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Investmentreport: Ägypten Top-Investment-Destination in Afrika

Der World Investment Report dokumentiert Investmentströme weltweit. Der aktuelle Report zeigt, dass die Corona-Pandemie einen dramatischen Rückgang der weltweiten Investitionen um mehr als ein Drittel zur Folge hat. Wie sich die Investitionstätigkeit in Subsahara-Afrika darstellt und welche Länder am stärksten betroffen sind, lesen Sie hier.

Rückfall auf das Niveau von vor 15 Jahren

Auch in diesem Jahr liegt der Fokus des World Investment Report (2021) der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Investitionsströme weltweit. Die Investments variierten je nach Region erheblich. Am stärksten waren Entwicklungs- und Schwellenländer von den Folgen der Pandemie betroffen. Darunter die afrikanischen Märkte, die 2020 noch stärker betroffen waren als der Durchschnitt der Entwicklungsländer. Mobilitätsbeschränkungen und stagnierende Wirtschaften als Folge der Pandemie stürzten den Kontinent in die erste Rezession seit 25 Jahren.

Die ausländischen Direktinvestitionen (engl. foreign direct investment, FDI) nach Afrika gingen 2020 um knapp 16 Prozent auf knapp 40 Milliarden US-Dollar (USD) zurück – ein Niveau wie zuletzt vor 15 Jahren. Damit sind 2020 vier Prozent der weltweiten ausländischen Direktinvestitionen nach Afrika geflossen. Die Ankündigungen von Direktinvestitionen in Greenfield-Projekte, die für die Industrialisierungsaussichten in der Region entscheidend sind, gingen um 62 Prozent zurück. Insbesondere rohstoffexportierende Volkswirtschaften waren von Rückgängen betroffen.

Ägypten trotz Verlusten wieder Top-Investment-Destination in Afrika

Die Top-5 Empfängerländer ausländischer Direktinvestitionen waren 2020 mit knapp sechs Mrd. USD Ägypten, gefolgt von der Republik Kongo, die mit vier Mrd. USD Südafrika (3,1 Mrd. USD) überholt hat. Nigeria und Äthiopien kommen auf jeweils 2,4 Mrd. USD. Unter den attraktivsten Investmentländern haben Südafrika und Ägypten mit -39,4 und -35,1 herbe Verluste eingefahren. Äthiopien verliert sechs Prozent. Die Republik Kongo hat unter den Top-5 das größte Plus von knapp 20 Prozent verbucht, Nigeria ein leichtes Plus von 3,5 Prozent.

Niederlande bleibt mit leichtem Vorsprung Top-Investor in Afrika

Auf Basis der FDI-Bestandsdaten aus 2019 bleiben die Niederlande mit 67 Mrd. USD der größte Investor auf dem afrikanischen Kontinent, mit einem nur noch hauchdünnen Vorsprung vor Großbritannien (66 Mrd. USD) und Frankreich (65 Mrd. USD). Die Niederlande haben im Vergleich zu 2018 12 Mrd. weniger auf dem afrikanischen Kontinent investiert, während Großbritannien (+17 Mrd. USD) und Frankreich (+12 Mrd. USD) ihre Investments ausgebaut haben. China zieht mit 44 Mrd. USD knapp an den USA (43 Mrd. USD) vorbei und belegt nun Platz 4 in den Top-10 der größten Investoren. Deutschland ist nach einem kurzen Aufenthalt in den Top-10 in der letzten Ausgabe, dieses Jahr nicht mehr unter den größten Investoren Afrikas. Einen Beweis für verstärkte innerafrikanische Investitionstätigkeit liefert Mauritius mit dem Einstieg in die Top-10 mit Investments in Höhe von 37 Mrd. USD. Auch die Schweiz ist mit 15 Mrd. USD neu in den Top-10.

Zentralafrika einzige Region mit leichten FDI-Zuwächen

Subsahara-Afrika zog 2020 insgesamt 30 Mrd. USD Investitionen an und verlor damit 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Westafrika konnte unter dem Strich leicht höhere Investitionsvolumina erreichen. Nigeria verbessert sich trotz signifikant gesunkener Ölpreise und Pandemiefolgen von 2,3 auf 2,4 Mrd. USD. Das ist vor allem auf eine besser diversifizierte Wirtschaft zurückzuführen. Wichtige nicht ressourcengetriebene Projekte waren unter anderem der Bau einer Produktionsstätte des kenianischen Lebensmittelherstellers Ariel Foods in der Lekki Freihandelszone. In der gleichen Region pumpte das chinesische Bauunternehmen aus der Kommunikationsbrache 211 von insgesamt 629 Mio. geplanten USD in den Lekki Tiefseehafen.

Der Senegal konnte aufgrund von Kapitalanlagen in der Energiebranche seine Investmentsumme um knapp 40 Prozent auf 1,5 Mrd. USD steigern. Mauretanien gewann aufgrund einer Investition aus China mit einer Mrd. Investmentvolumen 10 Prozent dazu. Vor allem aufgrund von Zuflüssen aus anderen westafrikanischen Ländern stiegt auch in Togo die Investitionssumme – um fast das Doppelte auf 639 Mio. USD.

Einziger Verlierer in der Region ist Ghana, das aufgrund strikter Lockdown-Maßnahmen im ersten Halbjahr 2020 52 Prozent der Investitionseinnahmen verlor und damit auf 1,9 Mrd. USD fällt.

Zentralafrika ist die einzige Region in Subsahara-Afrika die 2020 leicht höhere Investments von 8,9 auf 9,2 Mrd. USD im Vergleich zum Vorjahr hat verzeichnen können. Sowohl die Republik Kongo (+19 Prozent) als auch die Demokratische Republik Kongo und Gabun (jeweils +11 Prozent) konnten FDI-Zuwächse verbuchen. Kongo (DR) zog Investments im Bergbausektor an, da die Nachfrage nach Kobalt, das für die Produktion von Smartphones und Autobatterien gebraucht wird, gestiegen ist. Tschad verlor lediglich zwei Prozent.

Ostafrika (6,5 Mrd. USD) und das Südliche Afrika (4,3 Mrd. USD) erhielten 2020 jeweils 16 Prozent weniger ausländischer Direktinvestitionen.

Äthiopien (2,4 Mrd. USD) verliert 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, trägt trotzdem zu mehr als einem Drittel zum regionalen FDI-Bestand bei und bleibt beliebtester Investitionsstandort in Ostafrika. Vor allem die Bereiche Fertigung, Agrobusiness und Gastgewerbe zogen Investoren an. Die Investitionstätigkeit in Uganda ist um 35 Prozent zurückgegangen, da Projekte im Ölgeschäft aufgrund der Pandemie stillstanden. Der FDI-Bestand in Tansania bleibt fast unverändert bei einer Mrd. USD. Somalia gewinnt 4 Prozent dazu.

Im Südlichen Afrika hat vor allem der Einbruch der Investitionen nach Südafrika um knapp 40 Prozent auf 3,1 Mrd. USD. den regionalen Schnitt nach unten gezogen. Das Land musste hohe menschliche und wirtschaftliche Verluste in Folge der Pandemie verkraften. Neben Südafrika hat auch Angola Verluste gemacht (-1,9 Mrd. USD). Mosambik hingegen hat 6 Prozent dazugewonnen.

Nordafrika erhielt 2020 insgesamt zehn Mrd. USD Direktinvestitionen. Damit verlor die Region 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ägypten allein verlor 35 Prozent, ist mit 5,9 Mrd. USD nach wie vor aber der Investitionsmagnet in der Region. Ein interessantes Investment außerhalb des Rohstoffsektors ist die Errichtung mehrerer Fabriken im Wert von 210 Mio. USD durch den chinesischen Smartphone-Hersteller Realme. Der Hersteller will den gesamten afrikanischen Markt bedienen.

Mit einem gut diversifizierten Investitionsportfolio trotzt Marokko der globalen Krise und vereinnahmt fast unverändert zum Vorjahr Investitionen in Höhe von 1,8 Mrd. USD. Algerien verliert 19 Prozent, Der Sudan verbucht ebenfalls ein Rückgang um 13 Prozent. Tunesien verliert 23 Prozent und vereinnahmt 2020 lediglich 652 Mio. USD.

Perspektivisch langsame Erholung auf Vorkrisenniveau

Auch wenn die Prognosen eine leichte Verbesserung der Investitionstätigkeit für 2021 vorhersagen, werden die Wirtschaften in Afrika u.a. aufgrund der langsam voranschreitenden Impffortschritte im weltweiten Vergleich hintenanstehen, so die UNCTAD. Im Gegenzug dazu soll der Handel in Afrika (8,4 %) schneller wachsen als im weltweiten Durchschnitt (8 %). Einige angekündigte Großprojekte könnten dem Kontinent 2022 zum Vorkrisenniveau verhelfen. MTN aus Südafrika hat beispielsweise Investitionen in Höhe von 1,6 Mrd. USD in das 4G-Netzwerk in Nigeria angekündigt. Der italienische Mineralöl- und Energiekonzern Eni plant den Bau einer Erdgasaufbereitungsanlage in Angola. Google kündigte an Glasfaserunterwasserkabel zu verlegen, die den gesamten Kontinent mit schnellem Internet versorgen sollen. Neben diesen Investitionen soll auch die Afrikanische Freihandelszone den innerafrikanischen Handel beflügeln und ausländische Investoren anziehen. Wie sich die FDI-Bestände tatsächlich entwickeln werden, hängt von der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents im Schatten der Pandemie, dem Impffortschritt sowie von der globalen wirtschaftlichen Situation ab.

Weitere Einzelheiten zur Investitionstätigkeit in Afrika (ab Seite 38) und weltweit lesen Sie im aktuellen World Investment Report (2021). Wie die Investments auf dem Kontinent im Vorjahr ausgesehen haben, ist dem Blog-Beitrag von Juni 2020 zu entnehmen: Investmentreport: Deutschland wieder unter den Top-10 in Afrika 

Der World Investment Report (2021) wird seit 31 Jahren von der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) herausgegeben. Er dokumentiert die Bestände ausländischer Direktinvestitionen weltweit sowie die Entwicklungen in der nationalen und internationalen Investitionspolitik.

(Bildnachweis: Fotolia – Sittinan)

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