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Interview: EZ-Angebote und Unternehmen zusammenbringen

Entwicklungs- und Schwellenländer wie die afrikanischen Staaten geraten zunehmend ins Visier deutscher Unternehmen. Diese Märkte stehen gleichzeitig im Fokus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Im Gespräch mit blog:subsahara-afrika berichtet EZ-Scout Gerhard Weber, wie Unternehmen von den Angeboten der EZ profitieren können.

blog:subsahara-afrika: Herr Weber, was versteht man unter Entwicklungszusammenarbeit?

Gerhard Weber: EZ wird unterschiedlich verstanden, es gibt keine einheitliche Definition. Das BMZ [Anm. blog:subsahara-afrika: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung] fasst sie heute als globale Struktur- und Friedenspolitik auf. Die EZ soll helfen, Krisen und Konflikte friedlich zu bewältigen, die knappen Ressourcen gerechter zu verteilen, unsere Umwelt auch für die nächsten Generationen zu bewahren und die weltweite Armut zu verringern. Außen-, Handels-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik sind dabei eng miteinander verzahnt. Ich finde die Auffassung des BMZ ausgewogen und zeitgemäß.

blog:subsahara-afrika: Welche Rolle haben in diesem Kontext die sogenannten EZ-Scouts? Die Bezeichnung lässt auf eine Lotsenrolle im Feld der EZ schießen.

Weber: In diese Richtung geht es auch. Das BMZ hat sich zum Ziel gesetzt, die Aktivitäten der Wirtschaft, der Außenwirtschaftsförderung und der Entwicklungszusammenarbeit noch besser aufeinander abzustimmen. Dabei sollen die vielfältigen Angebote der EZ mit der Nachfrage der Unternehmen zusammengebracht werden, die sich für ein Auslandsengagement interessieren. An dieser Schnittstelle von EZ und Außenwirtschaftsförderung agieren die vom BMZ entsandten EZ-Scouts. Als fachkundige Berater mit entwicklungspolitischem Know-how wollen sie im intensiven Austausch mit den Unternehmen mögliche Kooperationen und Unterstützungsmöglichkeiten identifizieren.

blog:subsahara-afrika: Ganz konkret: Wie sehen die Angebote aus, die Sie als EZ-Scout Unternehmen machen können?

Weber: Ich informiere und berate die Unternehmen mit Blick auf die Möglichkeiten, die die EZ bietet. Es geht dabei um Themen wie Investitionsfinanzierung, Finanzierung von Machbarkeitsstudien oder Zugang zur Public-Private-Partnership Finanzierung von Auslandsvorhaben. Ich zeige aber auch Schulungsmöglichkeiten zur internationalen Kompetenzentwicklung des deutschen Managements für die Vorbereitung auf einen Auslandseinsatz auf oder stelle Qualifizierungsangebote in Deutschland für das Personal des lokalen Partnerunternehmens vor. Des Weiteren unterstütze ich bei investitionsbegleitenden oder vorbereitenden Projekten wie der Qualifizierung von Lieferanten der Tochtergesellschaft vor Ort, der Durchführung von Umweltmaßnahmen oder Klimaschutzvorhaben. Diese Aufzählung ist sicher nicht abschließend. Wichtig ist bei allen Angeboten, dass sie möglichst genau auf die Belange der Unternehmen zugeschnitten werden.

blog:subsahara-afrika: Wie läuft denn ein Beratungsgespräch zwischen Ihnen und einem Unternehmen typischerweise ab?

Weber: Vorweg ist zu sagen, dass ein Beratungsgespräch kostenlos ist und ich sehr gerne zu den Unternehmen komme, um deren Aufwand möglichst gering zu halten. Als Gesprächspartner auf Seiten des Unternehmens sollten möglichst ein Sachbearbeiter sowie ein Entscheidungsbefugter beteiligt sein. Zur Vorbereitung des Gesprächs erfrage ich zunächst die Ausgangsbedingungen wie Unternehmensgröße und die außenwirtschaftlichen Erfahrungen und Ziele des Unternehmens. Im ersten Teil der Beratung geht es darum, die außenwirtschaftlichen Interessen des Unternehmens weiter zu konkretisieren und dann darauf abgestimmt die passenden Förderinstrumente vorzustellen. In diesem Zusammenhang erläutere ich die Vorgehensweise für die Antragstellung und gebe eine Einschätzung zum damit verbundenen zeitlichen Aufwand. In den meisten Fällen kann ich auch von Projekten der EZ berichten, die dazu geeignet sind, das Unternehmen vor Ort zu unterstützen und gebe die Kontaktdaten der Ansprechpartner an das Unternehmen weiter. Nach dem Beratungsgespräch begleite ich das Unternehmen weiter, mindestens bis zur Bewilligung eines Antrages, und auf Wunsch auch gerne während der Umsetzung.

blog:subsahara-afrika: Schildern Sie bitte ein Fallbeispiel eines Unternehmens, das mit Hilfe von EZ-Instrumenten in Subsahara-Afrika erfolgreich aktiv geworden ist.

Weber: Ein aktuelles Projekt ist die Entwicklungspartnerschaft zwischen dem Unternehmen Teekanne und der GIZ [Anmerkung blog:subsahara-afrika: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit], ein Unternehmen des Bundes, mit dem Ziel, eine Lieferkette für Hibiskus für Teekanne aufzubauen. Dabei sollen Agrarproduzentinnen in der senegalesischen Region Sine Saloum unterstützt werden. Die Senegalesinnen sollen in die Lage versetzt werden, mit dem Anbau und der Vermarktung von Hibiskus ein ergänzendes Einkommen für ihre Familien zu erwirtschaften. Bis 2015 sollen mindestens 150 Tonnen Hibiskus nach den von Teekanne geforderten Qualitätsstandards produziert, verarbeitet und an Teekanne exportiert werden. Teekanne und GIZ unterstützen dabei durch Schulung, Qualifizierung, Information und Beratung der beteiligten Landwirtinnen und lokalen Institutionen. Auch spielen Sortenversuche und Forschung eine Rolle. Bereits heute, nach nur einem Jahr Projektlaufzeit, können die Produzentinnen ein deutlich gesteigertes Einkommen verzeichnen.

blog:subsahara-afrika: Spüren Sie in Ihrer Beratungspraxis, dass die Bedeutung Subsahara-Afrikas als Markt für Unternehmen insgesamt zunimmt?

Weber: Ja, Subsahara-Afrika steht zunehmend im Fokus. Während Subsahara-Afrika bis vor wenigen Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung als der ,,verlorene Kontinent“ galt, zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass sich die Region sehr dynamisch entwickelt. Hohe Wachstumsraten, Branchen mit Potenzial über den Rohstoffsektor hinaus sowie stabilere Rahmenbedingungen wecken das Interesse der deutschen Wirtschaft. Die Risiken auf dem Nachbarkontinent sind nach wie vor existent. Jetzt zählen aber auch die Chancen und genau dabei kann die EZ sehr gut unterstützen.

profil_weberGerhard Weber ist seit Juni 2013 EZ-Scout bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Ausgestattet mit über 14 Jahren Berufserfahrung in der EZ, informiert und berät er Unternehmen über entsprechende Unterstützungsangebote. Kontakt: weber@bonn.ihk.de; Internet: www.ihk-bonn.de.

 

(Bildnachweise: © iStockphoto.com guenterguni und Gerhard Weber)

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