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2040: 950 Millionen Afrikaner haben Strom

Der erste Africa Energy Outlook analysiert die aktuelle Lage der Energieversorgung in Subsahara-Afrika und prognostiziert die Situation des Energiemarktes im Jahr 2040. Der Bericht beschreibt u.a., wie Investitionen in die Stromversorgung, verstärkte regionale Zusammenarbeit und besseres Ressourcenmanagement die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region fördern können.

Der Africa Energy Outlook (AEO) ist Teil der „World Energy Outlook„-Reihe der Internationalen Energieagentur, die sich in dieser Reihe mit dem AEO zum ersten Mal mit dem afrikanischen Kontinent auseinandersetzt. Der AEO wurde u.a. in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), der Afrikanischen Union sowie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erstellt.

Weniger als ein Drittel der Afrikaner südlich der Sahara haben Strom
Laut AEO ist der Energiebedarf in der Region Subsahara-Afrika zwischen 2000 und 2012 um 45 % gestiegen. Nigeria und Südafrika alleine sind für 40 % der gesamten Energienachfrage verantwortlich. Strom aus Biomasse macht mit 60 % das Gros des Energiemixes aus, gefolgt von Kohle (18 %), Öl (15%), Gas (4%) sowie den erneuerbaren Energien (2%). 2012 hatte Subsahara-Afrika eine Kapazität von 90 Gigawatt netzgebundener Energie, 45 % davon aus Kohle, 22 % aus Wasserkraft, 17 % aus Öl und 14 % aus Gas.ssa_zugang_elektrizitaet

Der Subkontinent ist reicht an Ressourcen. Fast 30 % der in den letzten fünf Jahren weltweit entdeckten Öl- und Gasvorkommen wurden hier gefunden. Dennoch verfügt die Region über eine unzureichende Energieversorgung. Nur etwas mehr als 290 der 915 Millionen Menschen haben Zugang zu Elektrizität. Diejenigen, die an das Netz angeschlossen sind, kämpfen mit hohen Strompreisen und instabiler Versorgung. Viele Privathaushalte betreiben zusätzlich kostspielige Notstromaggregate mit Diesel oder Benzin. Vereinzelt zu verzeichnende Bemühungen, durch Reformen und private Investitionen die Elektrifizierungsrate zu steigern, werden durch das schnelle Bevölkerungswachstum eingeholt. Zudem fließen zwei Drittel dieser Investitionen in den Export der Ressourcen.

950 Millionen Afrikaner erhalten bis 2040 Zugang zu Strom
Für die Zukunft prognostiziert der AEO für Subsahara-Afrika eine Vervierfachung des Wirtschaftswachstums, eine Verdoppelung der Bevölkerung auf 1,75 Milliarden und einen Anstieg des Energiebedarfs um 80 %. Die Energieerzeugungsleistung wird sich bis 2040 auf 385 Gigawatt vervierfachen, obwohl die heutige Kapazität mit 90 Gigawatt sehr niedrig ist. Die Hälfte der bis dahin zu erschließenden Energieressourcen wird dabei aus erneuerbaren Energien stammen. Bis 2040 sollen 950 Millionen Menschen Zugang zu Strom erhalten. Die Stadtbevölkerung wird am stärksten von einer zuverlässigeren und umfassenderen Stromversorgung profitieren. 70 % der Landbevölkerung wird weiterhin über Insel- oder netzunabhängige Lösungen mit Energie beliefert werden. Gesamtinvestitionen von über 200 Milliarden US-Dollar werden den Anteil der nicht an das Netz angeschlossenen Bevölkerung auf 15 % minimieren. Dennoch bleiben 530 Millionen Menschen weiterhin ohne Strom.

Vor allem aus Brennholz und Holzkohle gewonnene Bioenergie wird auch 2040 den Kern des Energiemixes in der Region ausmachen (Ausnahme: Südafrika). 80 % der Bevölkerung Subsahara-Afrikas ist auf die traditionelle Verwendung von fester Biomasse angewiesen. Obwohl sich um den nachhaltigen Umgang mit Holz und die Förderung effizienterer Kochherde bemüht wird, werden 2040 immer noch 650 Millionen Menschen mit Biomasse kochen.

Nigeria, das über die größten Ölressourcen verfügt, verliert u.a. aufgrund ineffizienter Regierungsführung und Öldiebstahl jährlich Öl im Wert von 5 Milliarden US-Dollar. Diese Ölmenge würde reichen, um alle Nigerianer bis 2030 flächendeckend mit Strom zu versorgen. Angola soll auch deshalb gute Chancen haben, Nigeria in den nächsten zehn Jahren als größten Rohölproduzenten zu überholen. Kleinere Produzenten wie der Südsudan, der Niger, Ghana, Uganda und Kenia treten bis 2040 auf den Plan. Insgesamt soll die Rohölproduktion in der Region, mit Ausnahme von Nigeria, aber zurückgehen.

Der Anteil an Erdgas am Energiemix soll mit einer jährlichen Gasfördermenge von 230 Milliarden Kubikmeter bis auf 11 % in 2040 steigen. Entdeckungen großer Gasvorkommen im Meer vor Mosambik und Tansania verlagern dabei den Fokus neuer Gasförderprojekte weg vom westafrikanischen Nigeria auf die Ostküste. Die Verwendung von Kohle zur Energiegewinnung, vornehmlich in Südafrika und Mosambik, wird aufgrund politischer Bemühungen um die Diversifizierung der Energieversorgung an Bedeutung verlieren. Der Kohleanteil wird von heute 90 % auf weniger als zwei Drittel in 2040 sinken.

Nur ein Fünftel der heutigen Stromversorgung Subsahara-Afrikas stammt aus Wasserkraft. Damit nutzt die Region lediglich 10 % des geschätzten technischen Potenzials. Neue Wasserkraftwerke in Kongo (DR), Äthiopien, Mosambik und Guinea sollen die durchschnittlichen Energieerzeugungskosten senken und so den Anteil ölbefeuerter Kraftwerke reduzieren. Andere erneuerbare Energien sollen, angeführt von der Solarenergie, einen zunehmenden Beitrag zur Stromversorgung leisten. Geothermie, insbesondere in Kenia und Äthiopien, wird zur zweitwichtigsten Stromerzeugungsquelle in Ostafrika. 2040 werden zwei Drittel der netzunabhängigen Systeme und Insellösungen in ländlichen Gegenden durch Sonne, Wasser oder Wind angetrieben werden.

3-Punkte-Plan zur flächendeckenden Energieversorgung der Region 
Subsahara-Afrika hat mehr als ausreichende natürliche Ressourcen, die alle Wirtschaften der Region flächendeckend mit Energie versorgen könnten. Demgegenüber stehen Herausforderungen wie das rasante Bevölkerungswachstum, die mangelhafte Infrastruktur, ein in vielen Ländern schwieriges Investitionsklima, schwache Regierungen und Institutionen sowie technische und politische Handelsbarrieren. Drei Maßnahmen sollen laut AEO die Entwicklung des Energiesektors vorantreiben und die Wirtschaftsleistung Subsahara-Afrikas bis 2040 um 30 % erhöhen:

  1. Zusätzliche Investments in die Energieversorgung in Höhe von 45 Milliarden US-Dollar, die Stromausfälle um die Hälfte senken und einen universellen Zugang zu Strom in Städten gewährleisten sollen.
  2. Die Vertiefung regionaler Zusammenarbeit und Integration, die neue Großprojekte und die Ausweitung des grenzüberschreitenden Handels fördern soll.
  3. Ein optimiertes und transparentes Ressourcen- und Umsatzmanagement zur effektiveren Nutzung der Öl- und Gaseinnahmen.

Weiterführende Informationen

Präsentation der Kernaussagen des „Africa Energy Outlook“

(Bildnachweise: „Mpumalanga province: The Kendal Power Station“: Graeme Williams – MediaClubSouthAfrica.com und www.iea.org)

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