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Interview: Der Eisenbahnbau macht gute Fortschritte

Die französische Bolloré Gruppe ist das nach eigenen Angaben führende Transport- und Logistikunternehmen auf dem afrikanischen Kontinent. Im Gespräch mit blog:subsahara-afrika gibt Wolfgang Busch, Afrika Business Development Director, Einblicke in die Transportinfrastruktur Afrikas und nennt die wichtigsten Gateways der Region.

Blog:subsahara-afrika: Die Transport- und Logistikbranche gilt als guter Indikator für den Zustand einer Wirtschaftsbeziehung. Wie laufen die Geschäfte mit Afrika derzeit?

Wolfgang Busch: Aus Sicht von Bolloré in Deutschland laufen die Geschäfte mit Afrika gut. Wir verzeichnen Jahr für Jahr ein gutes Wachstum im Bereich Afrika, jedoch ist das Engagement deutscher Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent immer noch sehr zurückhaltend. Eine Ausnahme bildet Südafrika, hier sind deutsche Unternehmen sehr gut etabliert.

Blog:subsahara-afrika: Man hört oft als Grund für das vergleichsweise sehr zurückhaltende Engagement deutscher Firmen in Subsahara-Afrika, dass die Transportzeiten und –kosten zu hoch sind. Zu Recht?

Busch: Verglichen mit Europa sind die Transportkosten innerhalb von Afrika hoch, dies hängt sowohl mit der teilweise mangelnden Infrastruktur als auch mit den meist langen Warteprozessen an Grenzen und Häfen in Afrika zusammen.

Blog:subsahara-afrika: Laut einem Report der Weltbank ist vor allem die Zollabfertigung eine der großen Hürden. Worauf muss man sich als deutscher Außenhändler einstellen?

Busch: Verzollungen in Afrika werden immer schneller und dank moderner IT-Anbindungen mit dem lokalen Zollsystem immer effizienter. Je nach Land bestehen jedoch immer noch sehr komplexe Zollprozesse und für viele Exporteure unsinnige Vorgaben. Oftmals hören wir Sätze wie „Wir exportieren in die ganze Welt, aber solch eine Vorgabe haben wir noch nie gehabt.“ Ein Exporteur oder Verlader sollte hier gute Vorarbeit zusammen mit seinem Logistics Service Provider leisten, da eine gute Dokumentation im Vorfeld die Verzollung enorm beschleunigt. Bei Bolloré Logistics verlässt keine Sendung Deutschland, wenn nicht alle Dokumente vorab von unserem Empfangsbüro geprüft und für gut befunden wurden. Wir begleiten unsere Kunden von Anfang an, stellen den Kontakt her zu Inspektionsfirmen in Deutschland und arbeiten sehr eng mit unserem Kunden bei Importlizenzen und Dokumentation zusammen.

Blog:subsahara-afrika: Die afrikanischen Regionalgemeinschaften wie COMESA, ECOWAS und SADC könnten durch die Integration ihrer Märkte dazu beitragen, u.a. den Waren- und Personenverkehr innerhalb ihrer jeweiligen Grenzen einfacher und kostengünstiger zu machen. Wie sieht es in der Praxis aus?

Busch: Momentan gilt dies nur für lokal hergestellte Produkte in den jeweiligen Regionalgemeinschaften. Das Ziel ist aber, langfristig einen freien Waren- und Personenverkehr zu etablieren, wie es bereits heute in der EU der Fall ist. Beim Personenverkehr wird dies teilweise heute schon gelebt. So kann man z.B. mit einem Visum innerhalb eines bestimmten Zeitraums von Tansania nach Kenia und Uganda reisen ohne zusätzliche Kosten.

Blog:subsahara-afrika: Von welchen aktuellen afrikanischen Transportinfrastrukturprojekten halten Sie am meisten?

Busch: Der Eisenbahnbau macht gute Fortschritte in West- und Ostafrika und das ist auch dringend von Nöten. Auf diese Art und Weise können Güter und Personen kostengünstig und umweltschonend reisen. Der Bolloré Konzern investiert stetig in eigene Eisenbahnlinien in Westafrika und bemüht sich um eine kontinuierliche Erweiterung und Modernisierung.

Blog:subsahara-afrika: An welchen Stellen der Transportkette erwarten Sie kurz- bis mittelfristig die stärksten Effekte?

Busch: Beim Ausbau der Häfen, Terminals und Eisenbahnen. Waren werden schneller von den Schiffen entladen und per Eisenbahn weiterbefördert. Kürze Liegezeiten der Schiffe und ein höherer Container-Umschlag sorgen für eine drastische Kostenreduzierung, die allen Beteiligten mittelfristig zu Gute kommt.

Blog:subsahara-afrika: In einem erst kürzlich mit der Deutschen Afrika-Linien geführten Interview erfuhren wir, dass die wichtigen südafrikanischen Häfen der Modernisierung benötigen. Wie steht es um den Zustand der Seehäfen südlich der Sahara?

Busch: Hier kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Bolloré investiert kontinuierlich in seine Häfen in Westafrika, um diese auf internationalen Standard zu bringen. Beispielsweise hat der von MPS – MPS ist ein Joint Venture zwischen APMT, GPHA und Bolloré – betriebene Hafen in Tema die höchste Umschlagskraft in Afrika und rangiert noch vor Kapstadt oder Durban.

Blog:subsahara-afrika: Welche Häfen sind die derzeit wichtigsten Gateways in die afrikanischen Märkte? Welche Hafenprojekte werden künftig eine große Rolle spielen?

Busch: Die bedeutendsten Häfen sind die Häfen in Dakar, Abidjan, Tema, Douala und Lagos in West- und Zentralafrika, Durban, Port Elisabeth und Maputo für das Südliche Afrika und natürlich die Häfen in Dar es Salaam und Mombasa für Ostafrika. Die Erweiterung des Hafens in Abidjan als auch in Tema sowie der Neubau eines Hafens in Kenia, in der Nähe von Lamu, sind wichtige Projekte der Zukunft.

Blog:subsahara-afrika: Die Bolloré Gruppe pflegt als französisches Unternehmen enge Beziehungen zu den ehemaligen Kolonien Frankreichs in Afrika. Warum tun sich deutsche Firmen so schwer in den frankophonen Märkten des Kontinents?

Busch: Deutsche Firmen bereisen den afrikanischen Kontinent sehr selten oder lassen sich vor Ort von lokalen Agenten vertreten. Dadurch fehlt oftmals der direkte Kontakt im Land und die damit einhergehende Marktintelligenz, die jedoch sehr wichtig ist, um das richtige Produkt zu exportieren oder zu verkaufen. „Made in Germany“ steht sehr hoch im Kurs in Afrika, wird aber zu wenig in der Direktvermarktung angeboten.

Blog:subsahara-afrika: Als Betreiberin einiger afrikanischer Häfen verfügt die Bolloré Gruppe über einen exzellenten Überblick über die Warenströme. Welche Märkte nehmen an Attraktivität zu? Welche Produkte werden zunehmend gefragter in Afrika?

Busch: Generell bleiben alle Länder in Afrika attraktiv, auch wenn durch den Preisverfall vieler Rohstoffe das Wirtschaftswachstum in einigen Ländern wie Nigeria oder Angola stark zurückgegangen ist. Momentan sehen wir ein starkes Wachstum in Nordafrika sowie in der Elfenbeinküste, in Kenia und Äthiopien. Wie bereits gesagt, steht „Made in Germany“ hoch im Kurs und von Maschinenanlagen bis hin zu Kosmetikprodukten werden deutsche Waren überall in Afrika nachgefragt.

Blog:subsahara-afrika: In welchen Bereichen wird die Bolloré Gruppe zukünftig stärker investieren?

Busch: Wir investieren sehr stark in E-Commerce, um unseren Kunden weltweite Transparenz zu bieten – über den Sendungsverlauf bis hin zum Endempfänger in Afrika. Weiterhin investieren wir in Lagerlogistik, Hubs und Distributionsnetzwerke in Afrika. Wir ermöglichen unseren Kunden, ihren Lagerbestand in Afrika jederzeit aktuell abzurufen.

buschWolfgang Busch ist als Africa Business Development Director für Bolloré Logistics Germany GmbH tätig und verantwortet die Entwicklung des afrikanischen Marktes für die Region Central Europe. Zuvor arbeitete er erfolgreich in der afrikanischen Landesorganisation des Bolloré-Konzerns unter anderem in Nigeria und Ghana. Kontakt: E-Mail: wolfgang.busch@bollore.com,
Internet: www.bollore-logistics.com.

Tipp: Am 8. Februar 2017 fand in der IHK Mittlerer Niederrhein eine Veranstaltung mit dem Titel „Zertifizierung und Zollabwicklung in Subsahara-Afrika“ bei der u.a. Vertreter der Bolloré Gruppe, der SGS Germany GmbH sowie der Landesbank Hessen-Thüringen Fragen der Zollabwicklung, der Zertifizierung sowie Akkreditiven im Geschäft mit ausgesuchten Märkten in Afrika südlich der Sahara erörtert haben. Die Präsentation von Herrn Busch von Bolloré finden Sie hier.

(Bildnachweis: Bob Adams „Aerial view, Sentrarand Marshalling Yards“ – Flickr.com)

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