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„From Cotton to Clothes“:
Im Visier der Einkäufer

Die Textilbranche sieht in den Ländern südlich der Sahara zunehmend Potenzial. Das geht aus einem Bericht einer international tätigen Unternehmensberatung hervor. Ein Blick auf die jüngsten Engagements einiger Bekleidungsunternehmen und Disccounter in Afrika stützt diese Einschätzung. Vor allem ein afrikanischer Markt scheint sich erfolgreich als Sourcingziel zu positionieren.

Laut dem McKinsey-Report “The global sourcing map – balancing cost, compliance, and capacity“ (Oktober 2013) sehen die befragten Textileinkäufer aus Europa und den USA zwar nach wie vor Bangladesch als erste Option hinter dem weltweit größten Bekleidungsproduzenten China. Allerdings steigen auch in dem wegen desolater Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen geratenen südostasiatischen Land die Mindestlöhne. Infolgedessen wird nach dem Bericht auch Subsahara-Afrika eine stärkere Bedeutung für die Sourcing-Strategen erhalten.

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Tatsächlich beabsichtigen einige afrikanische Länder, den Auf- und Ausbau einer eigenen Bekleidungsindustrie voranzutreiben und damit über die Produktion von Rohstoffen hinaus weitere Stufen der Wertschöpfungskette einzurichten. Von Baumwolle zur Bekleidung heißt das Motto.

Während Mauritius und Lesotho seit längerem auf diese Karte setzten und sich einen Namen als Textilmanufakturen gemacht haben, treten andere Länder nach und nach auf den Plan. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang westafrikanische Länder wie Ghana und Burkina Faso, aber auch einige Staaten Ostafrikas verfolgen eine ähnliche Entwicklungsstrategie.

Vor allem Äthiopien scheint sich mit geringen Löhnen und ausreichend verfügbaren Arbeitskräften als Beschaffungsmarkt zu etablieren: Das Hamburger Unternehmen Tchibo lässt seit 2010 in der Hauptstadt Addis Abeba fertigen, in deren Umfeld kurzfristig zahlreiche Textilfabriken entstehen sollen. Auch H&M, Primark und Tesco haben das Land als Produktionsstätte entdeckt. Der Solinger Schuhproduzent Ara gibt Schuhe und Handtaschen in Auftragsfertigung. Insbesondere Textildiscounter denken konkret über ein Engagement in Äthiopien nach.

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Abgeschwächt wird die steigende Attraktivität der subsaharischen Beschaffungsmärkte durch die vielerorts großen infrastrukturellen Defizite, die die im Vergleich zu den südostasiatischen Sourcingpartnern größere Nähe zu Europa relativiert. Neben der Verbesserung der Infrastruktur wird es für die Etablierung der Region als globaler Beschaffungsmarkt auch darauf ankommen, ob der 2015 auslaufende „African Growth and Opportunity Act“ (agoa), der bestimmten Staaten südlich der Sahara den zollfreien Export in die USA erlaubt, eine Verlängerung erfährt.

(Bildnachweise: © michaeljung – Fotolia.com)

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