxxi Industries Ltd. (Biskuits), Dangote Group (Mehl, Salz, Zucker, Pasta), United Africa Co. / UAC Foods (Kuchen, Eiscreme), Dansa Foods Ltd. (Säfte, Mineralwasser), Deli Foods (Gebäck), Honeylands Foods Ltd. (Säfte, Softdrinks), Cadbury (Schokolade), Honeywell (Weizenprodukte), Leventis Foods (Großbäckerei) und Envoy Oil Industries (Öle zum Backen und Kochen). Der britische Investment Fund Duet hat für 50 Mio. USD Anteile am nigerianischen Softdrinkhersteller AJEast, eine Tochter der peruanischen AJE Group, erworben. Die Firma stellt seit 2018 Markengetränke wie vor allem „Big Cola“, „Big Orange“ und „Big Lemon“ in Lagos/Bezirk Ikeja her.

Im benachbarten, viel kleineren Ghana zählt die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zu den entwicklungsstarken und investitionsfreudigen Branchen. Die führenden Getränkehersteller Coca-Cola Beverages Africa und Accra Brewery Ltd. sowie auch die lokale Niederlassung von Unilever haben Investitionen zur Modernisierung ihrer Anlagen angekündigt. Deutsche Zulieferer in diesem Sektor sind traditionell gut im Geschäft, darunter seit 2018 auch über eine Firma mit lokaler Niederlassung (Krones). Der ghanaische Getränkeproduzent Kasapreko hat einen Kredit von 20 Mio. USD von der ghanaischen Eximbank für den Bau einer neuen Fabrik in Tanoso in der Ashantiprovinz erhalten, als Teil eines landesweiten Investitionsvorhaben der Regierung unter dem Motto „Eine Fabrik in jeder Provinz“. Zum Markt für Nahrungsmittelmaschinen und Logistik liegt eine aktuelle Studie der GTAI mit dem Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft in Accra vor: Ghana – Lebensmittelverarbeitungstechnik und -logistik, siehe unter: www.gtai.de.

Ostafrika: Industrieparks in Äthiopien – Geschäftsanbahnung Kenia / Tansania

In Äthiopien wurde mit der landesweiten Anlage von Industrieparks begonnen, in denen sich vor allem Unternehmen der Nahrungsmittelverarbeitung ansiedeln. Diese Entwicklung dürfte das Land zu einem neuen Zukunftsmarkt für Nahrungsmittelmaschinen machen. Die ersten beiden 2018 eröffneten modernen Industriezonen sind Jimma/Bundesstaat Oromia und Adama Industrial Park. Weitere Industrieparks sind geplant in Dire Dawa, Klinto II, Bole Limi II, Bahir Dar und Debre Birhan. In diesen Industriezonen soll in Zukunft auch für den Export produziert werden. In dem Zusammenhang ließ die Regierung verlauten, dass ab sofort die Nahrungsmittelverarbeitung strikter kontrolliert werden soll, um internationalen Standards zu entsprechen. Unternehmen, die gegen diese Regeln verstoßen, müssen mit der Stilllegung ihres Betriebs rechnen. Zu ersten derartigen Maßnahmen ist es bereits gekommen, unter anderem bei einer Nudelfabrik im Bundesstaat Tigray. Die Firma Ethiopian Lominat Beverages hat die offizielle Genehmigung für den Erwerb der staatlichen National Alcohol and Liquor Factory (NALF) für umgerechnet 128 Mio. USD erhalten. Das Interesse an dieser Ausschreibung war nach Berichten aus Addis Abeba mit nahezu 100 Bewerbern außergewöhnlich hoch, da die NALF immer als eines der profitabelsten Staatsunternehmen galt. Lominat baut nun eine neue Fabrik für alkoholische und sonstige Getränke in Mojo, 30 km außerhalb der Hauptstadt. Besonderer Bedarf besteht ferner an Jodsalz, zu dem nur etwa ein Viertel der äthiopischen Haushalte Zugang hat – ein Grund für den akuten Jodmangel von weshalb fast der Hälfte der äthiopischen Kinder. Die 15 lokalen Produzenten von Jodsalz haben sich in einem neuen Verband, Ethiopian Iodized Salt Producers Association, zusammengeschlossen, um gemeinsam zu expandieren.

Im führenden EAC-Land (East African Community) Kenia mit seinen vielfältigen Agrarressourcen ist die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie eine der wichtigsten Industriezweige des Landes, der jedoch einem steigenden Wettbewerb mit Importen ausgesetzt ist. Dabei spielt nicht zuletzt die stetig wachsende Mittelklasse eine Rolle, die zunehmend auch gut eingeführte Importmarken nachfragt. Seit einigen Jahren wird ein stetiger Rückgang der lokalen Erzeugung in dem Industriezweig beobachtet, zurückgeführt vor allem auf veraltete Anlagen und überholte Produktionsmethoden. Die Regierung hat 2019 zum Jahr der Wiederbelebung der Agrarindustrie erklärt. Entsprechend bleibt die Aussicht auf eine zukünftig wieder anziehende Investitionsbereitschaft in dem Sektor. Ein nennenswertes Erweiterungsvorhaben ist von Capwell Industries, einem der führenden Hersteller von Cerealien im Land, bekannt geworden, mit veranschlagten Investitionen von über 12 Mio. USD. Das Unternehmen strebt eine verbesserte Wettbewerbsposition in dem lukrativen Getreidemühlengeschäft an, das wegen veränderter Konsumentenpräferenzen für Weizen (anstelle von Mais) in den nächsten Jahren verstärkt wachsen dürfte. Im Sektor Ausrüstungen für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sind deutsche Hersteller seit Jahren im Geschäft in Kenia. Im Februar 2020 wird der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) mit der Abteilung Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen eine Delegationsreise nach Kenia und Tansania durchführen, im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministeriums geförderten Markterschließungsprogramms für KMU.

Im Nachbarland Tansania engagieren sich gegenwärtig die Chinesen im wichtigen Sektor Cashewnüsse, bei denen das Land mit 200.000 Tonnen (t) Jahresernte zu den weltweit größten Produzenten gehört. Es gibt in dem Sektor bisher neun größere private Unternehmen mit einer installieren Produktionskapazität von zusammen 26.500 t. Die erste Anlage der chinesischen Sunshine Industry soll 5.000 t pro Jahr verarbeiten.

Südliches Afrika: Lokale Verarbeitung im Aufwärtstrend

In Südafrika hat nach einer nachfragebedingten Flauteperiode die Verarbeitung von Nahrungsmitteln seit Jahresanfang 2019 allmählich wieder zugenommen, weshalb ab etwa 2020 eine erneute Belebung der Investitionstätigkeit erwartet wird. Eine der größten Hersteller von verpackten Nahrungsmitteln, Tiger Brands, wurde die Wiedereröffnung seiner Fleischverarbeitungsanlage genehmigt, die wegen Listerien-Verschmutzung geschlossen worden war. Das wohl gegenwärtig größte Investitionsvorhaben der Branche betrifft die südafrikanische McDonald’s-Franchise, die in den kommenden fünf Jahren landesweit 120 neue Restaurants mit Investitionen von umgerechnet 180 Mio. Euro eröffnen will. Gleichzeitig hat eine andere Kette, die South African Taste Group, die geplante Franchise-Erweiterung ihrer Restaurants Domino’s Pizza und Starbucks aufgrund der konjunkturbedingt schwachen allgemeinen Kaufkraft zunächst gestoppt. Bei neuen Investitionen der südafrikanischen Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie werden nach Hinweisen von Branchenbeobachtern vor allem sogenannte intelligente Produktionssysteme sowie moderne Verpackungskonzepte auf Recycling-Basis eine wichtige Rolle spielen. Südafrika verfügt über eine breit angelegte eigene Industrie für Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen (siehe dazu etwa: www.africanadvice.com). Dennoch werden regelmäßig in dem Sektor Maschinen importiert, wobei Deutschland – trotz vorübergehendem Einbruch der Lieferungen 2018 – nach Angaben der GTAI (Germany Trade and Invest) wichtigster Lieferant mit weitem Abstand vor Italien und China geblieben ist. Die Messe München veranstaltet in Johannesburg die Food & Drink Technology Africa mit Unterstützung des VDMA.

In Simbabwe geht es nach langen Krisenjahren mit der Nahrungsmittel- und Getränkeproduktion wieder aufwärts. Diese Branche ist ein zentraler Teil der inländischen Industrie und hat trotz der vergangenen schwierigen Zeiten noch immer eine breite Basis im Land. Einige internationale und regionale Markenkonzerne produzieren in Simbabwe, darunter Nestlé, Unilever, Innscor Africa Ltd. und United Refineries Ltd. (URL). Die Blue Ribbon Foods, eine Tochter der tansanischen Bakhresa Group, baut gerade eine neue Getreidemühle für 5 Mio. USD und hat eine Kapitalspritze von 21 Mio. USD von einem regionalen Investor erhalten. Als besonders widerstandsfähig auch in Krisenzeiten gilt Simbabwes Getränkeindustrie, mit den führenden Herstellern Coca Cola, Varun Beverages (Pepsi), Schweppes und Delta Beverages. Aufgrund des jahrelangen Devisenmangels und daraus folgenden der Behinderung von Modernisierungsinvestitionen sind viele Anlagen veraltet (über 20 Jahre). Daher besteht großer Erneuerungsbedarf vor allem in klein- und mittelständischen Betrieben. Angekündigt wurde unter anderem der Ausbau der führenden Molkerei Dendairy. Coca-Cola hat ferner 2018 einen Dreijahres-Investitionsplan im Umfang von 65 Mio. USD bekannt gegeben.

Im benachbarten portugiesisch-sprachigen Mosambik erhält gegenwärtig der Kaffeesektor finanzielle Unterstützung von Italien über die UNIDO (United Nations Industrial Development Organization) für Anbau und Verarbeitung von Kaffee in der Provinz Cabo Delgado. Partner in Mosambik für das Projekt sind die italienische Kaffeefirma Illy und die Ernesto Illy foundation.

Die Regierung von Angola, dem südlichen Ölförderland und zweiten portugiesisch-sprachigen Land der Region, will in Zukunft die Abhängigkeit des Landes von Nahrungsmittelimporten verringern. Daher dürfte es sich für Anbieter von Ausrüstungen lohnen, diesen Sektor zu beobachten, da mehr neue Projekte im Nahrungsmittel- und Getränkesektor zu erwarten sind. Im benachbarten Namibia verfolgt die dortige Regierung das Ziel, in den nächsten zwei Jahren die lokale Fischverarbeitung anzukurbeln. Der Anteil der vor Ort verarbeiteten Fangquote soll von derzeit nur 10 auf zukünftig 40 Prozent gesteigert werden. Die größte Investition in jüngster Zeit in diesem Sektor ist die neue Fischverarbeitungsanlage der Hangana Seafood für umgerechnet 18 Mio. Euro in Walvis Bay, wo auch die Seaflower Pelagic Processing Company eine neue Anlage eröffnet hat. Außerdem hat die in dem Markt führende Tunacor Group dort ebenfalls mit dem Bau einer Fischverarbeitungsanlage begonnen.

Dieser Artikel ist Teil der Serie: Chancen für Anlagenbauer in Afrika

(Bildnachweis: www.www.brandsouthafrica.com, Media Library, „Workers in Sasol Plant“)

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