Drucken

Als Expatriate nach Ghana – Teil 2: Etablierung

Wer als Fachkraft von seinem Unternehmen ins Ausland versetzt wird, der wird mit einer ganzen Reihe von zumeist organisatorischen Herausforderungen konfrontiert. Blog:subsahara-afrika beleuchtet mit einer Artikelserie ausgesuchte Aspekte einer Entsendung nach Ghana. Im Fokus des zweiten Teils: Fragen der Etablierung vor Ort.

Die Fachkraft eines international tätigen Unternehmens, die für einen bestimmten kürzeren oder längeren Zeitraum – meist ein bis drei Jahre – in eine Auslandsniederlassung versetzt wird, bezeichnet man als Expatriate. Eine solche Versetzung beinhaltet ganz spezielle Herausforderungen an die Arbeitnehmer und ihre Familien, die sich aus dem Leben und Arbeiten in einem fremden Kulturkreis ergeben. Bei Planung und Organisation des Umzugs sind bestimmte Regeln und Empfehlungen zu beachten, und zur Etablierungsphase im neuen Land gehören Wahl des Wohnorts und Wohnraumbeschaffung, Inanspruchnahme von Sicherheitsdiensten sowie Erwerb und Anmeldung eines (oder mehrerer) Kfz.

Praktische Umzugsfragen

Ghana gehört seit einigen Jahren zu den relativ populär gewordenen Standorten für auslandstätige Europäer, die an Afrika und speziell an Westafrika interessiert sind. Dazu trägt nicht zuletzt die geographische Nähe zu dem als Standort wesentlich schwierigeren Nigeria bei, das teilweise von Accra aus bearbeitet werden kann. Mit einer solchen Entwicklung wächst automatisch die Zahl der internationalen Speditionen mit Ghana-Expertise. Grundsätzlich ist eine gründliche Recherche zur Einholung von Angeboten erforderlich, die nach Möglichkeit auch die Einholung von persönlichen Erfahrungsberichten von bereits vor Ort Ansässigen umfassen sollte. Ein Hinweis auf die Reputation einer Spedition ist immer auch die Aufnahme in die offizielle Vertragsliste des Auswärtigen Amtes bzw. der jeweiligen Botschaft, die dort auf Nachfrage einzusehen ist.

Ghana ist zwar deutlich weniger betroffen von Problemen wie Korruption, Kriminalität u.Ä. als Nachbarländer (wie vor allem Nigeria), dennoch kann es auch hier wie überall in Afrika bei Verschiffungen und Abfertigungen im Hafen von Tema zu Pannen und Verzögerungen kommen. Daher ist die lokale Erfahrung der beauftragten Spedition und ihrer Partner vor Ort wichtig für einen reibungslosen Ablauf des Umzugs nach Ghana. Das Umzugsunternehmen sollte vor allem bei Mitnahme umfangreicher persönlicher Habe in jedem Fall um ein Komplettangebot gebeten werden, das das Verpacken am Abgangsort und Auspacken am neuen Wohnort umfasst, damit der gesamte Hausrat die weite Reise möglichst sicher übersteht. Eine Alternative ist immer, vor allem wenn die Dauer des Auslandseinsatzes noch nicht abzusehen ist, die Beschränkung beim Umzug auf das Notwendigste an persönlichen Gegenständen und Einlagerung der Möbel oder – bei Immobilieneigentum in Deutschland – befristeter möblierter Vermietung. In dem Fall kann die Mitnahme in Form von unbegleitetem Fluggepäck oder sog. Beiladung der Spedition kostengünstig erfolgen. Da in Accra Appartements im Allgemeinen möbliert vermietet werden und im Übrigen Möbel leicht und preiswert lokal beschafft werden können, erübrigt sich oft die Mitnahme eines kompletten Hausstands vor allem bei einem Einsatz von häufig nur zwei bis drei Jahren.

Wohnortwahl und Wohnungsmarkt

Accra verfügt über eine ganze Anzahl gehobener Wohnviertel für Expatriates und die obere Mittelklasse der Bevölkerung. Allerdings ist Mietwohnraum stark nachgefragt, auch durch die wachsende Expatriates-Community. Daher sollte man, wenn möglich, die Übernahme der Vorgängerwohnung oder die Unterstützung durch das entsendende Unternehmen, evtl. auch durch die Umzugsfirma in Betracht ziehen. Die Inanspruchnahme lokaler Makler gilt als beste Option, wenn man das „perfekte Haus“ für sich und seine Familie finden will. Auch die Immobilienanzeigen in den Zeitungen sind es wert studiert zu werden, obwohl viele Objekte es gar nicht hierhin schaffen. Dagegen warnen Landeskenner vor online-Anzeigen, die ungeprüft verbreitet werden können und häufig nicht das halten, was sie versprechen.

Bei einer Zusammenstellung der zehn populärsten Wohnbezirke Accras („The Ten Most Popular Residential Areas in Accra, Ghana“ auf allafrica.com) werden im Einzelnen genannt: East Legon, Cantonments, Spintex, Airport Residential Area, Dzorwulu, Osu, Labone, Airport Hills, Trasacco Valley und East Legon Hills. Als sichere Wohnbezirke in Accra werden in dem auf „emerging markets“ spezialisierten Immobilienportal Jumia House Airport Residential Area, Achimota, East Legon, Cantonments und Osu empfohlen (Osu gilt aktuell allerdings nicht mehr als sicher). In diesen Bezirken können Expatriates zwischen verschiedenen Wohnungstypen wählen, darunter Appartements, sog. Townhouses (Hauseinheiten in Siedlungen), freistehende Häuser und Reihenhäuser. Neben der guten Sicherheitslage bieten diese Gegenden zudem ordentliche Straßen, gehobene Einkaufsmöglichkeiten wie Shopping Malls, Hotels, Restaurants usw. Die Wahl des Wohnorts wird im Einzelfall auch durch die Lage des Büros oder der Schule für die Kinder bestimmt, was angesichts des zunehmenden Straßenverkehrs auch in Accra durchaus Sinn macht.

Wer außerhalb der Stadt in Strandnähe wohnen möchte, kann ebenfalls auf seine Kosten kommen, so in Labadi, South Labadi Estates oder Teshie-Nungua. Hier sind die Mieten zudem noch deutlich niedriger als innerhalb der Stadt. Was die Mietkosten generell betrifft, so ist der Trend steigend mit der wachsenden Popularität des Landes für Expatriates. Nach einer Preisübersicht von Jumia House Ghana aus 2015 lag Ghana im Vergleich mit anderen afrikanischen Hauptstädten noch in einem relativ moderaten Bereich, mit durchschnittlich etwa 500 bis 1.000 Euro pro Monat für eine Dreizimmerwohnung oder ein entsprechendes kleines Haus („one bedroom“). Bei freistehenden Objekten sind die relativ hohen Zusatzkosten gegenüber Appartements zu kalkulieren, für Bewachungspersonal, Gärtner sowie Wartung der Generatoren und Wassertanks etc. Beim Wohnen in einem Appartementkomplex werden diese Kosten von der Hausverwaltung auf die Mietparteien umgelegt. Hinzu kommt das noch relativ hohe Niveau von monatlichen Zusatzkosten für Telefon, Internet und Mobiltelefone.

Neu zuziehende Expatriates können das „House-Hunting“ auch erst nach Einreise beginnen und die ersten Wochen in einem Hotel verbringen. Accra verfügt über eine Anzahl international renommierter Hotels, die allerdings entsprechend teuer sind. Hierfür sind ggf. Beihilfen des Arbeitgebers auszuhandeln, da ja generell die Bezuschussung von Wohnraum bei Expatriates-Verträgen üblich ist. Bei der Anmietung von Wohnraum sollte auch in Ghana wegen der notorisch unzuverlässigen Stromversorgung und auch häufigen Wasserproblemen unbedingt darauf geachtet werden, dass die Anlage über einen leistungsstarken Generator sowie ausreichende Wassertanks oder einen Zugang zu einem Bohrloch verfügt. Vor allem eine dauerhaft funktionierende Klimaanlage gilt als Voraussetzung für ein komfortables Leben von Europäern in dem schwül-heißen Tropenklima.

Sicherheitsfragen

Ghana gilt im Vergleich zu vielen anderen afrikanischen Ländern und insbesondere gegenüber seinem großen Nachbarn Nigeria bisher noch als relativ sicheres Land für Reisende und ansässige Ausländer. Dennoch besteht auch hier immer die Gefahr, Opfer von Kleinkriminalität oder sogar Raubüberfällen mit Waffengewalt zu werden, dies insbesondere bei Nacht und in den frühen Abendstunden. Diebstahls- und Gewaltdelikte häufen sich nach Informationen des Auswärtigen Amtes in letzter Zeit vor allem in den wohlhabenden Wohnbezirken Cantonments, Labone, Airport Residential Area und im Geschäftsviertel Osu. Die Täter sind zumeist bewaffnet und benutzen für ihre Flucht vorwiegend Motorräder. Ansässige Expatriates sollten sich regelmäßig über die Entwicklung der Sicherheitslage informieren, die etwa von dem Auswärtigen Amt bzw. der deutschen Botschaft sowie auch dem US-Außenministerium (OSAC – Bureau of Diplomatic Security) herausgegeben werden.

Wohnanlagen und Häuser von Expatriates erfordern auch in Accra wie in anderen afrikanischen Ländern grundsätzlich eine 24-Stunden-Bewachung durch eine der vor Ort tätigen Sicherheitsfirmen. Diese erheblichen Kosten gehören in jedem Fall in die finanziellen Vereinbarungen mit dem jeweiligen Arbeitgeber. Bei der Auswahl des Security-Unternehmens sollten nach Möglichkeit Empfehlungen von vor Ort lebenden Kollegen und Bekannten im Kreis der deutschen oder europäischen Institutionen eingeholt werden.

Ein weiterer Sicherheitsaspekt im Alltag betrifft auch in Ghana den Geld- und Zahlungsverkehr. So sollten bezüglich Geldgeschäften auf jeden Fall vor der Ausreise die Hausbank in Deutschland sowie die Kreditkartengesellschaft informiert bzw. konsultiert werden. Ghana gehört seit langem zu dem Einzugsbereich der sog. „Nigeria Connection“, die berüchtigt ist für die weit verbreiteten Finanz- und Kreditkartenbetrügereien. Daher sollten Expatriates sich auch bei einem Einsatz in Ghana darauf einstellen, Kreditkarten nach Möglichkeit eher restriktiv zu verwenden und sich ansonsten auf weitgehenden Barverkehr im Geschäftsleben und im Alltag einzurichten. Auch Ghana ist wie die meisten afrikanischen Länder noch überwiegend eine „Cash Society“. Für online-Käufe sollte ein Paypal-Konto eingerichtet und niemals die eigene Kreditkartennummer verwendet werden. Eine auch in Ghana zunehmend verbreitete und generell sichere Zahlungsvariante sind die mobilen Geldtransfers über Mobiltelefone (Mobile Banking).

Rund um‘s Auto und andere Transportmittel

Der öffentliche Personenverkehr in Ghana bietet eine Reihe von Transportmöglichkeiten, die auch im Einzelfall von Expatriates relativ gefahrlos genutzt werden können, so vor allem die von der staatlichen Verkehrsgesellschaft (State Transport Corporation [STC]) betriebenen klimatisierten Expressbusse auf den Überlandstrecken zwischen den wichtigen Städten. Busse gelten als zuverlässig, relativ schnell und sicher, doch sind verspätete Abfahrtszeiten üblich. Es fahren auch Züge des Ghana Railway Network zwischen Accra, Kumasi und Takoradi, die jedoch nicht komfortabel und für extreme Verspätungen berüchtigt sind.

Innerhalb der Städte werden für den Personennahverkehr wie in vielen afrikanischen Ländern Minibusse als eine Art Gemeinschaftstaxi eingesetzt, die chronisch überfüllt auf festgelegten Stecken fahren. In Ghana heißen sie „Tro-tros“ und sollten von Expatriates vor allem wegen ihrer Sicherheitsmängel gemieden werden. Es gibt in den Städten auch verschiedene Angebote privater Taxiunternehmen, die entweder mit Taxometern ausgestattet sind oder auf Verhandlungsbasis fahren, teilweise auch als Gemeinschaftstaxi auf bestimmten Strecken. In jedem Fall sollte vor Fahrtbeginn ein Preis ausgehandelt werden.

Der Erwerb eines eigenen Kfz in Ghana dürfte für die meisten Expatriates selbstverständlich sein, sofern ein längerer Aufenthalt vorgesehen ist. Bis zu einem Jahr kann man mit internationalem Führerschein fahren, darüber hinaus kann ein ghanaischer Schein ohne große bürokratische Hürden erworben werden. Die Hauptverkehrsstraßen sind in einigermaßen gutem Zustand, doch für längere Überlandfahrten in das ländliche Ghana oder in den nördlichen Landesteil ist wegen der vielen Schotterstraßen und Schlaglöcher ein Allradfahrzeug angesagt. Wer es bequem haben will, kann einen einheimischen Fahrer beschäftigen. Wie in vielen afrikanischen Ländern, neigt der Straßenverkehr tendenziell zu erheblich chaotischeren Zuständen als etwa in Mitteleuropa, so dass vor allem für Newcomer defensives Fahren in jeder Situation angesagt ist. Bei Nacht muss man besonders vorsichtig fahren wegen der mangelnden Straßenbeleuchtung. Außerdem sollte man sich darauf einstellen, in regelmäßigen Abständen von der Polizei kontrolliert zu werden, und daher immer Führerschein, Pass und Aufenthaltsgenehmigung (Visum) bei sich haben. Auch im laufenden Straßenverkehr werden Autofahrer häufig angehalten wegen Verstößen gegen Verkehrsregeln, über die man sich daher möglichst schnell nach Ankunft informieren sollte (z. B. Übersicht unter: www.drivingtest.ghanaweb.com).

Dieser Artikel ist Teil 2 der Serie: Als Expatriate nach Ghana.

Teil 1: Vorbereitung (16.10.2017)
Teil 3: Personalmanagement (20.11.2017)
Teil 4: Soziales Umfeld / Stolpersteine (04.12.2017)
Teil 5: Interview: „Man braucht Neugierde, Offenheit, Respekt, Humor und Geduld“(18.12.2017)

(Bildnachweis: Stiefi & Monkey Business & Minerva Studio & bst2012 – Fotolia.com)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.