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Ranking: 50 Frauen und Männer, die Afrika nachhaltig beeinflussen

Das Wirtschaftsmagazin „The Africa Report“ ist Herausgeber des Rankings der „Top 50 Disruptors“ – der 50 Afrikanerinnen und Afrikaner, die die Entwicklung des Kontinents auf bahnbrechende Weise nachhaltig beeinflussen. Nicht nur in der Tech-Welt, auch im Wirtschafts- und Sozialleben und der Politik. Wer sie sind und woher sie kommen, lesen Sie hier.

Disruption ist nicht nur ein Buzzword aus der Technik- und Startup-Szene. Er lässt sich auch auf Menschen projizieren, die ihre Umwelt durch ihre Taten nachhaltig beeinflussen. Das Wirtschaftsmagazin „The Africa Report“ hat 50 Afrikanerinnen und Afrikaner identifiziert, die in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Technologie auf disruptive Art und Weise den Kontinent transformieren. Das Ranking basiert auf den Faktoren Innovation, Disruption und Einfluss und berücksichtigt, wie neu eine Idee ist, wie groß die Veränderung ist und wie viele Menschen davon betroffen sind.

Nigeria und Südafrika mit dem größten disruptiven Potenzial

Den für den Kontinent größten disruptiven Einfluss haben Nigerianer/innen und Südafrikaner/innen – sie sind mit acht bzw. sieben Vertretern in der Liste der „Top 50 Disruptors“ zu finden. Aus Ghana und Kenia kommen jeweils vier der 50 gelisteten, gefolgt von Äthiopien mit drei Listungen. Aus der Elfenbeinküste, Marokko, dem Sudan, Tansania und Togo sind jeweils zwei Vertreter unter den innovativsten Afrikanern. Mit je einer Listung sind auch die Länder Ägypten, Algerien, Angola, Kamerun, Kongo, Liberia, Libyen, Mali, Ruanda, Senegal, Simbabwe und Uganda im Ranking vertreten.

Die meisten der identifizierten Disruptoren kommen mit 17 Eintragungen aus der Politik, gefolgt von der Wirtschaft (15), der Zivilgesellschaft (10) und zuletzt aus der Technik (8).

Afrikanerinnen und Afrikaner, die den Kontinent nachhaltig verändern

Einige der wirtschaftlich, technologisch und politisch einflussreichsten Afrikanerinnen und Afrikaner stellen wir hier vor:

Der Nigerianer und reichste Mann Afrikas, Aliko Dangote, auf Rang zwei, baut seit 2016 eine Raffinerie in Lagos, deren Fertigstellung für Ende 2020 geplant ist. Die Produktion soll voraussichtlich 2022 in Betrieb gehen. Sie soll die jahrzehntlange Abhängigkeit des Landes von Rohöl-Exporten und Importen raffinierter Produkte beenden und Arbeitsplätze schaffen.

Der Drittplatzierte João Lourenço löste 2017 nach 38 Jahren José Edouardo dos Santos als Präsident in Angola ab. Seit seinem Amtsantritt räumt er in der Regierung auf und entlässt Familienmitglieder und Freunde seines Amtsvorgängers aus staatlichen Firmen und Ämtern.

Seit 1985 verwandelte Koos Bekker aus Südafrika auf Rang sechs Naspers, das seinen Ursprung im burischen Nationalismus hat, in das größte Medienunternehmen des afrikanischen Kontinents. Er gründete M-net, einen der ersten Pay-TV-Dienst außerhalb der USA und das Mobilfunkunternehmen MTN. Er ist auch verantwortlich für das Investment in Chinas Tencent, das den Konzern zum Global Player gemacht hat.

Das nigerianische Duo auf Platz 13 und 14 Bolaji Akinboro und Ken Njoroge, das hinter dem Fintech-Unternehmen Cellulant steht, kritzelte seine ersten Geschäftsideen auf eine Serviette. Cellulant bietet Zahlungslösungen für Jedermann – vom Kleinbauern bis zur Regierung – und arbeitet in 33 afrikanischen Ländern, wobei 94 Prozent der Kunden vorher noch nie Bankgeschäfte getätigt haben. Ihr größter Erfolg war die Ablösung des korrupten Netzwerks, das für die Verteilung der Agrarsubventionen zuständig war. Durch ihr E-Wallet-System erhält der Landwirt seine Düngemittelsubventionen direkt aufs Telefon und kann sie sich in einem Geschäft auszahlen lassen. In einer zweiten Phase sollen die Landwirte mit Banken vernetzt werden, um die Finanzierungslücke in der afrikanischen Landwirtschaft zu schließen.

Der Nigerianer Mitchell Elegbe auf Rang 15 ist Gründer und Geschäftsführer von Interswitch – dem Pionier in der Digitalisierung des bislang hauptsächlich auf Bargeld basierenden Zahlungssystems in Nigeria. Interswitch zählt über 500 Millionen Transaktionen monatlich. 2019 erwarb Visa eine Minderheitsbeteiligung an Interswitch, was dem Unternehmen den Status eines Einhorns einbrachte. Interswitch könnte für einige Zeit Afrikas einziges technisches Einhorn sein, da Jumias Wert gesunken ist. Der Börsengang von Interswitch steht noch aus.

Mit 28 Jahren hat der Nigerianer Iyinoluwa Aboyeji auf Rang 18 bereits mehrere erfolgreiche Startups mitgegründet, insbesondere Andela und Flutterwave. Sein Projekt Andela, das in die talentiertesten Software-Entwickler des Kontinents investiert, erlangte weltweites Interesse als bekannt wurde, dass Mark Zuckerberg das Projekt mit 24 Mio. US-Dollar unterstützt. Aboyeji hat auch die Future Africa Initiative ins Leben gerufen, die Gründern mit Kapital, Coaching und einer Community zur Seite steht. 

Auf Rang 20 ist die Südafrikanerin Bridgette Motsepe Radebe. Sie ist die führende schwarze Unternehmerin im Bergbau und Gründerin von Mmakau Mining. Sie ist auch Präsidentin der South African Mining Development Association sowie seit 2019 Mitglied des BRICS Business Council, das Handel und Investitionen zwischen den BRICS-Staaten stärken soll. Sie spricht sich gegen das kapitalistische Bergbaumodell und für eine vollständige Verstaatlichung aller Bergbaubetriebe mit fast 170.000 Mitarbeitern aus.

Der Nigerianer Onyeka Akumah auf Platz 24 gestaltet die landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten neu. Der Technologieunternehmer ist Mitbegründer und CEO von Farmcrowdy, einer landwirtschaftlichen Plattform, die Kleinbauern mit Investoren verbindet, um die lokale Lebensmittelproduktion anzukurbeln. Farmcrowdy erhielt nur einen Monat nach dem Start seine erste Angel-Investition in Höhe von 60.000 US-Dollar und kaufte kürzlich den Tiernahrungsspezialisten Best Foods.

Auf Rang 25 ist der Kenianer Peter Njonjo, CEO vonTwiga Foods, einem der erfolgreichsten Start-ups Kenias. Das Unternehmen bietet eine B2B-Plattform, um Produkte von 17.000 Obst- und Gemüse-Produzenten in 20 kenianischen Ländern mit Händlern zu vernetzen. Das Unternehmen expandiert im Konsumgütersegment und strebt eine kontinentale Expansion an, beginnend mit dem französischsprachigen Westafrika und Nigeria.

Die Südafrikanerin auf Rang 38, Basani Maluleke, ist Geschäftsführerin der African Bank und die erste schwarze Frau, die die Leitung einer Bank in Südafrika innehat. Sie setzt sich für mehr Frauen in Führungspositionen ein und unterstützt südafrikanische Studenten bei der Gründung. Als CEO änderte sie die Politik der Bank, sodass alle Südafrikaner die Möglichkeit haben, die besten Zinssätze zu nutzen – im Gegensatz zum traditionellen System, bei dem nur dann ein guter Zinssatz gewährt wurde, wenn man mehr als 100.000 Rand investiert hat.

Der Ghanaer Kamal Yakub auf Platz 39 hat das Uber für die Vermietung von Traktoren entwickelt. Wie in vielen afrikanischen Ländern kann sich die Mehrheit der ghanaischen Kleinbauern nicht leisten einen Traktor zu kaufen – sich einen zu leihen schon. Hier kommt Yakubs App Trotro Tractor ins Spiel. Sie vernetzt die Besitzer von Traktoren mit Landwirten, die temporär eine Landmaschine benötigen. Trotro Tractor expandiert nach Simbabwe, weitere Märkte sind geplant.

Der Ghanaer Nelson Boateng auf Rang 44 hat ein Patent für Plastiksteine angemeldet, die durch Zerkleinern und Schmelzen von weggeworfenem Plastik, gemischt mit Sand und rotem Oxid, hergestellt werden. Nelplast hat das Ziel, 70 Prozent der in Ghana täglich anfallenden Kunststoffabfälle in nützliche Produkte umzuwandeln. Die Pflastersteine, Fliesen und Dachziegel werden für Straßen und Gebäude im Großraum Accra verwendet. Nelplast berät auch Gründer, die Unternehmen im Recyclingsektor aufbauen möchten und wird unterstützt vom ghanaischen Umweltministerium.

Der Ägypter Ahmed Zahran auf Rang 50 ist Mitbegründer und Geschäftsführer von KarmSolar, des ersten privaten Solarunternehmens des Landes. KarmSolar verkauft Lizenzen zur Erzeugung, zum Verkauf und zur Verteilung von Strom an Verbraucher und speist Strom in das nationale Netz ein. Damit ist es der führende Anbieter von Solarenergie in Ägypten, der sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2035 42 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Ressourcen zu erzeugen. Der französische Konzern EDF kündigte Ende 2019 an bis zu 25 Mio. USD in das Start-up von Zahran in Kairo zu investieren.

Top-50 Disruptoren Afrikas
RangNameLandBereich
1Abiy Ahmed ÄthiopienPolitik
2Aliko Dangote NigeriaWirtschaft
3João Lourenço AngolaPolitik
4 & 5Nana Akufo-Addo & Alassane Ouattara Ghana & Cote d’IvoirePolitik
6Koos Bekker SüdafrikaWirtschaft
7Die unzähligen algerischen Demonstranten AlgerienGesellschaft
8Khalifa Haftar LibyenPolitik
9John Magufuli TansaniaPolitik
10Julius Malema SüdafrikaPolitik
11 & 12Joseph Kabila & Félix Tshisekedi Kongo DRWirtschaft
13 & 14Bolaji Akinboro & Ken Njoroge NigeriaWirtschaft
15Mitchell Elegbe NigeriaWirtschaft
16Bobi Wine UgandaPolitik
17Pascal Agboyibor TogoWirtschaft
18Iyinoluwa Aboyeji NigeriaTechnik
19Anas Aremeyaw Anas GhanaGesellschaft
20Bridgette Motsepe Radebe SüdafrikaWirtschaft
21Herbert Wigwe NigeriaWirtschaft
22Adnan Abu Walid al-SahrawiBurkina Faso, Mali, NigerPolitik
23Strive Masiyiwa SimbabweWirtschaft
24Onyeka Akumah NigeriaTechnik
25Peter Njonjo KeniaTechnik
26Eliud Kipchoge KeniaGesellschaft
27Moustapha CisseSenegalTechnik
28Alaa Salah SudanPolitik
29Mohamed Hamdan Dagalo ‘Hemeti’ SudanPolitik
30Shamila Batohi SüdafrikaPolitik
31Eleni Gabre-Madhin ÄthiopienTechnik
32Touria El Glaoui MarokkoGesellschaft
33Henry Costa LiberiaGesellschaft
34Oluseun Onigbinde NigeriaGesellschaft
35Zingiswa Losi SüdafrikaPolitik
36Jawar Mohammed ÄthiopienPolitik
37Noordin M. Haji KeniaPoltik
38Basani Maluleke SüdafrikaWirtschaft
39Kamal Yakub GhanaTechnik
40Mehdi Tazi MarokkoWirtschaft
41Zitto Kabwe TansaniaPolitik
42Agnes Kalibata RuandaGesellschaft
43Caster Semenya SüdafrikaGesellschaft
44Nelson Boateng GhanaTechnik
45Kako Nubukpo TogoGesellschaft
46Bibi Bakare-Yusuf NigeriaGesellschaft
47Edwin Macharia KeniaWirtschaft
48Tiémoko Assalé Côte d’IvoirePolitik
49Célestin Tawamba KamerunWirtschaft
50Ahmed Zahran ÄgyptenTechnik

Womit es die 50 Vertreter in das Ranking geschafft haben, lesen Sie hier im Artikel „Top 50 Disruptors“ des „The Africa Report“:

Top 50 Disruptors - Seite 1

(Bildnachweis: freshidea – Adobe Stock)

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