Praxisspiegel Kamerun

Interview mit S. E. Dr. Klaus-Ludwig Keferstein, Botschafter der BRD

„Kamerunische Absolventen deutscher Hochschulen werden für bilaterale Geschäftsbeziehungen immer wichtiger“

S. E. Dr. Klaus-Ludwig Keferstein ist seit 2012 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Jaunde, mit Zuständigkeit für Kamerun und die Zentralafrikanische Republik. Er gibt Einblick in seine umfassende Kenntnis und Erfahrung mit der Geschäftskultur der Region, vor allem mit Blick auf die von deutschen Unternehmen zu beachtenden Besonderheiten.

Sehr geehrter Herr Botschafter, warum gibt es – im Vergleich mit den westafrikanischen Nachbarn Nigeria und Ghana – so wenig Präsenz deutscher Firmen in Kamerun? Liegt es eventuell daran, dass Deutsche sich aufgrund der deutschen Kolonialvergangenheit oder der Sprachbarriere hier schwerer tun?

Es stimmt tatsächlich, dass in Kamerun noch nicht viele deutsche Unternehmen vertreten sind. Die Sprache spielt als Barriere eine wichtige Rolle. Kamerun ist zwar offiziell zweisprachig und Verträge können grundsätzlich auch in englischer Sprache verhandelt und geschlossen werden. Allerdings haben französische Unternehmen in Kamerun wie in anderen Ländern des frankophonen Afrika lange eine dominierende Position eingenommen, gegen die in der Vergangenheit schwer anzukommen war. Und nicht zu vergessen: Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Kameruns war in den letzten Jahrzehnten auch im afrikanischen Vergleich wenig dynamisch, was das Land nicht in das Blickfeld deutscher Investoren gebracht hat.

Glauben Sie, dass ein deutsches Unternehmen eher bevorzugt oder benachteiligt würde im Geschäftsleben in Kamerun?

Ich würde nicht von einer generellen Bevorzugung oder Benachteiligung sprechen. Negativ wirkt sicher, dass es aufgrund der bisher schwachen Präsenz deutscher Unternehmen an einer Netzwerkbildung fehlt und dass es für Neuankömmlinge wohl nicht leicht ist, sich im hiesigen fremden Umfeld zurechtzufinden. Auch fehlt es dadurch an positiven Beispielen, die als Anreiz für andere Investoren wirken könnten. Andererseits genießen Deutschland allgemein und deutsche Produkte in Kamerun hohes Ansehen. Hinzu kommt ein positives Element, das in Zukunft sicher noch an Bedeutung gewinnen wird: die große Zahl kamerunischer Studenten in Deutschland, die mit etwa 6 500 die mit Abstand größte Gruppe unter den Ländern Subsahara-Afrikas bilden. Die meisten dieser Kameruner schließen ihr Studium erfolgreich ab. Viele davon als Ingenieure, aber auch als Mediziner. Anschließend arbeiten sie entweder in deutschen Unternehmen oder kehren nach Kamerun zurück. Schon jetzt ist erkennbar, dass die kamerunischen Absolventen deutscher Hochschulen für die bilateralen Geschäftsbeziehungen immer wichtiger werden. Und da das Interesse junger Kameruner an einem Studium in Deutschland weiter zunimmt, sehe ich hier großes Potenzial auch für eine künftig weit stärkere Präsenz deutscher Unternehmen in Kamerun.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit lokalen Mitarbeitern der Botschaft? Erleben Sie Konflikte zwischen beruflichen und privaten Verpflichtungen des einzelnen Mitarbeiters?

Wir haben ein gutes Team aus lokalen und entsandten Mitarbeitern hier an der Botschaft. Unsere lokalen Mitarbeiter sind häufig mit der Herausforderung konfrontiert, dass ihre Familien Ansprüche an sie stellen. Die Tätigkeit an der Botschaft gilt als etwas Besonderes, und für lokale Verhältnisse ist auch das Einkommen relativ gut, so dass im familiären Umfeld eine Erwartungshaltung entsteht.

Wie würden Sie die kamerunische Arbeitskultur – im Vergleich zu der deutschen Arbeitskultur – beschreiben? Gibt es Unterschiede zwischen franko- und anglophonem Landesteil?

Ich möchte mich an dieser Stelle vor Verallgemeinerungen hüten. Es gibt sicherlich Unterschiede, in der Art zu arbeiten, aber ich möchte es anderen überlassen, diese zu bewerten.

Welche Tipps würden Sie deutschen Unternehmensvertretern mit Blick auf die von Ihnen wahrgenommenen kulturellen Besonderheiten Kameruns geben? Worauf sollten Deutsche im Umgang mit Kamerunern besonders achten, um nicht in „Fettnäpfchen“ zu treten?

Ich glaube, die wichtigen Punkte sind im „Kulturprofil Kamerun“ in der Publikation sehr gut herausgestellt. Kameruner sind selbstbewusst; Paternalismus oder Signale von Überheblichkeit sind im Umgang mit ihnen unbedingt zu vermeiden.

Sie haben drei Jahre in Nairobi, Kenia, verbracht. Welche in dieser Zeit gemachten Erfahrungen haben Ihnen persönlich bislang in Kamerun ganz besonders geholfen?

Bei allen Unterschieden zwischen dem anglophonen und dem frankophonen Afrika ist es für mich natürlich wertvoll, dass ich bereits frühere Erfahrungen in Afrika sammeln konnte.

Welche Veränderungen oder wichtigen Entwicklungen für den privaten Wirtschaftssektor haben Sie in den letzten Jahren in Kamerun beobachtet?

Nach meinem Eindruck setzt sich die kamerunische Regierung inzwischen mehr dafür ein, passende Rahmenbedingungen für Investitionen und Geschäftstätigkeit zu schaffen. Schwierige Themen, wie Infrastrukturdefizite, Korruption oder ineffiziente Bürokratie, werden klar benannt und man versucht, Abhilfe zu schaffen. Auch gibt es ein neues Gesetz zur Förderung privater Investitionen. Sicher bleibt abzuwarten, ob die angestrebten und notwendigen Verbesserungen auch tatsächlich eintreten. Doch ist festzustellen, dass Unternehmen aus China, aber auch aus der Türkei und im Rohstoffsektor aus den angelsächsischen Ländern verstärkt in Kamerun investieren.

Ghana wird häufig als „Einstiegstor“ nach Westafrika bezeichnet. Was kann Kamerun deutschen Unternehmen als Sprungbrett bieten, die langfristig die gesamte Region im Blick haben?

Sicher sind die Länder, die sich in der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft CEMAC zusammengeschlossen haben, vergleichsweise klein und haben trotz der Ölproduktion bisher auch nur eine begrenzte Wirtschaftskraft. Doch sollte auch dieser Markt in der unmittelbaren Nachbarschaft zu Nigeria nicht vernachlässigt werden. Kamerun ist das wirtschaftlich bedeutendste Land des zentralen Afrikas und stellt mit Douala den Eingangshafen für die Binnenstaaten Tschad und Zentralafrikanische Republik. Deutschland und deutsche Unternehmen können hier auf ein hohes Maß an Sympathie setzen und finden mit den zahlreichen kamerunischen Absolventen deutscher Hochschulen ein „human capital“ vor, das den wirtschaftlichen Einstieg in die Region erleichtern kann.

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kamerun_kefersteinBotschafter Dr. Klaus-Ludwig Keferstein ist Diplom-Volkswirt und seit 1979 im Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik Deutschland. Seine außereuropäischen Einsatzländer waren USA, Venezuela, Brasilien, Argentinien sowie Kenia.
www.jaunde.diplo.de

 

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Dieses Interview ist im Praxisratgeber „Interkulturell kompetent unterwegs in Subsahara Afrika“ erschienen. Weitere Interviews zum Umgang mit ausgesuchten afrikanischen Geschäftskulturen sind zu finden auf der Seite zum Praxisratgeber unter „Kulturkompetenz„.

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