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Umfrage: Als Bürger kann man Korruption bekämpfen

Afrobarometer und Transparency International haben in einer breit angelegten Umfrage Afrikaner über ihre Erfahrungen mit Korruption befragt. Insgesamt wurden 43.143 Personen aus 28 Ländern südlich der Sahara angesprochen. Die Ergebnisse sind in dem Bericht „People and Corruption: Africa Survey 2015“ zusammengefasst.

Nach dem Bericht waren 2013 und 2014 schätzungsweise 75 Millionen Menschen in der Region von Korruption betroffen. Die zwischen März 2014 und September 2015 Befragten kamen aus Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, der Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Kamerun, Kap Verde, Kenia, Lesotho, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mali, Mauritius, Namibia, Niger, Nigeria, dem Senegal, Sierra Leone, Sambia, Simbabwe, Südafrika, Swasiland, Tansania, Togo und Uganda.

Korruption ist auf dem Vormarsch – mit wenigen Ausnahmen
58 Prozent der Befragten aus Subsahara-Afrika nahmen einen Anstieg der Korruption in ihrem Land wahr. Insbesondere in Südafrika hat sich die Lage verschlechtert, sagen 83 Prozent der befragten Südafrikaner. Auch die überwiegende Mehrzahl der Befragten in Sierra Leone, Nigeria, Liberia und Ghana schätzt die Korruptionslage negativ ein. Hingegen beobachten die Interviewten aus Burkina Faso, Lesotho und dem Senegal positive Entwicklungen und berichten von einem generellen Rückgang der Korruption.

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Mehr als die Hälfte der Regierungen scheitern im Kampf gegen Korruption
Keine Regierung hat sich nach Aussage der Befragten als besonders positiv im Kampf gegen Korruption hervorgetan. Von den 28 bewerteten Regierungen sind 18 im Korruptionskampf komplett gescheitert. Laut Umfrage sind Polizisten und Geschäftsleute am korruptesten. Im Vergleich mit vorherigen Befragungen ist zumindest die negative Wahrnehmung des privaten Sektors neu.

Jeder Fünfte ist mit Korruption konfrontiert
22 Prozent der Befragten, die in den der Befragung vorangegangenen 12 Monaten eine öffentliche Dienstleistung in Anspruch nahmen, haben Schmiergeld gezahlt. Vor allem in Liberia wurden die Menschen zur Kasse gebeten: 69 Prozent der befragten Liberianer gaben dies an.

Opfer von Korruption sind besonders arme Menschen. Sie sind doppelt so oft betroffen, als besser situierte. Des weiteren trifft Korruption Städter eher als Menschen, die in ländlichen Gegenden leben.

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Polizei und Gerichte sind am korruptesten
Laut Umfrage kommen unter den öffentlichen Institutionen Polizei und Gerichte am schlechtesten weg. Dieses Ergebnis deckt sich mit vorherigen Befragungen und zeigt, dass in Sachen Korruptionsprävention bei den für die öffentliche Ordnung wichtigsten Organisationen nach wie vor großer Nachholbedarf besteht.

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Als Bürger kann man Korruption bekämpfen
Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt daran, dass man auch als „einfacher“ Bürger zur Korruptionsbekämpfung beitragen kann. Laut ihnen begegnet man Korruption am effektivsten, in dem man Bestechungsaufforderungen ignoriert oder ablehnt und sie zur Anzeige bringt. Dennoch hat lediglich einer von zehn Betroffenen einen Korruptionsversuch zur Anzeige gebracht.

Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) bestätigt Umfrageergebnisse
Der Ende Januar 2016 von Transparency International herausgegebene Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 2015, der die im öffentlichen Sektor wahrgenommene Korruption in 168 Ländern misst, bestätigt die Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage. Seit 1995 befragt Transparency International Experten und bewertet die bei Politikern und Beamten wahrgenommene Korruption auf einer Skala von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption). Der durchschnittliche CPI-Wert für die Region liegt bei nur 33 Punkten. Trotz leicht spürbarer Verbesserungen haben 87 Prozent der 46 in Subsahara-Afrika untersuchten Länder weiterhin mit Korruption zu kämpfen – sie liegen unter der 50-Punkte-Marke. 2014 waren es noch 92 Prozent. Lediglich Botswana, Kap Verde, die Seychellen, Ruanda, Mauritius und Namibia liegen oberhalb dieser Marke. Senegal konnte im Vergleich zum Vorjahr die wahrgenommene Korruption am stärksten abbauen und macht 8 Plätze in der Rangfolge gut. Unverändert zum Vorjahr bleiben die Spitze und das Schlusslicht der Region – Botswana liegt an Rang 28 und Somalia auf Platz 167 der 168 insgesamt untersuchten Länder. Zum Vergleich: Deutschland belegt Rang 10.

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(Bildnachweis: © hin255 – Fotolia.com)

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