Drucken

Als Expatriate nach Kenia – Teil 2: Etablierung

Wer als Fachkraft von seinem Unternehmen ins Ausland versetzt wird, der wird mit einer ganzen Reihe von zumeist organisatorischen Herausforderungen konfrontiert. Blog:subsahara-afrika beleuchtet mit einer Artikelserie ausgesuchte Aspekte einer Entsendung nach Kenia. Im Fokus des zweiten Teils: Fragen der Etablierung vor Ort.

Die Fachkraft eines international tätigen Unternehmens, die für einen bestimmten kürzeren oder längeren Zeitraum – meist ein bis drei Jahre – in eine Auslandsniederlassung versetzt wird, bezeichnet man als Expatriate. Eine solche Versetzung beinhaltet ganz spezielle Herausforderungen an die Arbeitnehmer und ihre Familien, die sich aus dem Leben und Arbeiten in einem fremden Kulturkreis ergeben. Bei Planung und Organisation des Umzugs sind bestimmte Regeln und Empfehlungen zu beachten, und zur Etablierungsphase im neuen Land gehören Wahl des Wohnorts und Wohnraumbeschaffung, Inanspruchnahme von Sicherheitsdiensten sowie Erwerb und Anmeldung eines (oder mehrerer) Kfz.

Praktische Umzugsfragen

Kenia gehört zu den Zielländern, in die ein Umzug mit gewissen Schwierigkeiten verbunden sein kann und daher auch gewisse Anforderungen an die Spedition stellt. Daher ist eine gründliche Recherche zur Einholung von Angeboten erforderlich, die nach Möglichkeit auch die Einholung von persönlichen Erfahrungsberichten von bereits vor Ort Ansässigen umfassen sollte. Ein Hinweis auf die Reputation einer Spedition ist auch die Aufnahme in die offizielle Vertragsliste des Auswärtigen Amtes bzw. der jeweiligen Botschaft, die dort auf Nachfrage einzusehen ist.

Grundsätzlich sollte ein anerkanntes internationales Umzugsunternehmen gewählt werden, das mit Umzügen nach Ostafrika und dort vor allem Kenia vertraut ist, sich eventuell sogar darauf spezialisiert hat. Das Abfertigungsprozedere im Hafen von Mombasa kann langwierig sein, wobei auch noch der Aspekt der Korruption eine Rolle spielen kann – wenn auch infolge der Anti-Korruptions-Maßnahmen der Regierung in den letzten Jahren nicht mehr in dem Maße wie früher. Die Spedition muss in jedem Fall verlässliche Agenten vor Ort haben, damit die Abfertigung in einem einigermaßen vertretbaren Zeitraum abgewickelt wird. Allerdings sind eine mehrere Wochen dauernde Abfertigung nach Ankunft immer einzukalkulieren.

Vor allem bei Mitnahme umfangreicher persönlicher Habe ist in jedem Fall ein Komplettangebot, d. h. einschließlich Verpacken am Abgangsort und Auspacken am neuen Wohnort, zu empfehlen, damit der gesamte Hausrat die weite Reise möglichst sicher übersteht. Eine Alternative ist immer, vor allem wenn die Langfristigkeit des Auslandseinsatzes noch nicht abzusehen ist, die Beschränkung beim Umzug auf das Notwendigste an persönlichen Gegenständen und Einlagerung der Möbel oder – bei Immobilieneigentum in Deutschland – befristeter möblierter Vermietung. In dem Fall kann die Mitnahme in Form von unbegleitetem Fluggepäck oder sog. Beiladung der Spedition kostengünstig erfolgen. Allerdings ist zu bedenken, dass die Beschaffung von Elektrogeräten und sonstigem Hausrat in Nairobi kostspieliger ist als in Europa und auch Auswahlsortiment und Qualität noch keineswegs europäischen Standards entsprechen.

Wohnortwahl und Wohnungsmarkt

Die Wahl des privaten Wohnorts in Nairobi erfordert besonders sorgfältige Überlegungen und sollte nicht übereilt d.h. nicht ohne nachhaltige Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort getroffen werden. Daher kann es im Einzelfall für Newcomer durchaus von Vorteil sein, das „House-Hunting“ erst nach Einreise zu beginnen und die ersten Wochen in einem Hotel zu verbringen. Nairobi verfügt über eine breite Palette renommierter Hotels, auch in verschiedenen Preisklassen. Gegebenenfalls sind auch für die Übergangszeit Beihilfen des Arbeitgebers auszuhandeln, da ja generell die Bezuschussung von Wohnraum bei Expatriate-Verträgen üblich ist.

Bei der Entscheidung für einen Wohnort sind zunächst bestimmte Kriterien zu prüfen, um ein späteres „böses Erwachen“ zu vermeiden. Diese Kriterien sind Lage der Schule gegenüber Lage des Betriebs sowie die Entscheidung für die eine oder andere Seite des Uhury Highway, der als zentrale Verkehrsader das City Centre durchschneidet. Für Familien mit schulpflichtigen Kindern sind der Standort des Betriebs und der Standort der ausgesuchten Schule die wichtigsten Kriterien. Gewöhnlich muss man hierbei dem einen oder anderen den Vorrang geben, wenn die beiden wichtigen Orte eben entgegengesetzt voneinander entfernt liegen. Dies war in früheren Zeiten in Nairobi kein Problem, denn die tatsächlichen Entfernungen innerhalb der Stadt sind vergleichsweise überschaubar. „Bei uns in Nairobi liegen alle Punkte mit dem Auto höchstens 15 Minuten voneinander entfernt“, schrieb einmal in den 1990er Jahren eine kenianische Zeitungskolumnistin, die ihre Verwandtschaft in London besuchte und dort die üblichen stundenlangen Autofahrten auf sich nehmen musste.

Diese Situation hat sich nun jedoch mit der Zunahme des Nairobi-Verkehrs speziell in den Rushhour-Zeiten völlig geändert. Um schulpflichtigen Kindern eine lange und eventuell unsichere Anfahrt zur Schule zu ersparen, hat sich der Kern der deutschen Community daher im Umkreis der deutschen Schule im Stadtbezirk Runda niedergelassen (im Volksmund gern „Kraut Hill“ genannt …). Konsequenz ist, dass das werktätige Familienoberhaupt sich je nach Lage seiner Arbeitsstätte oft in aller Herrgottsfrühe – und das heißt am Äquator noch im Dunkeln – auf den Weg macht, um der Rushhour zuvorzukommen. Dem nachmittäglichen Berufsverkehr ist dann meist nur schwer auszuweichen, da dieser sich bis in den frühen Abend erstreckt und bei Regen auch schon mal in die Nacht hinein reicht.

Wer sich als Expatriate nicht an der Deutschen Schule orientieren muss (oder will), hat eine Reihe recht attraktiver Optionen bei der Wohnortsuche. Abgesehen vom obersten Ende der Skala – dem traditionellen Upper-Class-Viertel Muthaiga mit allen Botschafterresidenzen und dem nahegelegenen Gigiri, Sitz der UN in Nairobi – gibt es die durchaus ansprechenden „residential areas“ der gehobenen Mittelklasse wie Westlands, Lavington, Hurlingham, Upper Hill oder auch etwas weiter außerhalb des Stadtzentrums das von den verbliebenen Briten bewohnte Karen und Langata (mit dem leichten Flair aus ferner Kolonialzeit …). Die Auswahl des gewünschten Wohnviertels hängt wegen der geschilderten Verkehrssituation eben von der Entscheidung ab, auf welcher Seite des zentralen Uhuru Highway man wohnen möchte oder sollte, um die täglichen Fahrten möglichst zu erleichtern.

Das Angebot an gehobenem Wohnraum zur Miete für Expatriates und ihre Familien ist recht vielfältig: es gibt zum Beispiel die sogenannten Town Houses, so etwas wie Reihenhaussiedlungen, gehobene Apartmentblocks, aber auch durchaus noch die einzeln stehenden, villenähnlichen Häuser, eventuell im Kolonialstil, mit recht geräumigen, gepflegten Gärten. Das Preisniveau ist breit gefächert und generell noch, verglichen mit vielen afrikanischen Hauptstädten, relativ günstig, gelegentlich sogar mit der Möglichkeit, „Ringeltäubchen“ zu finden – das heißt ein besonders preiswertes Mietangebot für ein geräumiges, schönes Haus mit großem Garten.

Generell liegen gegenwärtig die Mieten für Town Häuser oder Villen etwa zwischen 150.000 und 350.000 Kenia-Shilling (umgerechnet rd. 1.320 und 3.080 EUR). Ein Überblick über führende Immobilienmakler findet sich unter: www.internations.org/nairobi-expats/guide/moving-to-nairobi-15857/expat-housing-in-nairobi-2, eine Auswahl an Objekten unter: www.house.jumia.co.ke/nairobi/nairobi-central/westlands/house/for-rent/ und: www.house.jumia.co.ke/nairobi/nairobi-central/upper-hill/apartment/for-rent/. Noch eine Anmerkung zu der Wohnortfrage in Nairobi: Es gibt keine „Ghettoisierung“ der Ausländer, weil alle Wohnviertel sozusagen gemischt-ethnisch bewohnt sind (nur eben mit der wichtigen Gemeinsamkeit, dass alle reich oder wohlhabend sind …). Aber auch die ärmeren Viertel, oder sogenannten Slums (die nicht immer Slums im engeren Sinne sind), sind meist wenige Straßenzüge entfernt oder teilweise auch gleich vor der Haustür. Dies unterscheidet das Leben in Kenia etwa von den Verhältnissen in Südafrika mit der Apartheid-Vergangenheit.

Sicherheitsfragen

Die Dienste eines der vielen privaten Sicherheitsdienste in Anspruch zu nehmen gehört zur obligatorischen Grundausstattung eines Expatriate-Wohnsitzes in „Nairobbery“ (Spitzname für die kenianische Hauptstadt angesichts häufiger Überfälle, englisch: robbery). Dies beinhaltet Wachpersonal rund um die Uhr, mit Ablösung jeweils morgens und abends, sowie zusätzlich ggf. Wachhunde, Alarmanlagen und Elektrozäune. Das Leben in separaten, bewachten Compounds schafft einerseits einen gewissen Sicherheitsstandard im Alltag, macht andererseits aber den Standort von Expatriates auch sichtbar als mögliches Ziel von Überfällen. Eine beliebte Variante ist die Doppelsicherung von Siedlungen durch sog. „Neighbourhood Associations“. Hierbei zahlen die Bewohner – neben ihrem individuellen Sicherheitsdienst für ihre einzelnen Residenzen – als Mitglieder des Nachbarschaftsvereins eine bestimmte monatliche Gebühr für die Unterhaltung von zusätzlichem 24-Stunden-Sicherheitspersonal zur Bewachung des oder der Außentore zu der Siedlung.

Eine der größten Risiken in dem Zusammenhang betrifft das sog. „car-jacking“: Überfälle auf Autofahrer mit Waffengewalt und häufig auch Entführung des Fahrzeugbesitzers, der dann im günstigsten Fall unverletzt irgendwo außerhalb der Stadt ausgesetzt wird. Solche Risiken steigen natürlich mit dem Wert des Fahrzeugs und der Attraktivität des jeweiligen Modells, was wiederum (gelegentlich) bei der Fahrzeugwahl vom neuen Expatriate berücksichtigt wird: Die Frage ist, schafft man sich ein schönes neues, vor allem Safari-geeignetes Allradgefährt an und zieht die Aufmerksamkeit der „bad boys“ auf sich, oder begnügt man sich mit eher unattraktiven, alten Modellen, in denen sich der Autofahrer dafür relativ sicher vorkommt ….

Ein weiterer wichtiger Sicherheitsaspekt im Alltag betrifft den Geld- und Zahlungsverkehr. Wegen der häufigen Finanz- und Kreditkartenbetrügereien empfiehlt sich eine möglichst restriktive Verwendung von Kreditkarten. Dies gilt auch für die umliegenden Länder der East African Community (EAC), die häufig von den in Nairobi ansässigen Expatriates geschäftlich mitbetreut werden. Kenia ist zwar das fortschrittlichste Land in der Region, jedoch ebenfalls noch vorwiegend „Cash Society“. Eine generell sichere Zahlungsvariante sind die mobilen Geldtransfers über Mobiltelefone, das sogenannte Mobile Banking, das in Kenia sogar „erfunden“ wurde.

Rund um`s Auto und andere Transportmittel

Nairobi ist, wie schon erwähnt, in den letzten Jahren berüchtigt geworden für seine ewigen Verkehrsstaus, denn nach wie vor kommt der Ausbau des Straßennetzes nicht mit dem Wachstum der mobilen Bevölkerung, sprich Autobesitzer, nach. Dennoch ist ein Verzicht auf ein Auto natürlich keine Option, jedenfalls nicht für Expatriates. Sicherheitsstreben und schlechte Straßen mit nicht vorhandenen oder unpassierbaren Bürgersteigen verbannen jeden Expatriate in sein Auto als unverzichtbares Fortbewegungsmittel. Es gibt zwar auch einen öffentlichen Personennahverkehr – in Form von schlecht gewarteten Bussen und noch schlechter gewarteten Kleinbussen, den berüchtigten „Matatus“ – doch sollte man deren Benutzung besser den Einheimischen (und vielleicht den Abenteuerreisenden) überlassen. Wer partout nicht (selbst) Auto fahren möchte, dem bleibt noch die Option des Taxis: Nairobi verfügt zum Glück über eine Reihe gut funktionierender Taxidienste. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, einen Fahrer für das eigene Auto zu beschäftigen, was vor allem im gewerblichen Sektor üblich ist, aber gelegentlich auch in wohlhabenden privaten Haushalten praktiziert wird.

Nach aller Erfahrung sind die „Nicht-Autofahrer“ selbst in Nairobi mit seinem leicht chaotischen Verkehr unter Expatriates die absolute Ausnahme. Die Bewältigung des Stadtverkehrs (zudem mit Linksverkehr in der britischen Ex-Kolonie!) ist für neu eingetroffene Expatriates gerade in den ersten Wochen immer eine besondere Herausforderung, die im besten Fall „sportlich“ genommen wird – und schließlich nach einiger Zeit ein angenehmes Erfolgserlebnis in der Eingewöhnungsphase beschert. Die Anschaffung eines neuen oder eventuell auch gebrauchten Fahrzeugs ist in Kenia unproblematisch, wenn auch nicht billig (Einfuhrabgaben), alle wichtigen Automarken sind vor Ort vertreten. Beliebt sind natürlich die einschlägigen imposanten Geländefahrzeuge, die in einem Land wie Kenia unverzichtbar sind, wenn man auch private Safaritouren unternehmen möchte – immerhin die Highlights des Expatriate-Lebens in Nairobi.

Dieser Artikel ist Teil 2 der Serie: Als Expatriate nach Kenia.

Teil 1: Vorbereitung (13.03.2017)
Teil 3: Personalmanagement (10.04.2017)
Teil 4: Soziales Umfeld / Stolpersteine (24.04.2017)
Teil 5: Interview (08.05.2017)

(Bildnachweis: Stiefi & Monkey Business & Minerva Studio & bst2012 – Fotolia.com)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.