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Wie Kenianer*innen ticken …

Welche Einstellung zum Leben, zur Familie oder zur Religion haben Kenianer*innen? Die World Values Survey befragt seit knapp 40 Jahren regelmäßig Menschen aus verschiedenen Ländern zu ihren Einstellungen und Werten. Im September 2021 wurden 1.266 Frauen und Männer aus Kenia befragt. Die Antworten geben Aufschluss über die Kultur des ostafrikanischen Landes.

Starke Mittelschicht und gutes Bildungsniveau

637 der befragten Kenianer*innen sind männlich, 622 weiblich, zwei gaben an, es nicht zu wissen und fünf machten zu ihrem Geschlecht keine Angabe. Bei der Frage nach der ethnischen Zugehörigkeit wurden 12 verschiedene Ethnien genannt. Die meisten, knapp ein Fünftel, gehören zu den Kikuyu, gefolgt von den Luhya (14,9 %) und den Kalenjin (12 %).

Etwa die Hälfte der befragten Kenianer*innen gaben an einen mittleren, knapp ein Viertel einen höheren Bildungsabschluss zu haben. 12,3 Prozent verfügen über einen Bachelor-, Master- oder Doktortitel. Das Gros von ihnen kann sich daher wohl auch zur Mittelschicht (57,1 %) zählen, immerhin vier Prozent zur Oberschicht. Nur knapp 27 Prozent gehören zur Unterschicht, 12,5 Prozent zur Arbeiterklasse. Schaut man auf den Beschäftigungsstatus, so sind der Großteil Selbstständig (35,2 %), abhängig beschäftigt in Voll- oder Teilzeit oder Arbeitslos (jeweils 23,9 %). Knapp 12 Prozent studieren.

Auch wenn die meisten Kenianer*innen zum Zeitpunkt der Befragung angegeben haben, sehr (50,1 %) oder ziemlich glücklich (32,8%) zu sein, und sich ihr Lebensstandard im Vergleich zum Lebensstandard ihrer Eltern im gleichen Alter verbessert (58,1 %) hat, machen sich knapp 70 Prozent Sorgen, ihre Arbeit zu verlieren oder keine zu finden. Etwa die gleiche Anzahl macht sich auch Sorgen, ihren Kindern keine gute Bildung ermöglichen zu können.

Nationalstolz und starke lokale Verankerung

84 Prozent der Befragten sind stolz darauf, Kenianer*in zu sein. Knapp 90 Prozent sind stark in ihrer dörflichen Gemeinschaft bzw. ihrer Stadt verwurzelt. Die meisten identifizieren sich zudem stark mit ihrer Region (82,6 %) und ihrem Land (77,8 %). Etwas mehr als die Hälfte sieht sich auch mit dem afrikanischen Kontinent (56,7 %) verbunden. Etwas weniger als die die Hälfe der Kenianer*innen allerdings würden sich als Weltbürger bezeichnen.

Junge Bevölkerung mit Familensinn

Das Gros der Befragten ist unter 34 Jahre alt (70,1%) und lebt in Singlehaushalten (20,9 %), gefolgt von Haushalten mit drei (16,2 %), vier (14,6%) oder zwei Personen (14,2 %). Mehr als jede/r Vierte lebt mit den Eltern oder den Schwiegereltern unter einem Dach. Die Frage nach dem Familienstand beantworten jeweils knapp 44 Prozent mit verheiratet oder alleinstehend. Etwa vier Prozent leben in eheähnlichen Verhältnissen, knappe 3 Prozent sind geschieden oder leben getrennt, zwei Prozent sind verwitwet.

Knapp 70 der Befragten sehen es als ihre gesellschaftliche Pflicht an, Kinder zu bekommen. Dennoch haben die Kenianer*innen in der Stichprobe im Durchschnitt 1,52 Kinder, was im afrikanischen Vergleich eher wenig ist. Das mag aber daran liegen, dass die meisten noch jung sind – knapp 60 Prozent unter 29 – und mehr als 40 Prozent noch keine Kinder haben. 46,1 Prozent haben ein bis drei Kinder, etwa 10 Prozent haben 4 bis 6 Kinder und 2,4 Prozent haben sogar 7 und mehr Kinder.

Die Familie steht für die meisten Kenianer*innen an erster Stelle (97,1 %). Knappe 95 Prozent der Befragten machen es sich zum Ziel, ihre Eltern Stolz machen zu wollen. Bereits bei der Erziehung wird dafür das Fundament geschaffen. Kinder lernen gutes Benehmen (90 %), Fleiß (81,3 %), Toleranz und Respekt (54,4 %) sowie Verantwortungsbewusstsein (41,9 %). Neben der Familie (97,1 %) ist Kenianer*innen ihre Arbeit (89,1 %) und ihre Religion (86,7 %) am wichtigsten. Freunde und Freizeit nehmen für nur etwa knapp die Hälfte der Befragten eine bedeutende Rolle ein.

Religion spielt zentrale Rolle

Wie in den meisten afrikanischen Staaten spielen Glaube und Religion eine zentrale Rolle in Kenia. Nahezu alle gaben an, an Gott zu glauben (99,4 %) und bezeichnen sich als religiöse Person (90,9 %). Mehr als die Hälfte der Befragten sind Protestanten (56,6 %), gefolgt von Katholiken (26 %), Muslimen (11,6 %) und Atheisten (2,1 %). Weitere kleinere Teile entfallen auf Juden, Orthodoxe sowie andere Glaubensgemeinschaften. Mehr als ein Drittel der Gläubigen besucht mehrfach die Woche einen Gottesdienst, 42,2 Prozent einmal die Woche. Tägliches (21,2%) oder gar mehrfach tägliches Beten (62,9 %) gehört für viele Kenianer*innen zur Glaubensausübung. Mehr als 80 Prozent glauben an ein Leben nach dem Tod und fast alle an den Himmel (90,4 %), aber nur 63,3 Prozent auch an die Hölle. Stehen Religion und Wissenschaft im Konflikt, dann hat Religion Vorrang, sagen 73,2 Prozent.

Skepsis im Umgang mit Mitmenschen und klare moralische Vorstellungen

Bei der Frage nach dem generellen Miteinander, sagen knappe 90 Prozent, dass man im Umgang mit den meisten Menschen vorsichtig sein sollte. Immerhin 9,5 Prozent sagen, dass man Anderen generell vertrauen kann. Mit knapp 80 Prozent schenken Kenianer*innen ihr volles Vertrauen der Familie. Weit abgeschlagen dahinter persönlichen Bekannten (21,6 %), Nachbarn (13 %) sowie Menschen anderer Religionen (9,3 %) oder Nationalitäten (6,6 %) sowie Unbekannten (4,3 %).

Unter den wenigen vertrauenerweckenden Nachbarn dulden Kenianer*innen keine Drogenabhängigen (83,3 %), Homosexuellen (73,1 %) oder Alkoholiker (62,6 %). Generell sieht knapp die Hälfte der Befragten Homosexualität (49,5 %) als unmoralisch an. Knappe 70 Prozent negieren zudem die Frage, dass gleichgeschlechtliche Paare ebenso gute Eltern sein können, wie Hetero-Paare. Zu den weiteren unmoralische Verhaltensweisen gehören für Kenianer*innen u.a. Selbstmord (51,7 %), Terrorismus (50,9 %) und Diebstahl (49,5 %) und politische Gewalt (48,3 %).

Welche Werte Kindern noch bei der Erziehung vermittelt werden und welche weiteren Verhaltensweisen Kenianer*innen als unmoralisch erachten, zeigt die nachfolgende Grafik.

 

Weitere Erkenntnisse zu den Einstellungen und Werten der Kenianer*innen sind in der Gesamtauswertung der Kenia-Befragung der World Values Survey zu finden.

Die World Values Survey ist eine seit 1981 in regelmäßigen Abständen von Soziologen durchgeführte Befragung von bis heute über 420.000 Menschen aus über 100 Ländern zu ihren Einstellungen und Werten und ihren Auswirkungen auf das soziale und politische Leben. 1.266 Kenianerinnen (622) und Kenianer (637) ab 18 Jahren wurden im Septmener 2021 für die World Values Survey befragt. Die hier vorgestellten Ergebnisse sind Teil der 7. Befragungswelle, die zwischen 2017 und 2021 durchgeführt wurde.

Weitere Informationen

(Bildnachweise: Pixabay.com)

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