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Als Expatriate nach Angola – Teil 1: Vorbereitung

Wer als Fachkraft von seinem Unternehmen ins Ausland versetzt wird, der wird mit einer ganzen Reihe von zumeist organisatorischen Herausforderungen konfrontiert. Blog:subsahara-afrika beleuchtet mit einer Artikelserie ausgesuchte Aspekte einer Entsendung nach Angola. Im Fokus des ersten Teils: Fragen der Vorbereitung.

Die Fachkraft eines international tätigen Unternehmens, die für einen bestimmten kürzeren oder längeren Zeitraum – meist ein bis drei Jahre – in eine Auslandsniederlassung versetzt wird, bezeichnet man als Expatriate. Eine solche Versetzung beinhaltet ganz spezielle Herausforderungen an die Arbeitnehmer und ihre Familien, die sich aus dem Leben und Arbeiten in einem fremden Kulturkreis ergeben. So sind in der Vorbereitungsphase vor allem Visafragen zu klären, die Krankenversicherung für die ganze Familie zu regeln und die geeignete Schule für die Kinder auszuwählen.

Sprachliche Vorbereitung

Angola stellt als ehemalige portugiesische Kolonie besondere sprachliche Anforderungen an Expatriates aus nicht-portugiesisch-sprachigen Ländern. Für die in Angola arbeitenden Expatriates sind sehr gute Portugiesisch-Kenntnisse zwingend erforderlich, da Portugiesisch, wenn auch mit eigenem Akzent, die allgemeine Verkehrssprache ist und Kenntnisse anderer Sprachen wie Englisch in der Bevölkerung kaum vorhanden sind. Daher sind ebenfalls für mitreisende Familienmitglieder entsprechende Sprachfähigkeiten für die Bewältigung des Alltags unbedingt erforderlich. Es gibt ein deutsches Internetportal mit einer guten Übersicht über in Deutschland tätige Portugiesischlehrer und weiteren Informationen und Kontaktanschriften (www.portugiesisch-kurs.de).

Visafragen

Angola gehört hinsichtlich Visaregelungen und –praxis zu den besonders schwierigen Ländern. Daher sollte grundsätzlich genügend Zeit für das Antragsprozedere einkalkuliert werden. Eine weitere Besonderheit der Visaregularien ist es, dass diese sich kurzfristig ändern können, ohne dass etwa das Auswärtige Amt in Berlin darüber unterrichtet wird. Daher sollten vor der Ausreise Informationen direkt bei der angolanischen Botschaft in Berlin oder den für einzelne Bundesländer zuständigen Konsulaten Angolas in Deutschland eingeholt werden (Adressen bei den Länderinformationen unter www.auswaertiges-amt.de). Eine vollständige Übersicht über die verschiedenen Visumsarten mit jeweiligen Dokumentenvorschriften gibt es auf den Webseiten der angolanischen Botschaft.

Vor allem die Vergabe von Arbeitsvisa ist erfahrungsgemäß besonders komplex, zeitaufwändig und unvorhersehbar. So können die jeweils geltenden Bestimmungen gemäß der Entwicklung des Arbeitsmarktes kurzfristigen Änderungen unterworfen sein. Im Übrigen richten sie sich nach dem individuellen Fall, d.h. es zählen persönliche Umstände wie die Nationalität des Antragstellers, die Art des gewünschten Visums und die persönlichen Begleitumstände des Antragstellers und seiner Familienangehörigen. Immer ist eine Vielzahl von Dokumenten – wie u.a. Arbeitsvertrag, berufliche und akademische Zertifikate, Curriculum Vitae, Führungszeugnis, Gesundheitsbescheinigung, Steuerbescheinigung und diverse Begleitbriefe und Erklärungen – beizubringen, die grundsätzlich von einer konsularisch legalisierten portugiesischen Übersetzung begleitet sein müssen. Angesichts der Komplexität des gesamten Verfahrens dürfte es im Einzelfall angeraten sein, in Absprache mit dem entsendenden Unternehmen einen der professionellen Beratungsdienste für Einwanderungsfragen in Anspruch zu nehmen.

Das Unternehmen hat zunächst selbst bestimmte Auflagen zu erfüllen, wie u.a. die Erbringung des Nachweises, dass für den betreffenden Einsatz bzw. für die lokale Stelle keine angolanische Fachkraft zur Verfügung steht. Ein Arbeitsvisum wird in der Regel nur für maximal ein Jahr ausgestellt, mit der Möglichkeit der zweimaligen Verlängerung im Land. Allerdings ist es, so hört man, schwierig, die Visaverlängerung gleichzeitig für alle Familienangehörigen zu erhalten. Daher kommt es durchaus häufiger vor, dass der (oder die) erwerbstätige Expatriate das neue Arbeitsvisum zuerst erhält und die Familie vorübergehend ausreisen muss, bis ihre Verlängerung genehmigt ist.

Sozialversicherungsrechtliche / steuerliche Fragen / Geldgeschäfte

In Angola gibt es wie generell in afrikanischen Staaten keine mit Deutschland vergleichbare gesetzliche Sozialversicherung für Arbeitnehmer. Da auch kein diesbezügliches bilaterales Abkommen besteht, kann eine Versendung bzw. Arbeitsaufnahme in Angola für den sozialrechtlichen Status des deutschen Expatriate im Einzelfall weitreichende Auswirkungen haben. Unter bestimmten Bedingungen gibt es die Möglichkeit, weiterhin im deutschen System zu bleiben (Ausstrahlungsprinzip) bzw. sich freiwillig in Deutschland weiter zu versichern. Da hierzu die Vertragsausgestaltung entscheidend ist, sollte unbedingt vom entsendenden Unternehmen professioneller Rat von einem entsprechend spezialisierten Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer eingeholt werden. Dies gilt ebenfalls im Hinblick auf steuerliche Fragen, die bei der Vertragsgestaltung wegen der unterschiedlichen steuerlichen Belastung des entsandten Arbeitnehmers zu berücksichtigen sind.

Was die Organisation der Geldversorgung in Angola betrifft, so ist diese in Angola besonders schwierig. Zum einen ist Angola eine „Cash Society“, und die Eröffnung eines Bankkontos ist in aller Regel für Expatriates kompliziert, lästig und letzten Endes überflüssig. Zum anderen wird der Devisenmarkt streng von der Regierung kontrolliert, und generell wird Bargeld in beliebiger Menge ins Land gelassen, aber nur begrenzt wieder heraus. Daher lassen sich Expatriates ihre Gehälter üblicherweise zu einem Teil direkt vor Ort auszahlen und zum anderen Teil auf ihr Heimatkonto überweisen. Expatriates sollten unbedingt in einen stabilen Tresor für ihre Wohnung investieren, denn wegen des generell hohen Preisniveaus – Luanda gilt als teuerste Stadt der Welt für Expatriates – muss man ständig viel mehr Bargeld bewegen, als einem aus Sicherheitsgründen lieb sein kann. Auf die Benutzung von Kreditkarten sollte ebenfalls aus Sicherheitsgründen in Angola ganz verzichtet werden, da ohnehin nur sehr wenige Hotels oder Restaurants diese akzeptieren.

Gesundheitsvorsorge

Rechtzeitig vor einer Entsendung nach Angola sollten unbedingt die medizinischen Hinweise des Auswärtigen Amtes unter den Länderinformationen (www.auswaertiges-amt.de) eingehend studiert werden. Angola gehört laut Weltgesundheitsorganisation zu den sogenannten Gelbfieber-Endemiegebieten und verlangt von allen Reisenden, einschließlich Kinder ab dem 9. Lebensmonat, eine gültige Gelbfieberimpfung. Außerdem wird die Beachtung der Hinweise zu den Standardimpfungen sowie den speziellen Reiseimpfungen dringend empfohlen.

Auch Angola ist eines der afrikanischen Länder mit ganzjährigem landesweiten Malariarisiko, auch in den Städten. Dies stellt europäische Zuwanderer vor besondere Probleme, da eine permanente Prophylaxe in aller Regel wegen der gravierenden Nebenwirkungen nicht ratsam ist. In jedem Fall sollten solche Fragen mit einem Tropenmediziner vor Abreise abgeklärt werden. Bei Verzicht auf medikamentöse Prophylaxe bleibt nur die gewissenhafte Beachtung von Schutzkleidung (möglichst vollständige Körperbedeckung) sowie Verwendung von Mückensprays u.Ä.. Davon abgesehen gilt als bester Schutz nach Einbruch der Dunkelheit der Aufenthalt in klimatisierten Räumen und, wenn möglich, das Schlafen unter dem Moskitonetz. Wichtig ist es, jede Fiebererkrankung vor Ort oder auch etwa nach der Rückkehr in die Heimat peinlich genau ärztlich abklären zu lassen, um die Gefahr einer lebensbedrohenden verschleppten Malariaerkrankung zu vermeiden.

Außer dem Malariarisiko bestehen noch zahlreiche weitere Krankheitsrisiken in Angola, wie etwa das Dengue-Fieber, verschiedene Durchfall- und Infektionskrankheiten sowie auch HIV/AIDS (3 Prozent der Erwachsenen gelten als HIV-positiv laut UNAIDS 2015). Eine wichtige Empfehlung betrifft die Mitnahme einer ausgiebigen Reiseapotheke mit allen einschlägigen Medikamenten für gängige Alltagserkrankungen, einschließlich Breitspektrum-Antibiotika. Denn die Beschaffung vor Ort kann schwierig und teuer sein, viele Medikamente sind knapp, und es besteht zudem auch das in Afrika generell verbreitete Risiko gefälschter Markenprodukte.

Die medizinische Versorgung ist in Angola, vor allem außerhalb der Hauptstadt Luanda und einiger Provinzstädte, nach wie vor sehr mangelhaft. In Luanda gibt es einige gut ausgestattete Privatkliniken und qualifizierte niedergelassene Ärzte, die generell alle in Angola vorkommenden Krankheiten behandeln und auch Routine-Operationen zufriedenstellend durchführen können. Die Preise sind hoch, Vorkasse in Bar ist – wie überall in Afrika – erforderlich. Zu empfehlen sind generell portugiesische Sprachkenntnisse, denn die meisten Ärzte verfügen nur über Grundkenntnisse der englischen Sprache. Expatriates sollten in jedem Fall vor einem Einsatz in Angola den Krankenversicherungsschutz für die ganze Familie sicherstellen und ggf. mit der deutschen Versicherungsgesellschaft eine Auslandserweiterung vereinbaren. Hierbei sollte auch eine sofortige Rückholung im Krankheitsfall einbezogen werden – alternativ auch die Evakuierung nach Südafrika in eine der dortigen, nach internationalem Standard arbeitenden Kliniken. Die Organisation Medical Rescue International (www.medrescint.com) ist in Angola vertreten. In Deutschland gibt es auf Ausland spezialisierte Krankenversicherungsunternehmen, deren Angebote gründlich geprüft und verglichen werden sollten.

Schulfragen

Expatriates mit schulpflichtigen Kindern müssen die Schulfrage so früh wie möglich klären, denn eine deutsche Schule gibt es nicht, und die wenigen internationalen Schulen in Luanda haben lange Wartelisten. Dabei genießen die Schulträgerorganisationen und –firmen (vor allem die im Land operierenden Erdölgesellschaften sowie die jeweiligen Botschaften) Priorität. Die Schulgebühren sind hoch (bis 50.000 US-Dollar pro Jahr), daher gehören Zuschüsse oder die Übernahme der Schulkosten üblicherweise zum Vertragspaket bei der Entsendung von Fachkräften in dieses Land.

Als populärste (und teuerste) internationale Schule (in Luanda Sul) gilt die Luanda International School (LIS) mit einer Warteliste von über zwei Jahren. Die English School Community of Luanda Angola (ESCOLA) liegt innerhalb der City und hat ein britisch/südafrikanisches Lehrprogramm. Daneben gibt es die portugiesische Schule (Escola Portuguesa de Luanda) sowie das Lycée Français Alioune-Blondin Bèye mit dem offiziellen französischen Lehrplan und Priorität für die französischen Unternehmen. Die portugiesische und die französische Schule verlangen deutlich niedrigere Gebühren als die beiden angelsächsischen Trägerschulen.

Dieser Artikel ist Teil 1 der Serie: Als Expatriate nach Angola.

Teil 2: Etablierung (14.08.2017)
Teil 3: Personalmanagement (28.08.2017)
Teil 4: Soziales Umfeld / Stolpersteine (11.09.2017)
Teil 5: Interview: Angola hat auch Annehmlichkeiten für Expatriates (25.09.2017)

(Bildnachweis: Stiefi & Monkey Business & Minerva Studio & bst2012 – Fotolia.com)

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