Drucken

Pressefreiheit: Afrika trotz Verbesserungen gefährlichster Kontinent für Medienschaffende

Die Reporter ohne Grenzen veröffentlichen jährlich eine Rangliste über die Lage der Presse- und Informationsfreiheit in 180 Ländern, darunter auch 53 afrikanische Staaten. Wie unabhängig ist Journalismus in Afrika? In welchen Ländern fällt freie Berichterstattung leichter, in welchen schwerer? Antworten finden Sie hier.

Corona schränkt Pressefreiheit weltweit ein

Laut Reporter ohne Grenzen (Reporters sans frontières, RSF) stehen Journalist*innen ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie weltweit so stark unter Druck wie selten zuvor. Informationssperren und staatliche Desinformation, willkürliche Festnahmen und Gewalt gegen die Presse schränkten die Pressefreiheit weltweit ein. Die Rangliste der Pressefreiheit 2021 zeigt, dass in 73 von 180 Ländern Journalist*innen weitgehend oder vollständig (rot bzw. schwarz eingefärbt auf der Weltkarte) sowie in 59 weiteren Staaten ernsthaft an ihrer Arbeit gehindert werden (orange). Demnach ist die Pressefreiheit in fast drei Viertel der Länder weltweit bedeutend behindert. In 36 Ländern wird die Situation für die Presse als „zufriedenstellend“ (gelb) und in lediglich 12 Staaten als „gut“ eingestuft (weiß).

Skandinavien nach wie vor weltweit führend 

Weltweit liegen nach wie vor die skandinavischen Länder auf den Spitzenplätzen. Norwegen ist zum fünften Mal in Folge auf Platz eins, Finnland landet wieder auf Rang zwei, während Schweden (3) und Dänemark (4) die Plätze tauschten. Rang fünf sichert sich Costa Rica, als mit Abstand bestplatziertes Land Lateinamerikas. Deutschland rutscht aufgrund der vielen Übergriffe auf Corona-Demonstrationen von Rang 13 auf 12 und damit von „gut“ auf nur noch „zufriedenstellend“.

Afrika trotz Verbesserungen gefährlichste Region weltweit

Insbesondere die Länder in Subsahara-Afrika haben sich auf der Rangliste der Pressefreiheit 2021 deutlich verbessert. Zwar haben 24 Staaten zusammengenommen auch 60 Ränge verloren. Dafür konnten 19 Staaten kumuliert 83 Ränge gewinnen und 10 Länder ihren Status halten. Damit ist der Kontinent 23 Punkte im Vergleich zum Vorjahr im Plus.

Nichtsdestotrotz bleibt Afrika der gefährlichste Kontinent für Medienschaffende. Von den 53 untersuchten Staaten sind 27 (21 im Vorjahr) rot oder schwarz gekennzeichnet, was bedeutet, dass Journalist*innen unter sehr schweren, teils lebensbedrohlichen Bedingungen arbeiten müssen. Darunter sind Länder wie Mosambik (108), Sambia (115), Nigeria (120), Tansania (124) und Simbabwe (130). Laut RSF bietet kein einziges Land in Afrika gute Bedingungen in Bezug auf die Pressefreiheit. Als „zufriedenstellend“ und damit die Top-6 Länder mit der größten Freiheit für Presse und Meinungsäußerung in Afrika bleiben unverändert zum Vorjahr Namibia (24), gefolgt von den Kapverden (27), Ghana (30), Südafrika (32), Burkina Faso (37) und Botswana (38).

Burundi, Seychellen, Sierra Leone und Mali mit deutlichen Verbesserungen 

Vor allem Burundi, die Seychellen, Sierra Leone und Mali schafften deutliche Verbesserungen aufgrund von rückläufiger Gewalt und Machtwechseln sowie der Abschaffung restriktiver Gesetze.

Burundi (Rang 147) hat 13 Ränge gut gemacht. Die Wahl des neuen Präsidenten im Mai vergangenen Jahres sowie die Freilassung von Vertretern des unabhängigen Senders Iwacu im Dezember, die mehr als ein Jahr lang willkürlich inhaftiert waren, haben die Bewertung verbessert.

Die Seychellen gestehen den Medien zunehmende Freiheiten zu, wodurch Fälle von Selbstzensur deutlich zurückgingen. Zudem hält der Staat regelmäßig Pressekonferenzen ab, bei denen alle Medienvertreter*innen zugelassen sind. Damit steigt der Inselstaat um elf Ränge auf Platz 52.

Sierra Leone klettert um zehn Plätze auf Rang 75. Das westafrikanische Land schaffte im vergangenen August ein 55 Jahre altes Gesetz ab, das Verleumdung und schlechte Presse unter Strafe stellte und damit willkürliche Verhaftungen von Medienschaffenden rechtfertigte.

In Mali ging die Zahl der Übergriffe auf Journalist*innen zurück, was den Aufstieg um 9 Plätze auf Rang 99 erklärt.

Eritrea und Dschibuti bleiben Schlusslichter

Auf der anderen Seite der Skala bleiben Eritrea (180) gefolgt von Dschibuti (176), Ägypten (166), Libyen (165), Äquatorialguinea (164) und Somalia (161) die gefährlichsten Länder für Medienschaffende. Rankingschlusslicht Eritrea hüllt sich nach wie vor in Schweigen über den Verbleib von elf Journalisten, die vor 20 Jahren verhaftet wurden.

Auch die Corona-Pandemie diente vielen Ländern als Vorwand, kritische Stimmen zu unterdrücken. Neue Gesetze gegen die Verbreitung angeblicher Falschnachrichten rechtfertigten Festnahmen und Berichterstattungsverbote. Allein zwischen 15. März und 15. Mai 2020 hat sich die Zahl der Verhaftungen und Übergriffe auf Medienschaffende in Afrika verdreifacht. Eines der Beispiele dafür ist ein vollständiges Berichtsverbot, verhängt durch den im März verstorbene Präsidenten Tansanias (Rang 124), der Corona für eine westliche Verschwörung hielt.

Weil er über überteuerte Medikamentenbestellungen berichtet hatte, wurde Investigativjournalist Hopewell Chin’ono in Simbabwe wochenlang inhaftiert. Simbabwe verliert vier Ränge im Index und landet auf Platz 130. Die Regierung der Komoren (Platz 84, -9) drohte der Journalistin Andjouza Abouheir mit Strafverfolgung, weil sie enthüllt hatte, dass es auf den Komoren nur keine Corona-Fälle gab, weil Proben nicht zur Analyse geschickt wurden.

Weitere Journalist*innen lebten im vergangegen Jahr gefährlich, weil sie über Demonstrationen bei Wahlen und soziale Unruhen berichteten. So häuften sich in Uganda (125) die Übergriffe während der Berichterstattung über die Wiederwahl von Präsident Yoweri Museveni, während in Nigeria (120, -5) seit 2019 drei Journalist*innen getötet wurden, während sie über Demonstrationen berichteten. Keines dieser Verbrechen wurde strafrechtlich verfolgt.

Die Liste mit dem Stand der Pressefreiheit in den Ländern Afrikas mit Auf- und Absteigern finden Sie hier:

RangLandRangänderungPunktzahl
24Namibia-119.72
27Kap Verde-220.09
30Ghana021.33
32Südafrika-121.59
37Burkina Faso123.17
38Botswana123.25
49Senegal-225.22
52Seychellen1125.66
57Madagaskar-328.24
59Niger-228.44
61Mauritius-528.74
62Malawi728.8
66Elfenbeinküste228.87
73Tunesien-129.53
74Togo-329.59
75Sierra Leone1029.61
84Komoren-930.65
85Gambia230.76
88Lesotho-231.61
94Mauretanien332.25
95Guinea-Bissau-132.68
98Liberia-333.36
99Mali933.5
101Äthiopien-233.63
102Kenia133.65
103Angola334.06
108Mosambik-435.39
109Guinea135.42
114Benin-138.18
115Sambia538.21
117Gabun438.6
118Kongo (Rep.)038.83
120Nigeria-539.69
123Tschad040.2
124Tansania040.69
125Uganda041.19
126Zentralafrikanische Republik641.92
130Simbabwe-443.12
135Kamerun-143.78
136Marokko-343.94
139Südsudan-145.78
141Eswatini (Swasiland)046.34
146Algerien047.26
147Burundi1347.57
149Kongo (Dem. Rep.)148.59
156Ruanda-150.66
159Sudan052.93
161Somalia255.47
164Äquatorialguinea155.67
165Libyen-155.73
166Ägypten056.17
176Dschibuti078.62
180Eritrea-281.45
Quelle: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/rangliste-2021

Der World Press Freedom Index der Reporter ohne Grenzen (RSF) erscheint seit 2002 jährlich. Mittels des World Press Freedom Index bewerten die RSF 180 Länder und Regionen nach dem Freiheitsgrad, den Journalisten bei ihrer Berichterstattung haben. Er stellt eine Momentaufnahme der Situation der Medienschaffenden auf Basis eines Vergleiches mehrerer Indikatoren wie bspw. Medienvielfalt, Unabhängigkeit der Medien, Qualität des Rechtsrahmens und Sicherheit der Journalisten, dar. In der Rangliste der Pressefreiheit 2021 wurden im Wesentlichen die Entwicklungen im Kalenderjahr 2020 berücksichtigt.

(Bildnachweis: Adobe Stock – archideaphot)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.