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Herausforderung „Logistik“: Digitale Lösungen, Drohnen und Spezialangebote sollen Lage verbessern

Zu den schwierigsten Aufgaben im Afrika-Geschäft gehört die Bewältigung komplexer Logistikprobleme. Vor allem die mangelhafte Infrastruktur sowie Kapazitäts- und Effizienzmängel lokaler Unternehmen und Behörden machen zügige Lieferketten schwierig. Eine dreiteilige Artikelreihe behandelt wichtige Logistikfragen im Exportgeschäft mit Afrika und zeigt Ansätze und neuartige Wege zu ihrer Lösung auf. Schwerpunkt des zweiten Teils der Serie: Digitale Lösungen und spezialisierte Logistik-Angebote.

Transportfragen: Online-Plattform und Drohneneinsatz für „last mile logistics“

Das logistische Zentralproblem beim Warentransport zum afrikanischen Endkunden steht unter dem Motto „last mile delivery“ – gerade in Afrika ist die „letzte Meile“ zum Kunden in abgelegenen, kaum zugänglichen Gebieten erfahrungsgemäß die teuerste. Sie kann nach Expertenschätzung unter Umständen bis zur Hälfte des Endpreises verschlingen, denn hier muss mit teuren privaten Kurierdiensten zusammengearbeitet werden. In Kenia ist das Start-up „Bwala Africa“ als erste Logistikplattform entstanden, über die Unternehmen landesweit Tür-zu-Tür-Lieferungen organisieren können. Das Start-up wurde 2017 in Nairobi gegründet, arbeitet in einer 12.000 qm großen Lagerhalle und will nach eigenen Angaben landesweit mit rund 2.000 Agenten arbeiten. Die kenianische Firma ist dabei, für die Expansion in weitere Länder Afrikas neues Investorenkapital zu suchen. Eine offizielle Kooperation wurde mit dem globalen Fahrzeugdienst Uber eingegangen. Weitere angepeilte Länder auf dem Kontinent sind Uganda, Sambia, Simbabwe, Tansania, Ghana und Südafrika sowie auch Länder in Vorderasien (Indien, Bangladesch, Philippinen). Bwala Africa wurde unter anderem in die sogenannte Founders Factory Africa aufgenommen, eine Initiative der Standard Bank Südafrika, mit der in den nächsten fünf Jahren rund 140 Start-ups auf dem Kontinent unterstützt werden sollen.

Bwala Africa ist nicht die einzige Initiative zur Lösung von Logistikproblemen in Ostafrika. Eine auf integrierte Logistikkomplexe spezialisierte Investmentgesellschaft ist die Africa Logistics Properties (ALP). Sie betreibt Kenias erste, nach internationalen Standards angelegte Logistik- und Distributionszentren auf dem Gebiet der Hauptstadt. Erste Anlage ist „ALP Nairobi North“ mit einer Lagerhalle von 47.000 qm. Mit „ALP West“  entsteht ein zweites Zentrum im Westen auf rund doppelt so großem Gelände mit einer 100.000 qm-Lagerhalle, die der größte derartige Komplex in Ostafrika sein wird. Hier sollen mehrere kleinere, moderne Lagerkomplexe entstehen, die auf die Bedürfnisse von Kundenfirmen spezialisiert sind. ALP operiert als spezialisierte Investitionsgesellschaft afrikaweit und erhielt 2018 die Auszeichnung „Best Industrial & Logistics Development“ bei der Africa Property Investment Awards (API) in Südafrika.

Besondere Anforderungen an landesweite zügige und perfekt funktionierende Transportarten gibt es im Bereich der Gesundheitsversorgung, wenn empfindliche Medikamente unbeschadet verteilt werden müssen. Hier ist ein neuer technischer Ansatz der Einsatz von Drohnen. Dieser wurde erstmals vor einigen Jahren in Simbabwe erprobt, in einer Initiative unter dem Schlagwort „Energize the Chain“, die von einem US-Institut (Wharton School der University of Pennsylvania) mit dem globalen Mobilfunkbetreiber Econet Wireless ins Leben gerufen wurde. Hierbei wurden mobile Kühlschränke für Impfstoffe in den Anlagen von Mobilfunkmasten, wie sie über ganz Afrika verstreut sind, platziert. Damit können die Impfstoffe so nah wie möglich an die Patienten herangebracht werden, um sie bei Bedarf an die ländlichen Gesundheitsstationen zu verteilen. Drohnen kommen auch im ostafrikanischen Binnenland Ruanda zum Einsatz, wo das gebirgige Gelände großenteils unzugänglich ist. Der private US-Drohnenbetreiber Zipline Inc. aus Kalifornien, der in der medizinischen Versorgung (vor allem Blutkonserventransport) tätig ist, unterhält Zentralstationen in Ruanda und Ghana (Infos zur Geschichte von Zipline). Der wohl bekannteste Drohnendienst in Kenia ist die Firma Astral Aerial Solutions, die Drohnen für die „last mile deliveries“ in den abgelegenen Gebieten einsetzt.

Lagerhaltung und Ersatzteilversorgung: Spezialisierte Supply Chain-Anbieter

Das generelle Logistikproblem beim Handel mit afrikanischen Ländern betrifft die mangelhafte Infrastruktur für eine effiziente Lieferkette, die sogenannte „supply chain“. Hier fehlt es neben physischer Infrastruktur auch an Facharbeitern sowie an Lagerkapazitäten und qualitativ hochwertigen Lagereinrichtungen – wie etwa für empfindliche pharmazeutische Produkte, die zur landesweiten Gesundheitsversorgung bevorratet werden müssen. Eines der größten Hemmnisse für die regionale Versorgung mit Medikamenten besteht nach Erfahrung der pharmazeutischen Anbieter in der mangelnden Harmonisierung von Regulierungs- und Registrierungsbestimmungen in diesem Sektor. Dies kann einen erheblichen Kostenfaktor ausmachen, der viele Hersteller von der Registrierung ihrer Produkte in Afrika abschreckt. Einen Lösungsansatz bietet in diesem Bereich etwa die Imperial Logistics Group (ILG) in Südafrika, die sich unter anderem internationalen Pharmaziefirmen als Partner für eine funktionierende Lieferkette im Gesundheitsmarkt anbietet und damit bereits einer Reihe von multinationalen Konzernen hilft, die Risiken und Probleme des Geschäftseinstiegs in Afrika zu minimieren.

Ein deutscher Anbieter für umfassenden Logistikservice auf dem afrikanischen Kontinent ist die DHL Supply Chain Africa als sogenannter Lead Logistics Provider (LLP), mit einer breiten Palette von Dienstleistungen von der Beschaffung über Lagerung aller Warenarten bis zum Überlandtransport. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben rund 700 eigene Fahrzeuge auf dem Kontinent und schließt sich mit Subkontraktoren zusammen, deren Verträge jeweils für drei bis fünf Jahre laufen. Trainingsprogramme für die Mitarbeiter sollen qualitativ hochwertige Leistungen auf allen Ebenen sicherstellen (weitere Informationen unter: www.supplychaindigital.com).

Ein besonderer Wachstumssektor in Afrika ist der Bedarf an Kfz-Ersatzteilen und -Zubehör, der jährlich zweistellig zunimmt und vonBranchenexperten auf derzeit etwa 15 Mrd. US$ geschätzt wird. Führende Länder sind unter anderem Kenia, Äthiopien, Tansania und Uganda. Ein Verzeichnis aller größeren Importeure und Händler in diesem Sektor in rund 50 afrikanischen Ländern findet sich unter: https://importers.africa-business.com/automotive_importers_database.html. Eine Untersuchung zum Aufbau einer geeigneten Logistik für Ersatzteile und After-Sales-Support kann heruntergeladen werden unter: www.researchgate.net. Ein globaler Anbieter von Ersatzteilen ist etwa die Firma OEM Spare Parts Logistic Service mit einem Netz von über 30 Standorten in Afrika. Im Sektor Erdbewegungsmaschinen ist die südafrikanische ESP Africa (Pty) Ltd. aus der Capital Equipment Group (CEG) von Invicta Holdings Ltd. tätig und bietet Ersatzteile usw. von zahlreichen internationalen Anbietern an, darunter auch Liebherr aus Deutschland. Das Unternehmen liefert in alle Länder des südlichen Afrika bis in die Dem. Rep. Kongo und nach Tansania.

Wartungsmanagement: Zentrales Problem Afrikas – Entwicklung von IT-Tools

Eines der größten und geradezu sprichwörtlichen logistischen Probleme Subsahara-Afrikas betrifft das unzureichende Wartungsmanagement in allen Bereichen. Besonders dramatisch ist die Lage im medizinischen Sektor, wo das Leben der Patienten von funktionierenden Geräten abhängt. Und gerade hier, so hat die WHO (World Health Organisation) herausgefunden, ist grob davon auszugehen, dass zwischen 50 und 70 Prozent sämtlicher vorhandenen medizinischen Geräte in afrikanischen Krankenhäusern nicht einsatzbereit ist – wegen Bedienungsfehlern und mangelnder technischer Erfahrung des Personals. „Die verbreitete Bedienungskultur ist: die Geräte laufen lassen, bis sie kaputt sind, und dann ein Neues bestellen“, ist eines der Ergebnisse einer Befragung im Rahmen einer WHO-Studie über den Einsatz gespendeter Geräte in afrikanischen Krankenhäusern.

Ein vielversprechender neuer Ansatz, um hier Abhilfe zu schaffen, besteht in der Entwicklung von IT-gestützten Wartungsmanagementsystemen. Ein solcher Feldversuch wird gegenwärtig in mehreren Krankenhäusern im westafrikanischen Benin durchgeführt (Informationen unter: link.springer.com). Das Tool – CMMS (computerized maintenance management system) genannt – wurde speziell als best-practice-Lösung für den technologischen Einsatz in Niedriglohnländern entwickelt, wo mit bestimmten Begrenzungen hinsichtlich Ausbildung und Erfahrung des Bedienungspersonals gerechnet werden muss. Wer als Anbieter von hochspezialisierten Medizingeräten, wie sie gerade von deutschen Herstellern geliefert werden, mit afrikanischen Krankenhäusern Geschäfte macht, sollte sich von vornherein über das Wartungsproblem im Klaren sein und hierfür geeignete Vorkehrungen treffen – das heißt unbedingt einen lokalen Werkstattkontakt als Ansprechpartner bei Geräteproblemen zur Verfügung stellen.

Das Problem mit der Wartung ist in allen industriellen Einsatzbereichen von Maschinen und technischen Geräten zu lösen und stellt jedes Unternehmen in Afrika vor Herausforderungen. Für den Hersteller der Maschinen heißt dies, dass mit der Lieferung ein umfassender After-Sales-Service mit persönlicher technischer Einführung am Gerät und Training der Mitarbeiter verbunden ist und gegebenenfalls auch im Bedarfsfall vom lokalen Agenten Hilfestellung angeboten werden kann. In den Schwerpunktländern mit breit gefächertem industriellen Sektor wie etwa Kenia und Nigeria sowie vor allem Südafrika gibt es spezialisierte Anbieter für Reparatur, Inspektion und Wartung von Maschinen.

Dieser Artikel ist Teil der Serie: Herausforderung „Logistik“

(Bildnachweis: Pixabay.com)

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